Böhmen zu Beginn des 15. Jahrhunderts: die Vormachtstellung der katholischen Kirche bröckelt, nachdem reformatorische Kräfte immer mehr Zulauf finden. Der Hinrichtung des Theologen Jan Hus als Ketzer auf dem Scheiterschaufen folgt wenige Jahre später der erste Prager Fenstersturz, und kurz darauf bricht in Prag und ganz Böhmen ein Aufstand aus: die Hussitenkriege haben begonnen. In mehreren Kämpfen gegen die etablierten Kreuzzugsheere des römisch-deutschen Königs Sigismund (Matthew Goode) und seiner katholischen Verbündeten erweist sich Heerführer Jan Žižka (Ben Foster) als besonders erfolgreich und kann mit seinen trickreich operierenden Hussiten 5 Schlachten gegen die vom Papst aus Rom entsandten Truppen gewinnen.
In dieser Periode, den 1420er Jahren, setzt Regisseur Petr Jákls Historienepos Medieval ein, als sein Hauptdarsteller Žižka, damals noch ein Söldneranführer, von König Wenzel den Auftrag erhält, eine Frau zu entführen: Katherine (Sophie Lowe), die Verlobte des mit Sigismund verbündeten Heinrich von Rosenberg, soll als Druckmittel für den Streit zwischen den verfeindeten Brüdern Wenzel und Sigismund dienen. Zwar gelingt die Entführung, doch Žižkas Hussiten werden von den königlichen Truppen verfolgt und gestellt. Während die darauffolgende Schlacht dank deren Ideenreichtums zugunsten der Aufständischen ausgeht, stellt sich heraus, daß die Entführte, nachdem sie die geschundene Landbevölkerung gesehen hat, Sympathien für Žižka und die Hussiten entwickelt...
Ohne diese Einführung, die man sich freilich komplett selbst erarbeiten muß, wäre der Zuschauer mit der den Film einleitenden Schlacht, in der Fußsoldaten bewaffnete Reiter in einen Fluß schmeißen, heillos überfordert. Denn die spärlichen Hinweise auf den historischen Kontext, im Film durch ein paar Texttafeln und Voice-over-Stimme unzureichend erläutert, reichen schlichtweg nicht aus, das Geschehen zu erfassen. Zwar stellt sich schnell heraus, daß hier das Leben des Hussitenführers Jan Žižka skizziert wird, doch eine ausreichende Motivation für dessen Wirken liefert der Film nicht. Zumindest nicht für das internationale Publikum, welches durch den mit einigen klingenden Namen besetzten Cast angesprochen werden soll.
Zwar gibt sich Ben Foster alle Mühe, seinen Kriegshelden positiv darzustellen, doch bildet sich zwischen den Schlachten, Verfolgungen und Verhandlungen mit dem Gegner nicht wirklich ein sympathisches Profil heraus, mit dem sich mitzufiebern lohnen würde - und dies gilt für sämtliche Mitwirkende. Daß nach knapp 10 Minuten Laufzeit der unvermeidliche Til Schweiger auf dem Bildschirm erscheint (mit Rotzbremse und fremdsynchronisiert in einer Nebenrolle als Schurke gottseidank kaum wiederzuerkennen) mag man dabei als nur eines von vielen kleinen Übeln wahrnehmen - dennoch fällt es mit zunehmender Filmdauer immer schwerer, dem mit kolportierten 23 Millionen Dollar verhältnismäßig teuren Historienstreifen zu folgen.
Immerhin sind die Schlachten einigermaßen glaubhaft inszeniert und werden mit diversen Drohnenperspektiven in wäldlichen Gegenden auch durchwegs sehenswert präsentiert, doch reicht dies schlichtweg nicht aus, den in Tschechien als Nationalheiligen verehrten Jan Žižka über die Grenzen Böhmens hinaus bekannt zu machen, wozu auch der unglaublich einfallslose Titel Medieval (= mittelalterlich) nichts beiträgt.
Die historische Leistung Jan Žižkas, der in seinen Feldzügen in Sachen Brutalität der Gegenseite in nichts nachstand, ganze Städte dem Erdboden gleichmachte und später in Flügelkämpfen auch ehemalige Mitstreiter zu Tode foltern ließ, bestand schlußendlich darin, daß es seinen Hussiten dank militärischer Erfolge gelang, der katholischen Seite - knapp 100 Jahre vor Martin Luthers Reformation - erhebliche Zugeständnisse abzutrotzen.
Diese Umstände jedoch spielen bei dem eher wie der (misslungene) Versuch einer tschechischen Version von Braveheart konzipierten Medieval eine untergeordnete Rolle.
Fazit: Trotz ordentlicher Kampfszenen inhaltlich mau und größtenteils langweilig: 4 Punkte.