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Seit der Neuinstallation von und der Verjüngung der Reihe durch Chad Michael Collins ab Sniper: Reloaded (2011) weiterhin eine Konstante in der Besetzung, zusätzlich angerührt und abgeschmeckt durch abwechselnd oder zusammen die Veteranen vom Original, in der Regie dafür ein ziemliches "Bäumchen wechsel Dich", hier wieder und erneut mit Oliver Thompson ein Neuling auf dem Platz des Verantwortlichen, statt auch da die Wege der Bewährtheit zu gehen. Weder sind hier die sicherlich auch verfügbaren Claudio Fäh oder (der sowieso als Genrespezialist geltende) Don Michael Paul mit der Inszenierung beauftragt – welche je nach Ansicht das jeweils beste DtV Sequel mit Sniper: Ultimate Kill (2017) bzw. Sniper: Legacy (2014) geschaffen haben – noch der beim direkten Vorgänger Sniper: Assassin's End (2020) durchaus einige Ideen aufweisende Kaare Andrews. Vielmehr wird abermals ein Frischling herangelassen, eventuell ist das auch das Erfolgsrezept der Saga, die nunmehr in Runde 9 und dies tatsächlich ohne eklatanten Durchhänger geht:


Als der korrupte und in einen Menschenhandelsring verwickelte Bundesagent Harvey Cusamano [ Paul Essiembre ] einer drohenden Verhaftung durch die Beseitigung fast aller Zeugen entkommt, und sich die Obrigkeit unter Führung von Gabriel "The Colonel" Stone [ Dennis Haysbert ] blind und taub stellt, macht sich der in den Diensten der CIA tätige und derzeit 'beurlaubte' Brandon Beckett [ Chad Michael Collins ] zusammen mit Zeke "Zero" Rosenberg [ Ryan Robbins ] von der Homeland Security gemeinsam und inoffiziell an die Verfolgung des dringend Verdächtigen. Dabei stoßen sie auf eine einzige überlebende Mitwisserin, Mary Jane [ Jocelyn Hudon ], die allerdings von den Kriminellen gejagt und selbst in einem Polizeirevier angegriffen wird. Beckett und Rosenberg wenden sich zur Hilfe an die ehemalige Attentäterin Yuki "Lady Death" Mifune [ Sayaka Akimoto ].

Ein Start mit vielen Eindrücken, Charaktere aus der Erzählung direkt davor, in einer neuen Mission, in einem Auftrag, der über die Kontinente geht und aus nicht von oben abgesegneten Ordern in ebenso dunkle Quellen und Gefilde führt. Beobachtung und Wahrnehmung steht dabei an erster Stelle, ein Späher pirscht sich an das Ziel heran, ohne sich selber zu bewegen, eine Kamera fängt erst den Bildschirm, dann die Realität dahinter, dann die Bewegung abseits des Kaders selber und dies durch Bewegungen der Technik, des Objektes und einem Verharren der Subjekte, der Personen ein. Aufzeichnungen werden an und abgestellt, Details geraten erst später ins Bild, Aktionen werden beschleunigt und verzögert. Zwei Missionen standen an, eine ist ein Massaker, beide sind ein Desaster.

Was man schon von Start weg schnell merkt und registriert, der neue Mann am Ruder des Filmes zeigt Eigeninteresse und unbedingten Gestaltungswillen, Thompson zeichnet sich für das Drehbuch verantwortlich, für die Regie natürlich, aber bspw. auch für die Musik; so werden allen voran Montagen geboten, selbst der Vorspann ist ausnahmsweise animiert und comigal formuliert. Als großangelegtes Geheimdienst-/Politik-/Korruptionsgeklüngel mit Maulwürfen und Verrätern fängt die Geschichte an, die ersten Ereignisse werden noch einmal vorgestellt, rekapituliert und evaluiert, nun der Bürokram und die Hürden dabei, vorher die Einsätze im Feld. Erstaunlicherweise liegt dabei auch die Aufmerksamkeit auf den Gesprächen, auch ein jeweils unterschiedlicher, tatsächlich komödiantischer Unterton ist vorhanden, oft sarkastisch, zuweilen zynisch, zuweilen in Sachen Mimik fast Sitcom, es gibt verbalen Nonsens und den guten alten low-brow Humor. Es gibt ein Scharfschützenattentat auf eine noch in Polizeigewahrsam befindliche Kronzeugin, es gibt eine Schergentruppe, die mit fleißig Bier in der Hand und Grill in der Nähe auf einem ausrangierten Sofa vor einem ebenfalls ausrangiert aussehenden Holzhaus kampiert, es gibt mindestens zwei Männerbündnisse, die schon etwas in die Nähe der hier fehlenden, nicht direkt vermissten Berenger und Zane schielen und auch die Basis für weitere zukünftige Sequels und Abenteuer stellen könnten und dies hoffentlich auch tun.

Thompsons eher ungewohnte Herangehensweise sorgt auch dafür, dass der Film im Vergleich zu den Vorgängern einen eher lockeren, spielerischen Tonfall hat, teilweise blitzt da gar eine Actionkomödie durch, eine waschechte sogar, ein billiger Guy-Ritchie-Film, während die Teile dafür entweder sehr martialisch waren oder gar militaristisch und auf jeden Fall ernst (nicht gleich düster) angelegt; wenn nicht der Autor von hier auch das Drehbuch von Teil 8 geschrieben hätte und so eine enge Verbindung bereits bestehen würde, könnte man auch meinen, man hat ein fremdes Skript einfach umgeschrieben und für die Sniper - Erzählung adaptiert. Außerdem sorgt man hier für eine Überbrückung oder Vortäuschung des (sichtlich klammen) Budgets, auch die Vorgänger waren im niedrigen einstelligen Millionenbereich angesetzt, aber wahrscheinlich (aufgrund 'besserer Zeiten' und größerer Möglichkeiten der Vermarktung und Auswertung) immer noch einen Tick besser finanziert; wobei sich die Produktion hier nicht verstecken oder schämen muss, aber deutlich kleinpreisig daherkommt und dies kreativ überspielt. Was dem Film allerdings vollends abgeht: Er hat keinen Druck, keine Dringlichkeit, er wirkt über eine andere Sorte Sog. Action selber ist übrigens eher körperlich gehalten, also etwas Nahkampf, eine Falle in einer Sackgasse, eine Konfrontation in einem Straßencafé einer Kleinstadt, bei der sich zwei Sniper deswegen nicht sehen, weil der eine ein Stockwerk höher als der andere und dies beiderseits unbekannterweise stehen.

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