Review

Auf kurz oder lang war ein Remake des österreichischen Überraschungserfolgs „Ich seh, ich seh“ von 2014 wohl unvermeidbar. Und da Naomi Watts bereits einige schwache Neuverfilmungen („Funny Games“, „King Kong“, „Ring“) aufwerten konnte, gelingt ihr das immerhin auch hier.

Für die Zwillinge Elias und Lucas (Cameron und Nicholas Crovetti) geht es zum Landhaus der Mutter (Naomi Watts), die ihren Kopf nach einer Schönheitsoperation komplett unter Bandagen halten muss. Doch nicht nur das befremdliche Aussehen ihrer Mutter verstört die Zwillinge. Neuerdings gibt es eine Reihe strenger Regeln und einige frappierende Veränderungen am Verhalten der Mutter. Elias und Lucas wollen mit allen Mitteln herausfinden, was mit ihrer vermeintlich wahren Mutter passiert ist…

Das Facelifting der Neuauflage gleicht dem, welches in Hollywood so üblich ist: Nach der OP sind die Falten, sprich Ecken und Kanten weg und alles ist hübsch glatt gebügelt.
Folgerichtig fehlt es dem Remake an all dem, was das Original ausmachte: Eine mysteriöse, bis surreale Grundatmosphäre, ein Rätselraten um das unterschiedliche Verhalten der Zwillinge und nicht zuletzt einige unorthodoxe Methoden zur Wahrheitsfindung.

Regen, Gewitter und ein unheilvoll klingender Score reichen beileibe nicht aus, um die beängstigende Situation für die Kinder in all ihren Urängsten zum Ausdruck zu bringen. Obgleich die namenlose Mutter alles andere als fürsorgliche Verhaltensweisen an den Tag legt, heimliche Telefongespräche führt und Kinderzeichnungen nicht zu würdigen weiß, erscheint sie nie wie das Mysterium, welches das Original auszeichnete. Eher wie eine Erziehungsberechtigte, die mit der aktuellen Situation nervlich überfordert ist, während die Kids auch nicht wirklich viel dazu beitragen, die Lage zu entspannen.

Regisseur Matt Sobel klammert die Feinheiten des Originals weitgehend aus und konzentriert sich stattdessen auf ein eher oberflächliches Katz – und Mausspiel mit einigen Momenten des Versteckens und Lauschens. Eine Alptraum-Sequenz mit etwas Body-Horror will sich so gar nicht zum Ton des eigentlich bodenständigen Geschehens fügen und viel zu früh wird aufgrund einiger Satzformulierungen ein essentieller Twist offenbart. Folgerichtig bleiben weitere Überraschungen zum Finale aus, nur innerhalb der letzten Einstellungen bleibt das Konstrukt dem Original weitgehend treu.

Eine Naomi Watts muss sich hier vermehrt auf eine entsprechende Körpersprache einstellen, was ihr aufgrund der eingeschränkten Mimik recht gut gelingt. Besser glänzen können die Zwillinge, welche bodenständig und glaubhaft performen und anbei einige emotionale Facetten präsentieren, ohne dabei über die Stränge zu schlagen.
Ansonsten bleibt das Handwerk ohne sonderliche Kniffe und auch die Ausstattung des Landhauses, welches den Hauptschauplatz markiert, bleibt komplett austauschbar.

Wenig subtil und dennoch weichgespült kommt das Remake daher, dem es an Fingerspitzengefühl und frischen Ideen mangelt, um das Original eventuell um einige Nuancen zu erweitern. Etwaige Wendungen werden deutlich zu früh angedeutet, während der wesentliche Part des Mysteriums einer Dreierkonstellation oberflächlich angeordneten Verlaufsmustern weicht, die zu selten Spannung erzeugen. Immerhin: Durch das unnötige Remake wird das Original umso deutlicher aufgewertet.
4 von 10

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