In einer finsteren Nacht läuft ein junges Mädchen, nur mit einem Nachthemd bekleidet, durch ein weites Maisfeld. Die Kleine wird von einem Mann verfolgt, hat jedoch Glück: an einer angrenzenden Straße kann sie einen Autofahrer anhalten und gelangt so in die Notaufnahme eines Spitals. Dort hat an diesem Abend die Psychologin Suzanne (Emily Deschanel) Dienst, der es gelingt, zu dem bislang beharrlich schweigenden Mädchen so etwas wie ein erstes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Der unbekannten, etwa 15-Jährigen, nach der offenbar niemand sucht, hat man ein riesiges Pentagramm in den Rücken geritzt, doch auch daraus ergeben sich zunächst keinerlei Anhaltspunkte. Als die Kleine kurz danach ihr Krankenbett räumen muß, in örtlichen Pflegefamilien aber kein Platz für sie zu finden ist, springt Suzanne kurzentschlossen in die Bresche und nimmt das traumatisierte Kind mit zu ihrer eigenen Familie nach Hause.
Damit jedoch beginnen die Probleme erst, denn obwohl ihr Ehemann Peter, ihre beiden etwa gleichaltrigen Töchter Jules und Helen sowie deren junge Adoptivschwester Dani die Neue vorerst freundlich aufnehmen, ändert sich das Leben der Familie von Stund an. Denn Mae Dodd (Madeleine Arthur), die inzwischen wieder zögerlich spricht - wenngleich auch nicht über ihre Flucht oder ihre Verletzung am Rücken - ist einer teuflischen Sekte entflohen, die mit subtilen Mitteln versucht, das Mädchen zurückzuholen...
Nach durchaus spannendem Beginn, der diverse Anleihen bei Steven King nimmt, verflacht die 8-teilige Netflix-Produktion Devil in Ohio dann jedoch zunehmend und widmet sich vor allem den zwischenmenschlichen Beziehungen der Gastfamilie, die mit dem unbedarften Findling so manche Überraschung erleben. Das auf einer Romanvorlage basierende Skript, an dem auch die Buchautorin mitwirkte, wendet sich vornehmlich an (sehr) junge Erwachsene, was die vielen, für die Story allerdings belanglosen Streitereien und Eifersüchteleien mit dem Dauergast zuhause und an der High School erklärt. Dennoch vermag es das Drehbuch, beim Zuschauer gewisse Zweifel an der stets offen, freundlich und bisweilen naiv auftretenden Mae zu säen, die bis zur letzten der insgesamt 8 Episoden von je ca. 45 Minuten Laufzeit für eine gewisse Spannung sorgen.
Denn Mae entstammt einer seit Jahrhunderten im Verborgenen wirkenden Glaubensgemeinschaft, die den Teufel anbetet und Menschenopfer praktiziert. Dieser, im Titel schon vorweggenommene und für Genrefreunde interessanteste Teil kommt leider viel zu wenig zum Tragen, immerhin gibt es eine mehrminütige Sequenz, in der die in schwarze Klamotten gehüllten und zum Teil langschnabelige Vogelmasken tragenden Gemeindemitglieder vorgestellt werden: doch obwohl sie eine Krähe (ja, echt) anbeten, Lucifer huldigen und fleißig aus ihrer Anti-Bibel zitieren, wirken die Teuflischen in ihrer Gesamtheit aus Landarbeitern unter einem bedächtig sprechenden Anführer eher wie eine ins Negative gespiegelte urchristliche Sekte. Das mit dem eingeritzten Pentagramm schon vorgesehene Menschenopfer (Mae) dient übrigens der Erwartung einer zukünftigen reichhaltigen Maisernte, nachdem die diesjährige (dank einer Pilzkrankheit) miserabel ausfiel.
Dennoch darf man die Machenschaften der Sekte, zu denen der örtliche Sheriff gehört (der sämtliche Ermittlungen in seinem Bezirk blockiert) nicht unterschätzen, hat diese doch weitreichende Verbindungen und schreckt auch vor Mord und Brandstiftung nicht zurück. Potentielle Opfer werden mit einem roten Symbol getaggt und unverdächtige Sekten-Mitglieder in Zivil tauchen schon mal auf High School-Parties auf, um gezielt zu manipulieren. Doch die stets nur angedeutete Gefährlichkeit manifestiert sich zu keiner Zeit in graphischen Darstellungen - diese überläßt das Drehbuch dem Kopfkino des Publikums.
Zu kritisieren gibt es neben den vielen Seifenopern-Einlagen vor allem die Rolle der Familie der Psychologin, die sich insgesamt betrachtet wenig empathisch gegenüber Mae verhält, wohingegen sich Suzanne selbst übertrieben stark für den Sektenflüchtling einsetzt - was später mit ihrer eigenen Lebensgeschichte begründet wird. Besonders Mustergatte Peter (Sam Jaeger), ein selbständiger Bauunternehmer, der in zweijähriger Arbeit eine Villa ohne jegliche Versicherung baut und nach gescheitertem Verkauf dann vor der Pleite steht (was Suzanne übrigens gar nicht weiß - wtf?) wirkt hier wenig realistisch. Als er hört, daß seine Frau alleine zu dieser gefährlichen Sekte unterwegs ist, bringt er seine drei Töchter zu Bett - mehr nicht, der Mann hat echt die Ruhe weg. Oder das Drehbuch ist hier, wie auch an ein paar anderen Stellen, recht schlampig geschrieben.
So bleibt es - neben der bemerkenswerten Darstellung der Mae (Madeleine Arthur verkörpert die verängstigte, verlorene Seele durchwegs überzeugend) - Detective Lopez (Gerardo Celasco) vorbehalten, die Sympathien auf sich zu vereinigen: der smarte Ermittler rückt der Sekte als One-Man-Show mit Wildkamera und Teleobjektiv ziemlich forsch auf die Pelle und drängt die Bande trotz zwischenzeitlicher Rückschläge immer weiter in die Enge.
Gleichwohl das Ende (inklusive kleinem Plot Twist) nicht sonderlich überzeugend ausgefallen ist, ist Devil in Ohio, dessen Mystery-Atmosphäre ohne die Teenager-Gefühlsduseleien in abgespeckten 3 oder 4 (statt 8) Episoden wesentlich besser zur Geltung gekommen wäre, mit gewissen Abstrichen durchaus einen Blick wert: 5 Punkte.