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Unheimliche Kinder sorgen seit Jahrzehnten für Aufmerksamkeit im Horrorgenre. Darunter befanden sich auch einige Waisenkinder. Mit den hier agierenden, welche womöglich dem „Dorf der Verdammten“ entlaufen sind, schießt der spanische Regisseur Rubin Stein zuweilen übers Ziel hinaus.

1981: Kurz nach der Hochzeit erleidet Lola eine Fehlgeburt und verfällt in Depressionen. Ihr Mann Adolfo überredet sie zu einer Adoption im nahe gelegenen katholischen Waisenhaus, wo sich Lola spontan für die siebenjährigen Zwillinge Tin und Tina entscheidet. Deren religiöser Eifer nimmt jedoch rasch bedrohliche Formen an…

Sie sind zwar nicht gerade Hanni und Nanni, aber man muss schon unter einer völlig unterentwickelten Menschenkenntnis leiden, um genau diese Kids zu adoptieren. Die Haut ist auffallend hell, die Haare fast weiß, die Wimpern übermäßig lang und vor allem signalisiert das überfreundliche Lächeln, dass, sollten Haustiere vorhanden sein, diese kein allzu langes Leben mehr erwarten dürfte.

Immerhin wird man mit Trauerkloß Lola einigermaßen warm und kann ihr gegenüber so etwas wie Empathie aufbauen, - ganz im Gegensatz zu ihrem launigen Pascha von Ehemann, der immer dann mit Abwesenheit oder Ignoranz glänzt, wenn die Satansbraten etwas im Schilde führen. Bei diesen stellt sich im Grunde nur die Frage, ob sie die Bibel geflissentlich falsch deuten, zumal die bis dato zuständige Nonne auch nicht gerade eine pädagogische Koryphäe zu sein scheint. Oder ob da eventuell doch etwas Diabolisches unter dem Deckmantel diverser Psalmen lauert.

Folgerichtig setzt Stein auf eine Atmosphäre des Unbehagens, welche primär von einem durchweg gelungenen Score getragen wird, während die Kamera einige erstklassige Momente liefert. Sei es durch das Spiel mit Tiefenschärfe, in einer Szene mit zwei Handspiegeln oder bei einem längeren Take, welchem eine wahre Choreographie quer durch ein Haus mitschwingt. Nur leider folgen diesem zu selten Taten.

Denn es lässt sich jedesmal recht klar erahnen, welchen Schritt die Zwillinge als nächsten vollziehen dürften, zumal die Hinweise überdeutlich eingestreut werden. Erst zum Finale ereignen sich einige Dinge, die nicht unbedingt absehbar sind und auch der Ausgang lässt zumindest mehr als nur eine Auslegung zu.

Mit einer deutlich zu ausufernden Laufzeit von knapp zwei Stunden bleiben kleine Durchhänger nicht aus, was die solide performenden Darsteller nur bedingt abfangen können.
Die Atmosphäre, einschließlich einiger TV-Aufnahmen (gescheiterter Militärputsch bis hin zum Ententanz) weiß hingegen zu überzeugen, während die Spannungskurve erst gegen Showdown merklich ansteigt.
Da gab es schon Kinder, die vergleichsweise mehr Staub aufwirbelten.
Knapp
6 von 10



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