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Spätestens durch die Mitwirkung von Justin Cheung deutlich erkennbare Anlehnung an die Breakout Brothers - Trilogie, hier als chinesische Streamingproduktion, dort als kantonesischer Kinofilm, wobei die (finanziellen) Unterschiede dessen höchstens marginal sind und (wenn man ehrlich ist) die derzeitige Landschaft der On Demand - Titel vom Mutterland der VRC in den meisten, nicht allen Fällen sogar aufwändiger und wertiger aussehen und (theoretisch) auch eine Actioninszenierung aufweisen, die sich a) nicht vor den Kollegen von der großen Leinwand zu verstecken brauchen und b) gerade den amerikanischen Vertretern jederzeit den Rang abkaufen. Golden Escape punktet (vermeintlich) zusätzlich und dies auch für den auf das Hongkong-Kino präferierten Zuschauer neben Cheung mit einer weiteren Anzahl bekannter Darsteller, allen voran Ray Lui in der zweiten Hauptrolle, aber bspw. auch Kent Tong oder Sam Lee:


Der in Geldnöten steckende Drehbuchautor Zhong Zheng [ Justin Cheung ] lässt sich unter einem fadenscheinigen Vorwand und mit vorheriger Recherche in das Chilang Bay Prison einsperren, um dort im Untergrund nach einem familiären Goldschatz zu graben, dessen Karte er zuvor nach dem Ableben eines Verwandten gefunden hat. Eigentlich will er sich dabei so unauffällig wie möglich verhalten und kein Aufsehen erregen, gerät aber in den Machtkampf zwischen den anderen Insassen Ding Jiayao a.k.a. 'Crab' [ Ray Lui ] und Zhang Dabiao a.k.a. 'Tiger [ Ricky Chan ], die beiden an dem Neuling interessiert sind. Außerdem taucht bald auch Zhongs Kredithai, der Triade Brother Si [ Sam Lee ] im Knast auf.

Mit Maria Corderos "Light of Friendship" eröffnet man, intoniert wird die alte Freundschaftshymne, Kennzeichen vieler HK-Serien und natürlich auch von deren Filme. Loyalität, Verbundenheit bis in den Tod, ein striktes Füreinander einstehen wird hier angesungen, in Prison on Fire kam es zuerst stellvertretend vor, Kameradschaft unter Knastbrüdern. Bis dahin ist es aber noch etwas, erst wird jemand in der Duschkabine mit dem Kopf voran an die Fliesenwand gesplittert; ein großes Stelldichein der Männer in der braunen Anstaltskleidung nicht zur Friedenspfeife, sondern zum Machtkampf und der Vorherrschaft hinter Gittern. Mittendrin und wie vom Ende her fängt man an, stellvertretend für die beiden versammelten Gangs kämpfen zwei Mann. Maskulinität und Brutalität, bald spritzt das Blut und bald ist einer ohnmächtig, dann fängt die eigentliche Geschichte an.

Cheung, der in den drei Breakout Brothers Teilen einen körperlich aufgeschwemmten, eher dickbäuchigen, dafür aber skrupellosen Anführer mit später leichter Wandlung vom Saulus zum Paulus (und auch in Imprisoned: Survival Guide for Rich and Prodigal einen massiven Sträfling) gab, hat hier wieder oder erneut abgespeckt, gibt aber auch eine andere Rolle, die des Normalos, der vor drei Monaten noch Zivilist und unschuldig war und nun hier die Identifikation und den Erzähler, mit Voice Over darstellt. Die Handlung, allen voran die Prämisse, stellt sich dabei schnell als albern dar, eine Mischung aus Prison Break, welches hier gar als Referenz bzw. als Quellmaterial für den verkappten Filmautoren hier darstellt und deutlich angespielt wird, und dem Der Diamanten-Cop (oder auch Fack ju Göhte, wenn man so will), als das Infiltrieren einer Institution mit finanziellem Ziel; das Annehmen einer Rolle, die mehr oder mehr zur eigenen Persona wird. Gedreht ist das wie auf Aufputschmittel, Zeitraffer, Zeitlupen, POV-Shots, Traumsequenzen und welche im Delir, auch die vierte Wand wird mal durchbrochen. Geschrieben wird es im Knast selber mit allen möglichen Wahrheiten bzw. dem vorhandenen Klischee: Der Gangwar, das Frischfleisch, die Zigaretten (und Küchlein) als Geldersatz und Handelsware, der harmlose alteingesessene Informant, der die Gegebenheiten erläutert; die Narration: taking sides and taking notes.

Wie oft in dem Metier ist das auch zur Hälfte ein Triadenfilm, nur hinter schwedischen Gardinen, geht es um das Gesicht bewahren, um Gegenwehr und Rache, um Blutsverwandtschaft, tatsächlich oder emotional, um dem Folgen eines Gruppen- und damit Rudel- und Rädelsführers. "How can you still act as if you were in the Young and Dangerous at your age?" muss sich Urgestein Lui dabei anhören; noch mit der fähigste Darsteller hier, seit Jahren auch im chinesischen Film und nur noch selten im HK-Kino, dann meist bei Gastauftritten in höhergestellten Prestigeprojekten und damit meist Kooperationen involviert. Lui gibt dem Werk hier ein wenig Grandezza, eine Wichtigkeit und Bewandtnis, die es sonst nicht hätte und wohl auch nicht verdient; der Entertainmentfaktor kommt durch die spinnerte Story, dem Drang zum Caper-Movie und Abenteuerfilm. So richtig eindringlich und mitreißend sind die Gegebenheiten dabei nicht, da hatten die Breakout Brothers in ihren Erlebnissen jeweils die Nase vorn, der Aufwand der Produktionen ist ungefähr derselbe, die Bilder gleichen sich, das (nutzlose) Bemühen des Regisseurs hier um einen Effekt ist in den meisten Fällen leider nur aufdringlich, zu affektiert die Gesten, die 'fremde' Sprache (die meisten Hauptrollen sind deutlich gedubbt) tut ihr schädliches übriges, zudem sehen die meisten Szenen aus wie auf einem alten Schulgelände mit Innenhof, Materiallager etc. und dies in einem stillgelegten Wohnblock und nicht etwa in einem Gefängnis gedreht. Die Kampfszenen sind erstaunlicherweise nichts wert und spätere Ablenkung durch mit Propangas gefüllte Ballons stammen deutlich aus dem Rechenknecht.

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