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MCU sagt Hello Wien


Vielen ist das (immer noch legendär erfolgreiche) MCU in den letzten Jahren zu gleich, zu weich, zu reich und zu seicht geworden. Oder war es gar schon immer. Würde ich zaghaft zustimmen. Muss man auch erstmal schaffen, wenn man gar Sam Raimi für eines ihrer neueren Projekte engagieren konnte. Dabei hat das Marvelcomicuniversum durchaus ein paar wortwörtlich düsterere Ecken, man denke nur mal an Blade oder Moon Knight. Diese Nische bediente man bisher allerdings kaum und nur äußerst beliebig, gefühlt immer heftigem mit Blick auf den Massenmarkt und jede mögliche Zielgruppe. Das diesjährige Halloweenspecial auf dem hauseigenen Streamingportal schickt sich nun aber an dies zu ändern. Mit einer an klassische Monstermovies angelegten Optik, sehr viel Oktoberflair und massig Kreaturen, Kämpfen und… Horror. Spaßigem und schon noch irgendwie fast familienfreundlichem Horror - aber definitiv Horror. Und das werte ich als Schritt in eine richtige Richtung. Handlung: bei einem geheim eingerufenen Treffen legendärere Monsterjäger kommt es zu einigen blutigen Zwischenfällen, da sich scheinbar ein Werwolf unter die illustre Truppe gemischt hat…

In unter einer Stunde ist dieser spektakuläre Spukstreich zwar (leider) schon vorbei - doch ich habe jede davon genossen! Man merkt sehr gut, dass mit Michael Giacchino ein Mann „vom Fach“ die Hände am Regler hatte. Selbst wenn er eher bisher für sensible, leise Töne zuständig war, ist er dennoch einer der größten Könner Hollywoods - und das nun scheinbar auch im Regiestuhl und auf ungewohntem Horrorgrund. Sein Gespür für Atmosphäre und Timing und die zitierten Klassiker (beispielsweise von Universal oder RKO) ist tadellos. Das Herz für Monster, Außenseiter und das Genre pocht wie wild. Trotz (natürlich) comichafter Überzeichnung wird der Blutzoll schön ordentlich in die Höhe geschraubt und Whodunit-Spuren kann das Ganze auch enthalten. Gael Garcia Bernal ist mit seiner mysteriös-zerbrechlichen Art die perfekte Wahl und das Setdesign wirkt über alle Fälle erhaben. Hier wird die Balance für Fans klassischster Gruselware und der Jugend, die mit dem MCU gross geworden ist, erstaunlich spielend gehalten. Selbst wenn da noch einiges an Dunkelheit und Kante möglich ist - für mich ist hiermit der Anfang gemacht! 

Fazit: wenn mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Teil viel zu kurz ist, weiß man, was die Geisterstunde geschlagen hat. Diese dunkle Seite des MCU ist mehr als überfällig, glorreich, bildhübsch, frisch, spooky und unterhaltsam. Von Blade bis Kraven - mehr, mehr, mehr davon! 

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