iHaveCNit: Tausend Zeilen (2022) – Michael „Bully“ Herbig – Warner
Deutscher Kinostart: 29.09.2022
gesehen am 30.09.2022 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 10 – Reihe 9, Platz 15 – 16:45 Uhr
Ein Fall, der in gewisser Art und Weise an mir vorbeigezogen ist, gerade weil ich mich sowohl mit der betroffenen Blase des deutschen Journalismus als auch dem „Spiegel“-Magazin nicht wirklich beschäftigt habe, war der Skandal um Claas Relotius, der durchaus so filmreif scheint, dass Michael Herbig sogar den Skandal für seinen neuen Film herangezogen hat. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, Herbigs neuen Film im Kino anzusehen.
Der freie Journalist Juan Romero darf für das deutsche Magazin „Die Chronik“ an einem Bericht über Flüchtlinge an der mexikanischen Grenze mitarbeiten. Sein Partner dabei ist der in der Journalismusszene gefeierte und ausgezeichnete Lars Bogenius. Im Veröffentlichungsprozess macht Romero die Entdeckung mehrerer Ungereimtheiten und Unwahrheiten in Bogenius Texten. Angetrieben von seinem eigenen Ethos und Ehrgeiz will Romero die Wahrheit aufdecken, doch die Chefetage von Bogenius Abteilung ist von jeglichen Beweisen nicht überzeugt und auch die Ehe von Romero leidet in dieser Phase.
„Tausend Zeilen“ ist ein kompakter und rasanter Film geworden, der eine Mischung aus vielen Elementen enthält – Von Satire über Thriller und Krimi hin zu Komödie und Drama ist vieles vertreten, so dass der Film sich ein wenig überladen und unentschlossen anfühlen kann. Ich fand diese Mischung jedoch einigermaßen rund und der Film war zu keinem Zeitpunkt für mich langweilig und durchaus mitreißend und unterhaltsam. Die semibiografische, teilfiktionale Aufarbeitung innerhalb des Films hat sich wenn auch oberflächlich gut und leicht harmlos mit dem Spannungsfeld aus Realität und Fiktion sowie Wahrheit und Lüge beschäftigt und auch als leicht unzuverlässiger Erzähler geeignet. Die erzählerischen und visuellen Ideen – auch mit dem Durchbrechen der 4. Wand haben für mich auch sehr gut gepasst. Interessant war in dem Film für mich auch das Duell zwischen Elyas M´Barek und Jonas Nay. Insgesamt hat der Film mir gut gefallen, aber sein volles Potential nicht ausgeschöpft.
„Tausend Zeilen“ – My First Look – 7/10 Punkte.