Nachdem er einige Jahre in der französischen Fernsehlandschaft im Hintergrund dümpelte, konnte Regisseur Eric Valette 2002 erstmals mit dem Horrorfilm „Malefique – Psalm 666“ international auf sich aufmerksam machen und widmete sich seither nahezu jedem Genre. Bei vorliegendem TV-Krimi spielt ihm in erster Linie die jahrelange Erfahrung in die Karten, die Geschichte konzentriert vorzutragen.
Es ist Hochsaison im Skiresort des schweizerisch-französischen Grenzgebiets, als Ermittlerin Constance (Clémentine Poidatz) zu einer Leiche in den Gletschern gerufen wird. Sie und ihr Schweizer Kollege Andreas (Laurent Gerra) untersuchen den Tod eines jungen Mannes, dem Sprössling einer wohlhabenden Familie, welcher zugleich Mitglied eines Umweltvereins war. Kurz darauf wird eine zweite Leiche gefunden…
Definitiv ein Streifen für kalte Wintertage, denn anders als auf Skiern oder mit dem Schneemobil sind einige Strecken in dem winterlichen Ort kaum zu bewältigen. Die beiden einander unbekannten Ermittler erhalten rasch ein Profil mit dem sich arbeiten lässt: Constance knabbert noch immer an dem Verlust ihrer Schwester, die seit 20 Jahren in den Bergen als verschollen gilt. Andreas verlor seine Frau vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall, woraufhin sich seine Teenagetochter ab und an einigen Eskapaden hingibt.
Ein Vorteil des Rätselratens um den Killer ist ein stets wachsender Kreis von Verdächtigen. Das beginnt mit dem nahe liegenden und zu jeder Zeit nachvollziehbaren Befragen der Angehörigen und Freunden, was zwischenzeitlich gar in gesellschaftspolitische Gefilde hineinreicht. Konventionell anmutende Abläufe bleiben da nicht aus, wenn stets neue Verdächtige ins Visier geraten, düstere Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Tageslicht kommen oder Rückschläge zu verzeichnen sind und man wieder bei Null anfangen muss.
Aufgrund einiger Wendungen binnen kurzer Zeit und einiger privater Verstrickungen wirkt die Erzählung phasenweise fast schon ein wenig überladen.
Dennoch hält sich der Stoff nie mit Nebensächlichkeiten auf und liefert mit kleinen Verfolgungen im Schnee ein wenig Abwechslung, wobei die Stippvisite in eine Kältekammer nicht allzu realistisch abläuft. Im finalen Kapitel wird noch ein ausladender Flashback bemüht, wobei mit diesem die letzte Messe noch nicht gelesen ist: Zumindest wird final keine unbekannte Person aus dem Hut gezaubert.
Optisch kann sich das Unterfangen jederzeit sehen lassen, denn obgleich die Kamera nicht allzu viele Landschaftsaufnahmen parat hält, vermag die winterliche Atmosphäre dennoch zu punkten, zumal ab und an mit Kontrasten innerhalb der weißen Kulisse gespielt wird.
Darstellerisch wird ebenfalls solide performt und auch der Score geht soweit in Ordnung.
Letztlich sind eher Krimifreunde klassischer Kost angesprochen, denen ein zeitgenössischer „Tatort“ zuweilen zu experimentell erscheint, denn hier wird alles ohne Schnörkel in knapp 85 Minuten ansprechend auf den Punkt gebracht.
7 von 10