Review

Im Polizeifilm hat man schon zig Arten von Buddies aufeinander losgelassen, doch mit der Paarung von Cop und Killer dürfte „Best Seller“ immer noch einen Sonderstatus haben.
Jedoch kommt „Best Seller“ ohne die genreüblichen Witzeleien aus, was schon die recht düstere Auftaktsequenz unter Beweis stellt: Gangster in Richard-Nixon-Masken überfallen ein Polizeidepot, töten drei Cops und verletzen einen vierten, Dennis Meechum (Brian Dennehy), schwer. Die Cops werden eiskalt ermordet, die Killer schießen quasi grundlos, auch der nette ältere Herr unter den Polizisten muss dran glauben – alles gänzlich ironiefrei, sondern als sinnloses Gewalttat inszeniert.
Jahre später: Meechum ist mittlerweile nicht nur Bulle, sondern auch Bestsellerautor. Sein erster Erfolg war ein Roman über ebenjenen folgenschweren Vorfall. Bei der Verfolgung eines Gangster erhält Meechum unerwartete Hilfe: Der Killer Cleve (James Woods) erschießt den Flüchtigen und wendet sich dann an Meechum. Dennis soll Cleves Memoiren schreiben. Die ersten Auftritte Cleves inszeniert John Flynn mit einer übermenschlichen Aura: Cleve taucht unvermittelt auf und ist ebenso schnell weg, drängt sich aber aggressiv in Dennis’ Leben.

Meechum willigt ein und beginnt die Recherche mit Cleve zusammen. Dem Großindustriellen David Madlock (Paul Shenar) schmeckt das gar nicht, denn immerhin war Cleve früher sein Killer und das Buch würde Madlocks Machenschaften aufdecken…
Während der Polizeifilm Ende der 80er immer bleihaltiger und actionreicher wurde, mutet der Film von John Flynn, der kurz darauf mit „Lock Up“ und „Deadly Revenge“ zwei Genrereißer inszenieren sollte, fast schon wie eine Absage an das Genre ab. Geschossen wird wenig und meist schaltet Cleve die Opponenten schnell und präzise aus; allenfalls der Showdown und das Shoot-Out in der Wäscherei sind als Schauwerte angelegt. Ansonsten geht es vor allem um die Interaktion der Figuren, die zwar nicht ohne Reibereien auskommt, aber, wie bereits erwähnt, ohne Buddyhumor.
Von daher ist die Besetzung ein echter Gewinn, gerade Brian Dennehy schafft es jede Facette Meechums (Cop, Autor unter Erfolgsdruck, Vater) mit Leben zu füllen und dem sonst eher gemütlichen Meechum auch Momente großer Aggression zuzugestehen. Daneben ist James Woods, der als eigenwilliger Killer und eiskalter Mörder an sich noch eine Spur besser ist, gelegentlich aber etwas zu sehr in den Overdrive schaltet (z.B. bei der Barszene, in der sein Gehabe etwas aufgesetzt wirkt). Victoria Tennant und Allison Balson schlagen sich als Verlegerin und Tochter tapfer neben den Herren der Schöpfung, während es dem männlichen Supportcast leider etwas an Profil mangelt.

Die Prämisse des Films ist zudem ein echtes Unikum, nur leider flacht der Film in der Mitte ab. Cleves ungute Idee, seinem ehemaligen Auftraggeber seinen Plan zu verraten wirkt etwas unglaubwürdig, ebenso die Tatsache, dass in der ersten Stunde des Films gerade mal ein halbherziges Bombenattentat und (wohlgemerkt danach) ein Bestechungsversuch vonseiten der Bösen durchgeführt werden, um das Buchrelease zu verhindern. Insofern tritt „Best Seller“ leider etwas auf der Stelle, denn wirklich neue Erkenntnisse liefern die Buchrecherchen nicht. Geschickt wird zwar mehrfach die Auftaktszene aufgegriffen, was noch am ehesten Plottwistpotential hat, aber ein paar Überraschungen mehr wären nett gewesen, zumal das letzte Drittel dann auch nicht so auf Touren kommt, wie man es sich wünschen würde.
Stark hingegen ist die Figur des Cleve, die sich vielen Klischees widersetzt. Er ist kein netter Mensch, sondern stets ein eiskalter Killer, der auch Helfershelfern der Übelwichte die Kehle ventiliert, wenn diese hilflos sind. Gleichzeitig prallen alle Psychologisierungsversuche Meechums an ihm ab: Normale Familie, keine Probleme, kein gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern. Er ist zwar ein bisschen geltungssüchtig (daher auch die Bestselleridee), ein wenig psychopathisch, aber kein Produkt einer frühkindlichen Störung. Und ein Paradoxon noch dazu: Ein bezahlter Killer, der am Karriere-Ende aber auf die Abfindung pfeift und ganz antikapitalistisch auf einmal für ein höheres Gut eintreten will: Die Aufdeckung krimineller Machenschaften durch den Bestseller.

Insofern hat der von Larry Cohen geschriebene Film genug Ideen an Bord und zwei starke Darsteller in den Hauptrollen, kommt aber leider zu wenig aus dem Quark und ist etwas unspektakulär. Nett, aber es gab noch reichlich Luft nach oben.

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