Review

iHaveCNit: Der Nachname (2022) – Sönke Wortmann – Constantin Film
Deutscher Kinostart: 20.10.2022
gesehen am 23.10.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 7 – Reihe 13, Platz 13 – 20:10 Uhr

Alles was erfolgreich ist, bedarf gerne einer Fortsetzung – Alles, was es schon einmal gegeben hat, kann man gerne adaptieren. 2018 hat Sönke Wortmann mit seinem unterhaltsamen und prominent besetzten Kammerspiel „Der Vorname“, der auf einem französischen Theaterstück beruht, einen großen Zuschauererfolg gefeiert. Da war es durchaus eine sichere Bank, mit „Der Nachname“ eine Fortsetzung zu liefern, die eigentlich bereits Anfang des Jahres in die Kinos kommen sollte, aber dann vermutlich aufgrund des weiteren Wortmann-Films „Eingeschlossene Gesellschaft“ auf Ende Oktober verschoben worden ist. Sagen wir mal so, Wortmanns aktueller Output mag zwar Garant für Erfolg sein – Garant für Qualität ist das jedoch nicht.

Einige Jahre nachdem sich im Rahmen eines gemeinsamen Familienabends Thomas Böttcher den Spaß erlaubt hat, dass der neue Spross der Familie den Namen Adolf tragen soll und sich der Familienfreund seit Kindheitstagen Rene als neuer Freund von Dorothea – Mutter von Thomas und Elisabeth - entpuppt hat, laden Dorothea und Rene sowohl Elisabeth und ihren Mann Stephan als auch Thomas und seine Frau Anna auf die Familienfinca in Lanzarote ein, da wieder etwas wichtiges besprochen und „gefeiert“ werden muss. Das fördert natürlich wieder einmal schwelende Konflikte innerhalb der Familie und sorgt für einen unvergesslichen Familienurlaub.

Genauso prominent besetzt wie der Vorgänger ist das Kammerspiel durchaus mit seinen 87 Minuten kurz, knackig und unterhaltsam genug, damit ich einigermaßen meinen Spaß mit „Der Nachname“ hatte. Wortmann hat in den letzten Jahren mehrfach erfolgreiche Konzepte aus dem vorwiegend französischen Bereich herangezogen und sie gemeinsam mit Autoren für den deutschen Raum adaptiert. Inwieweit der Fokus auf Adaptieren und gelegentliches Fortsetzen als kreativer Minimalismus Wortmanns interpretiert werden kann, würde ich an dieser Stelle gerne zur Diskussion stellen. Zumindest ist so aus meinen Augen das minimale Maß an kreativer Eigenleistung zu werten. Da Wortmann jedoch ein renommierter und etablierter Filmemacher und sein Cast ebenfalls genauso renommiert und etabliert ist, ist eine Fortsetzung aus Sicht eines finanziell möglichen Erfolgs dennoch komplett vertretbar. Das Drama der disfunktionalen Familie soll als Kammerspiel mit Rededuellen sicherlich sehr clever und künstlerisch anspruchsvolles Kino darstellen – für mich ist der Film das nicht. Die überkonstruierten, teils banalen Konflikte eingen sich zwar für unterhaltsame Tragikomödien, für cleveres Kino jedoch eher nicht.

„Der Nachname“ – My First Look – 6/10 Punkte.

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