Aus der Heimat vor den Scheidungsrichter!
Der zweite Fall für den neuen Charlie Chan-Darsteller Sidney Toler führt ihn und seinen Sohn Jimmy wieder aufs amerikanische Festland und wenn irgendwo bei einem Filmtitel „Reno“ dabei steht, dann geht es zumindest am Rande um erzwungene Scheidungen, denn durch einen sechswöchigen Aufenthalt in besagter Stadt konnte man eine eilige rechtliche Trennung erwirken.
Und so spielt der Fall dann auch – von einigen wenigen Szenen in einer alten Goldgräberstadt als Zwischenspiel abgesehen – fast komplett in so einem Scheidungshotel, wo sich die Damen nicht nur von ihrem Mann trennen möchten, sondern auch gleich nach neuen Galanen Ausschau halten.
Eine davon, Jeanne Bentley, ist ein besonders ruchloses Biest, das sich nur in der Location aufhält, weil da ja demnächst wohlhabende Männer frei werden. Da sie sich – unter Alkoholeinfluss – ein wenig zu sehr über ihre Rivalinnen ereifert, wird sie gefeuert und noch vor ihrer Abreise ermordet. Der Noch-Ehemann der besten Verdächtigen der Polizei (die nicht der Rede wert ist) holt Chan samt Sohn hinzu und so beginnt ein typisches Indoor-Rätselspiel mit so einigen Verdächtigen, dessen Auflösung wie so oft in der Vergangenheit zu finden ist.
Wieder sind alle nötigen Zutaten angerichtet, die zu einem typischen Chan gehören, von dem Bündel an Verdächtigen mit und ohne Motiv bis zum Mord in der Vergangenheit, der alle einholt.
Dennoch wirkt dieser Film wie ein Standard, ohne jemals großartig glänzen zu können, wenn auch die Dialoge durchaus geschliffen wirken.
Leider schleppt auch dieser Fall wieder eine enorme Humor-Hypothek mit sich herum: zunächst versetzt der erneute Auftritt von Eddie Collins (aus dem letzten Fall bereits gefürchtet) als Taxifahrer die Zuschauer in Schrecken, aber das ist noch gar nichts gegen die riesige Nebenrolle, die die Macher dem B-Film-Hillbilly-Komiker Slim Summerville zugeschanzt haben.
Der palmenlange dürre und mit markanter Nase gekrönte „Komiker“ spielt hier einen „engagierten“ Polizisten (den einzigen mit einem albernen Stetson auf dem Kopf), der ständig alle nur verhaften will, jeden vollmotzt und sauer darüber ist, dass man ihm nicht als Erstes Bescheid gibt, was angesichts seiner vorurteilerfüllten Inkompetenz auch wahrlich kein Wunder ist. Spätestens ab dem dritten Auftritt im Film als „sechsjähriges Trotzköpfchen“ hasst man ihn derartig, dass man ihn als nächstes Opfer ganz oben auf die Liste setzen möchte.
Zum Glück gewinnt dagegen am Ende die vielgewundene Auflösung an Anteilen, bei der Toler inzwischen an Lockerheit ein wenig Boden gut macht, allmählich kam er in die Rolle hinein.
Dennoch kann ich auch „Reno“ nur ein „ordentlich“ verpassen, empfehle den Film aber wegen der Nebendarsteller, bei denen Richardo Cortez, Phyllis Brooks und Louise Henry herausragen. (6/10)