Guck mal wer da sticht!
Manchmal gehen internationale Horrorfilme auf Netflix steil, generieren einen kleinen Hype. Manchmal fallen sie aber auch komplett durch das Raster. Bei „Tin & Tina“ scheint momentan eher Ersteres zu passieren - „Höllenkinder“ gehen scheinbar immer. Erst recht mit solchen Frisen. Spanien hat einen mittlerweile sehr soliden Ruf was Horror betrifft. Z.B. konnte vor ein paar Jahren ja auch „Veronica“ von Netflix profitieren und vis-a-vi. Richtig überraschend war der Erfolg dieses aktuellen „Kinder-/Religionsgruslers“ also nicht. Leider garantieren viele Zuschauer aber natürlich noch lange keinen tollen Filmabend, die internen „Netflix-Charts“ sogar oft eher das Gegenteil. Und selbst wenn ich „Tin & Tina“ nicht glasklar als Netflix-Stangenware bezeichnen würde - ein Horrorhit sieht natürlich ganz anders aus und die Vergleiche in der Beschreibung des Streaminggiganten in Richtung „Midsommar“ und „Shining“ sind natürlich besonders gut gequirlter Mist. In „Tin & Tina“ geht es um ein Ehepaar, das anfangs einen bösen Schicksalsschlag erleidet und sich dazu entschließt aus einem Kloster die titelgebenden Zwillinge zu adoptieren. Doch schnell kommt der Verdacht auf, dass sich hinter deren hochreligiösen und weltfremden Einstellung und dem albino'artigen Aussehen etwas noch wesentlich Böseres verstecken könnte…
Das Christentum trägt die schlimmsten Perücken
„Tin & Tina“ ist eine weitere (und völlig berechtigte!) Kritik an Religion und besonders dem Christentum. Natürlich ist es grausam, was die zwei womöglich teuflischen Blondies alles anstellen - vor allem eine Szene mit einem Baby am Pool ist schwer zu ertragen, nicht nur für Neuväter. Dennoch wird sehr viel aus deren Sicht erzählt und immer ziemlich deutlich betont, dass ihre Ansichten, Absichten, Taten und Lehren stets bibeltreu und nie wirklich „böse“ gemeint sind. Selbst wenn der Film die komplette Zeit durchaus damit spielt, dass es auch gute Schauspieler sein könnten und die Bibel nur vorgeschoben wird. Dennoch nahm ich die meiste Zeit doch klare moralisch-„entlastende“ Vibes war, was zwar realistischer sein mag und der kirchenkritischen Sache dient, jedoch deutlich Horror und von den beiden ausgehende Gefahr herausnimmt. Außerdem benehmen sich die Eltern oft idiotisch und ärgerlich, langsam und klischeehaft, die Lauflänge hätte nicht auf fast 2 Stunden aufgeblasen werden müssen und erst im Finale wird wirklich mal über einen längeren Zeitraum mit Spannung und Neugier und Ungewissheit gespielt. Immerhin wird man nicht durchgehend mit Junpscares torpediert und die zwei Kids haben zumindest Wiedererkennungswert und ihnen gehört eventuell sogar etwas das Mitleid des Zuschauers. Ungewöhnlich. Was dann wiederum durch das nicht allzu große Talent der jungen Darsteller und unfreiwilliger Komik unterlaufen wird. Daher bleibt ein zweischneidiges Schwert, das deutlich schärfer und spitzer hätte sein können bis müssen. Das kann Spanien besser und knackiger und origineller.
Fazit: unter dem Deckmantel der Religion… „Tin & Tina“ hat seine Momente, Themen und einprägsamen Frisuren. Am Ende reicht es aber nicht für mehr als spanischen Spannungsschnitt.