Mit „Bestseller“ gelang Regisseur John Flynn („Lock Up“, „Deadly Revenge“) ein solider Mainstream-Thriller mit einer spannend gestrickten, wenn auch unglaubwürdigen Handlung.
Auch wenn die Story um den Romanautor und den Profikiller reichlich konstruiert wirkt langweilt man sich nicht, das Drehbuch schlägt einige unvorhersehbare Haken und räumt den beiden Hauptcharakteren viel Platz für ihre Entfaltung ein. Sowohl James Woods als eiskalter Mörder als auch Brian Dennehy als verwitweter, ausgebrannter Cop (nebenbei Autor) sind bestens besetzt und verleihen ihren Figuren Ecken und Kanten. Schauspielerisch gibt es also nichts zu meckern, auch der private Hintergrund wird gut ausgearbeitet.
Das Drehbuch stammt aus der Feder von B-Filmer Larry Cohen („It’s Alive“), was man dem sensationalistischen Handlungsverlauf deutlich anmerkt, doch auch Cohens perfektes Timing und seine prägnant geschriebenen Dialoge rechtfertigen das hohe Budget für die Produktion. Wirklichen Tiefgang erreicht die Geschichte zwar nur selten und die klischeehafte Vater-Tochter-Beziehung inklusive des dramatischen Showdowns zieht die Gesamtqualität etwas runter, dennoch leidet nie das Tempo oder die gelungene Atmosphäre unter diesen Kritikpunkten. Vielmehr lenkt der Film geschickt die Aufmerksamkeit auf das zentrale Thema, Korruption und Moral in riesigen Konzernen. Cohen trägt ein wenig dick auf, hält sich aber in an greifbaren Szenarien fest, vorstellbar ist das hier präsentierte Bild wirtschaftlicher Großmächte allemal. Den überflüssigen Patriotismus der meisten ähnlich gelagerten Produktionen werden dem Zuschauer erspart, abgesehen von einigen Spitzen gegen Politik und Wirtschaft konzentriert sich „Bestseller“ voll und ganz auf den Thrill, den Knalleffekt. Davon gibt es mehr als einen, ein paar nette Wendungen und ein relativ hohes Maß an dargestellter Gewalt zeugen von der konventionellen aber starken Machart.
Optisch verlässt sich John Flynn auf die Mischung aus düsterem Neo Noir, realistischen Außenaufnahmen an Originalschauplätzen und einem gewissen Hochglanz-Look. Besonders in der Schlusssequenz fällt die grelle Überbeleuchtung stark auf und gibt dem Bild zusätzlich einen synthetischen Touch. Der dynamisch angesetzte Schnitt in Verbindung mit dem nervösen Score kennzeichnet die audiovisuelle Klasse in der „Bestseller“ spielt und mit großen Vorbildern durchaus stand zu halten vermag. Eine geschlossene, geniale Psychologisierung, wie sie die Genre-Größen (z.B. „Cruising“ oder „Schweigen der Lämmer“) aufbringen, geht dem Film ab, deshalb ist er wohl auch im Laufe der Jahre etwas untergegangen.
Psychologisch ausgefeilt ist einzig die Figur Cleve, der Mörder. James Woods verleiht ihm eine anziehende Aura, doch auch darüber hinaus bleibt sein Charakter zweideutig, faszinierend und unnahbar. Wirklich eine dankbare Rolle für Woods, der sich voll auslebt und dem Profikiller sowohl sadistische Brutalität, als auch Menschlichkeit, Intelligenz und Stolz. Dennehy ist zwar ebenso gut in seiner Rolle, sein Charakter gibt aber nicht ganz so viel Tiefe her wie sein Gegenpart. Immerhin vermeidet man auch die Funktionsweisen des damals sehr beliebten Buddy-Movies, auf auflockernde Ironie verzichtet man ebenfalls, so sucht man die üblichen Sticheleien in den Dialogen fast vergeblich.
Fazit: „Bestseller“ glänzt mit hervorragend aufgelegten Darstellern, typischer 80er Atmosphäre und schafft es den Zuschauer durchweg gut zu unterhalten.
07 / 10