Bislang hat Mel Gibson die Herausforderung der Nachfolge von Bruce Willis als DtV-Actionstar und die Übernahme der frei werdenden Thronfolge trotz annähernd gleicher Voraussetzungen (und abseits dem gelungenen Agent Game) nur zögerlich und halbherzig angenommen, passive Auftritte in Force of Nature oder Dangerous, dazu kleine Rollen in Panama und Hot Seat; vom letzteren und dessen minimalistischen Szenario wurde hierbei auch Kevin Dillon als weitere Konstante und zusätzlich als Querverbindung zu Willis selber, nämlich dessen A Day to Die und Wire Room übernommen. Die Spitzengestirn des Genres, unsichtbar verbandelt quasi, die letzte Hoffnung dieser Art von Filmen, dessen Sargnagel schon abgezählt und bereit zum Schließen dieser einstmals vielversprechenden Gattung sind:
Als der Radiomoderator Elvis Cooney [ Mel Gibson ] bei seiner mitternächtlichen Schiene "On the Line", einer Call-in Sendung, von einem anonymen Anrufer bedroht und speziell dessen Frau und Kind als Angriff genommen wird, geraten bald auch die weiteren Mitarbeiter, die Assistentin Mary [ Alia Seror O'Neill ] und der frisch angefangene Praktikant Dylan [ William Moseley ] in das Visier des deutlich Getriebenen.
"Are you ready for the big surprise?" lautet einer der ersten Sätze hier, die Überraschung kann der Anfang tatsächlich bieten, welcher die Erwartung des Publikums fördert, aufgreift und sie dann in das komplette Gegenteil dessen umkehrt. Ein Spiel mit Klischee und Mechanismen derlei Filme, in dem das Schlechte und Gefährliche gerne in den ersten Bildern als Art Appetizer bereitgehalten und dann erst das Geschehen bis dahin erzählt wird; hier allerdings konterkariert und Beobachtung und Wahrnehmung manipuliert. Und: Nach dem ersten Knall folgt sofort der zweite, von jetzt auf gleich, aus der Hüfte geschossen und aus der Lameng. Das Wissen um die Macht der inszenatorischen Belange, des Spiels mit Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, und des rein technischen Einsatzes von Kamera, Ton und Schnitt sind demnach hier vorhanden; was, man ehrlich ist, den meisten neuen Werke von Willis eher abgeht, zumindest wenn man sich die Handlanger-Tätigkeiten der von EFO engagierten Regisseure ansieht.
"Man, did you just roll out of bed? You look like death warmed up." - "I'm not quite warm yet."
Anders als dort spielt hier die Handlung auch in der Großstadt, nicht in der grünen Pampa irgendwo im Nichts und nirgends, eine amerikanische Metropole ist der Ort der Geschichte, der Hauptakteur mitten im Bilde und dies auch während des gesamten Filmes. Für Gibson ist die Rolle auch maßgeschneidert, spitzzüngig, eloquent, schlagfertig, insgesamt agil mit den Worten – es gibt bloßes Gequassel, es gibt Bonmots, manches ist bemüht, manches agressiv bis zynisch, manches als Update von
Talk Radio tatsächlich witzig –, ein Dinosaurier in der modernden Welt, hier der alternde Star in einem Medium, welches eher in der Vergangenheit gefragt war und heutzutage die Randerscheinung nur ist. Zwei Stunden Unterhaltung sollen gefüllt werden in seiner Sendung, etwas weniger beansprucht der Film hier für sich, das Auditorium am Haken, jede Minute kann entscheidend für die Bindung sein; dranbleiben, umschalten, abschalten, oder doch nicht? (Eine ähnliche Ausgangsidee hatte auch der südkoreanische
Midnight FM, 2010, welcher auch gerne als Originalquelle für dieses sogenannte 'Remake' zitiert wird, beide Filme gehen aber völlig unterschiedliche Wege und haben auch eine ganz andere Tonalität.)
"Cut Mary loose, and, Mary, when he does that, get us off the air, okay?" - "Oh, no, no, no,that's a bad idea. You don't wanna do that." - "What's that?" - "You're gonna laugh. If you kill me, I'll have to drop this, and if the button comes up, bada boom!" - "What kind of B-grade movie bullshit is this?"
Geboten wird ein Spiel mit Worten, die als Entertainment dienen können, als Smalltalk, die gefallen oder auch verletzten können, mit verdeckten und versteckten Wahrheiten, mit Lügen, mit einem Leben als Fassade und einer Existenz in einem drin. Ähnlich wie in Talk Radio ist der Moderator erst aktiv, dann passiv, wird ihm ein Szenario aufgezwungen, in dem dessen frühere Stärken nun auch die Schwächen und der Arbeitsplatz und Spielplatz gleichermaßen nun die Bedrohung für ihn und die Umstände plötzlich umgekehrt, und der Boden unter den Füßen weggezogen sind. Im ersten Drittel eine Art Theaterstück, ein verbales Geiselszenario, ein akustischer Thriller, "Now, the show's really getting started.", dann eine Bombendrohung, eine Belagerung, ein Hide-and-Seek, eine Art Slasher, unterstützt von einem agilen, jederzeit souveränen Hauptdarsteller und funktionierenden Nebenfiguren mit auch reichlich Präsenz entspinnt. "What Hollywood actor do you think would play you in the movie of our game, huh? Tom Cruise? I'd cast Joaquin Phoenix as me. Tonight, I'm kind of a joker. "I have a condition!"