Leonardo Di Caprio und Historienfilme, das schien nach „Titanic“ das ideale Rezept fürs schnelle Abgreifen von Knete zu sein, weshalb man nach „Titanic“ noch schnell „Der Mann in der eisernen Maske“ produzierte.
Unter Louis XIV. (Leonardo DiCaprio) sieht es in Frankreich nicht allzu rosig aus und auch seine besonders guten Musketiere haben den Biss verloren. Lediglich D’Artagnan (Gabriel Byrne) dient ihm treu als Anführer der Musketiere, während Aramis (Jeremy Irons) als Priester sein Leben verbringt, Porthos (Gerard Depardieu) die Zeit mit Wein, Weib und Gesang rum bringt und Athos (John Malkovich) vor allem als Vater für seinen Sohn Raoul (Peter Sarsgaard) da ist. Damit hat man direkt eine ganze Reihe an sich recht guter Schauspieler mehr oder weniger glücklich in Wallemähnen und Bärte gepresst, um die gealterten Musketiere zu porträtieren.
Doch Louis ist alles andere als ein guter Herrscher: Sein Volk hungert, weil alle Nahrungsreserven zur Versorgung der ständig Krieg führenden Armee genutzt werden, die Staatskasse wird für dekadente Feste geplündert und der König nagelt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Auch Raouls Verlobte Christine (Judith Godrèche) gefällt ihm, weshalb er den armen Jungen einziehen und an die Front versetzen lässt. Damit mopst er ihm die Verlobte und nimmt billigend in Kauf, dass der junge Mann dabei hops geht. Schon einer der großen Fehler des Films: Die Ungerechtigkeit dem Volk gegenüber bleibt eine Randerscheinung, aber wenn der König sich an besonderen Einzelnen vergreift, dann ist das absolut tragisch.
D’Artagnan hält dem König weiter die Treue trotz dieser Ungerechtigkeit, aber Athos, Porthos und Aramis haben gewaltig den Kaffee auf und befreien einen geheimnisvollen Gefangenen in einer eisernen Maske, von dessen Existenz nur wenige wissen: Es ist Phillipe (Leo again), der Zwillingsbruder des Königs…
Randall Wallace kann als Drehbuchautor („Braveheart“, „Pearl Harbor“) und Regisseur („Wir waren Helden“) durchaus fetzige Spektakel auf die Leinwand bringen, aber diese leben oft von der Action und den Schlachten. Daran krankt sein Regiedebüt „Der Mann in der eisernen Maske“ aber gewaltig, denn hier wird kaum gekämpft. Dabei sind die Kämpfe durchaus nett gemacht, wenn auch sehr auf jugendfrei getrimmt, aber man muss sich mit lediglich zwei etwas längeren Fechtszenen begnügen, die beide erst gegen Ende kommen. Auch der Showdown ist mehr Gewäsch als Kampf, dabei hätte das Budget durchaus mehr hergegeben, denn die Kulissen, die Kostüme und die Ausstattung machen definitiv was her. Handwerklich hat Wallace solide Arbeit geleistet, der Film kann sich optisch sehen lassen und die Musik ist nicht misslungen (trotz unüberhörbarer Anleihen bei Filmen wie „The Rock“).
Doch in der ersten Hälfte passiert nahezu gar nichts, außer dass sich die rüstigen (Früh-)Rentner Athos, Porthos und Aramis wieder aufraffen. Doch ihre Gewinsel über verlorene Lebensgeister ist ziemlich pathetisch und besitzt keinen Biss, weshalb sich bald ein Brechreiz beim Zuschauer einstellt. Die Gefangenenbefreiung verläuft unspektakulär und woher man zu der Zeit Latex für falsche Nasen hatte, fragt man sich besser nicht. Lediglich bei der Darstellung der Musketiere als gebrochene Männer kann Wallace teilweise für Dramatik sorgen – meist dann, wenn er die Bilder für sich sprechen lässt und das Drehbuch keine gurkigen Dialoge dazwischenschustert.
In der zweiten Hälfte wird dann das Tempo angezogen und der Film kommt hier auch auf ein gewisses Maß an Spannung. Doch die Action, die man hier einstreut, ist einfach nicht massiv genug, um den Film wirklich spektakulär zu machen. So sind auch die meisten Wendungen sehr vorhersehbar, wobei auch Hälfte zwei hier etwas mehr überrascht. Denn die meisten Wendungen im Anfangsteil des Films sind absolut vorhersehbar (oder hat irgendjemand nicht von Anfang an gewusst, wer der Anführer der Jesuiten ist). Im Verlaufe des Film müssen auch ein paar Nebencharaktere für einen Anflug von Tragik draufgehen, aber es bleibt bei einem Anflug, denn angesichts der pathetischen Dialoge in derartigen Szenen müssten sich die Figuren direkt im Grabe umdrehen.
Eine weitere große Schwäche ist Leonardo DiCaprio, das eigentliche Zugpferd des Films und an sich kein schlechter Schauspieler. Doch hier wirkt er sowohl als eitles Ekel als auch als Softie-Bruder immer etwas entrückt und abwesend, weshalb man kaum Unterschiede zwischen den angeblich im Wesen so gegensätzlichen Brüdern feststellen kann. Jeremy Irons und John Malkovich haben da weitaus mehr Klasse und auch Gerard Depardieu gibt als Lebemann wirklich viel, aber in dem ansonst erschreckend humorlosen Film wirkt er als eine Art Komödientrampel recht deplaziert. Gabriel Byrne guckt etwas unglücklich aus der Wäsche und bleibt hinter seinem gewohnten Niveau zurück, während der Rest der Darsteller durchaus ordentlich agiert.
Komplett misslungen ist „Der Mann in der eisernen Maske“ nicht, denn handwerklich hat man gute Arbeit geleistet und die wenigen Actionszenen so wie die meisten Schauspieler überzeugen. Doch aufgrund schwacher, pathetischer Dialoge und schlapper Story unterm Durchschnitt.