Review

“The Strangers“ als Found Footage.
Gefühlt kommt das Debüt von Regisseur John-Paul Panelli etwa 15 Jahre zu spät, doch anderweitig ist der Sättigungspunkt für preiswert heruntergekurbelte Wackelbildfilme seit einiger Zeit überschritten und es geht schon wieder was. Zündende Innovationen bleiben beim vorliegenden Erstling allerdings aus.

Robin, ihre Schwester Cody und drei weitere Freunde ziehen sich in eine abgelegene Waldhütte zurück, um einen Film zu drehen. Nach einigen Verzögerungen beim Dreh stellen sich nächtliche Geräusche ein, der Festnetzanschluss scheint gestört und der Wagen springt nicht an. Zeit für die beiden Maskierten, ihren perfiden Plan in die Tat umzusetzen…

Wer immer schon mal einen selbstverliebten YouTuber blutig von der Bildfläche verschwinden sehen wollte, - die Exposition liefert es und lässt die maskierten Killer erstmals in Erscheinung treten, welche daraufhin für einige Zeit in der Versenkung verschwinden.
Stattdessen gibt es einiges einzurichten, ein Making-of mit Interview abzudrehen und immerhin zwei ungleiche Schwestern als Hauptfiguren einzubinden, deren ambivalentes Verhältnis für ein gewisses Maß an Figurentiefe sorgt.

Der dokumentarische Charakter wird konsequent durchgezogen, denn ständig hält die Kamera drauf oder wird vorteilhaft beiseite gelegt, bis es in der zweiten Hälfte vermehrt zum Einsatz von Überwachungskameras kommt, die teils an unmöglichen Positionen angebracht sind. Was ebenso unwahrscheinlich ist, wie eine Kamera während einer wilden Flucht eingeschaltet zu lassen, wobei man sich das Ergebnis unbrauchbarer Wackelbilder im Halbdunkel bereits ausmalen mag. Ansonsten werden überwiegend taugliche Blickwinkel gewählt und die Übersicht bleibt weitgehend erhalten.

Home Invasion funktioniert am besten, wenn sie zunächst schleichend und dann mit aller Boshaftigkeit einhergeht, was hier nur sehr bedingt gegeben ist. Eher mehren sich Klischees, einschließlich dummer Verhaltensweisen, jemanden unbewaffnet und allein in den nächsten Ort zu schicken, während Verbarrikadierung keine angemessene Maßnahme ist, um auf Dauer Axtschlägen entgegenzuwirken. Freunde blutiger Einlagen erhalten schließlich mit Kehlenschnitt, zerdepperten Schädeln und blutigem Einschuss ein wenig Material, allerdings keine ausufernden Gewaltexzesse.

Der etwas zu lange Vorlauf ist innerhalb der nur 83 Minuten zu vernachlässigen, doch in Sachen Terror will der Funke kaum überspringen, was nicht zuletzt an den austauschbar erscheinenden Antagonisten liegt, deren Motivation zu keiner Zeit ersichtlich wird.
Dazu passt auch eine abschließende Szene, die auf psychologischer Ebene rein gar keinen Sinn ergibt. Gleiches gilt für einige Inserts mit Wildtieraufnahmen, welche von viel zu laut ausgesteuerter Klassik untermalt werden, die vom Pegel her das Doppelte der Dialoge aufweisen.

Zwar mühen sich die Mimen mit brauchbarem Erfolg um Authentizität und der geringe Produktionsaufwand fällt nicht negativ ins Gewicht, doch storytechnisch wird nichts neues geboten und auch die Spannung hält sich deutlich in Grenzen. Die vagen Versuche falsch gestreuter Fährten gehen ebenso wenig auf wie das Finale und die abschließende Mumpitzszene, woraufhin das Werk zu den unterdurchschnittlichen Beiträgen seiner Zunft zählt.
Knapp
4 von 10

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