Vampirella mit Schlafzimmerblick
Sich von einer Vollgurke, einem legendären Flop wie dem „Wicker Man“-Remake nochmal zu erholen, hatte Regisseur Neil LaBute nicht jeder zugetraut. Doch er hielt sich irgendwie karrieretechnisch über Wasser, biss sich seitdem durch - und liefert nun passenderweise mit „House of Darkness“ ein waschechtes Vampirdate ab, bei dem sich ein anfangs noch glückseliger Justin Long auf dem düsteren Anwesen einer jungen, extrem attraktiven und mysteriösen Frau wiederfindet, zwischen Verführung und Verunsicherung. Doch schnell und für den Zuschauer natürlich mehr als deutlich zeichnet sich ab, dass die Traumfrau eventuell doch nicht der Hauptgewinn, sondern eher ein blutsaugender Alptraum sein könnte…
Rednerische Reißzähne
Ich mag „House of Darkness“. Weil ich Justin und Kate mag. Weil ich LaButes Dialogen gerne lausche, erst recht von den beiden vorgetragen, cheesy und augenzwinkernd. Die Atmo in dem alten Herrenhaus ist dunkel und dicht. Es gibt im letzten Drittel einen der besten und sinnvollsten, verspieltesten und hübschesten Jumpscares, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Justin spielt charmant-sexistisch, Kate hauchend-gefährlich. Es ist definitiv auch ein Kampf der Geschlechter, bei dem der Mann hier in jedem Belang den Kürzeren zieht. Optisch, intellektuell, historisch - und später natürlich auch körperlich. Es ist eine moderne wie zeitlose „Dating-gone-wrong“-Story, genauso Tinder wie Hammer. Genüsslich, geduldig, garstig ganz gegen Ende. Dann ist auch schon Schluss. Ohne Umwege oder Epiloge oder Überraschungen. Man weiß die ganze Zeit, wohin es laufen wird. Und das wir das wissen, weiß der Film auch. Er zieht dennoch sein Ding durch. Bitchy und blutig. Und das ist gut so - selbst wenn das auch ein Kurzfilm gekonnt hätte, selbst wenn sowas schon vor 50 Jahren in „Tales From The Crypt“-Magazingeschichten erzählt wurde, selbst wenn das einigen Herren gegen den Strich geht oder vielen ganz allgemein zu wenig ist. Mir reichte der erstaunliche Weg - selbst wenn das Ziel offensichtlich ist von Beginn an wie ein Pflock in Draculas Herz.
Fazit: wer Justin Long und Kate Bosworth toll findet, nichts gegen lange, streng genommen nicht ganz helle Dialoge und Vorhersehbarkeit hat, Blutsaugern zugeneigt ist, der dürfte mit „House of Darkness“ einen genüsslichen Abend haben. Ja, da müssen ein paar Sachen zusammen kommen. Aber solide Vampirgeschichten gibt’s heutzutage doch viel zu selten.