Von der Gütertrennung zur schwebenden Jungfrau!
Da ist er endlich – der dritte Sidney-Toler-Chan und der erste knackige Fall, an den man sich noch länger erinnert, weil das Umfeld denkwürdig ist.
Dabei hab ich selbst eine ganze Weile gerätselt, was mich angesichts des Titels „…auf der Schatzinsel“ erwartet, doch nicht etwa die Suche nach dem Geschmeide eines Freibeuters?
Ein wenig historische Recherche ist schon nötig, wenn man – aus deutscher Sicht – hinter den Titel steigen möchte, denn der Titel hat eigentlich nicht die Bedeutung, die der Film verdient. Bei „Treasure Island“ handelt es sich nicht um ein Pirateneiland sondern um eine künstliche aufgeschüttete Insel vor der Küste von San Francisco, ein bauliches Wunderwerk für die San Francisco’s Golden Gate International Exposition von 1939/40, eine Art kleine Weltausstellung. Die Insel war Ausstellungsort und wurde auch anderweitig genutzt – wie hier in dem Film für Kultur und Unterhaltung.
Und genau darum geht es nämlich auch in diesem Fall : um den Zweikampf zweier konkurrierender Bühnenzauberer, deren Theater sich offenbar auf der „Schatzinsel“ befinden – eine aus heutiger Sicht irriertierende Titelwahl, damals aber, just zur Ausstellung offenbar eine brandaktuelle Entscheidung.
Und der Film ist es wert, denn die Chan-Reihe feuert hier endlich wieder auf allen Zylindern. Es beginnt zwar sehr ruhig mit einem Todesfall in einem Flugzeug, der wie eine natürliche Todesursache oder ein Suizid aussieht (die Chans sind auch anwesend), schlägt dann aber einen Bogen zu einem gestohlenen Buchmanuskript. In einer interessanten Abfolge nach der Ankunft sieht man den Detektiv erstmals, eine wirklich schlimme Botschaft an eine Ehefrau überbringen, um dann vorgebliche entführt zu werden, um die Entführung dann noch im Wagen als Polizeischerz zu entlarven.
Bei der Polizei gerät man dann an die zwei zentralen Nebenfiguren, den investigativen Reporter Pete Lewis und den Zauberer Rhadini (tolle Performance von Cesar Romero), die auf einem Feldzug gegen den unheimlichen Spiritisten und Illusionisten Zodiac sind – und dank eines Drohbriefes sieht Chan sofort eine Parallele zum Tod seines Freundes während des Flugs.
Zodiac soll ein gewiefter Erpresser sein, der schon so einige seiner Opfer in den Suizid getrieben hat.
Tatsächlich beweist er in der Folge den dreien bei einem Besuch seine Fähigkeiten zur Hellsicht und zu seinen Verbindungen in die Zwischenwelt, die sogar Chan verblüffen. Parallel dazu lernt Chan auf einer Party mit Rhadini als Gastgeber die Gedankenleserin Eve Cairo, die ebenfalls bemerkenswerte Talente beweist.
In der Folge kann Chan dann aber bei einem erneuten Besuch in dessen Anwesen die Geheimnisse Zodiacs auseinander nehmen und das Unerklärliche verständlich machen – inclusive der Enthüllung, dass Zodiac seine wahre Identität hinter einer Gesichtsmaske verbirgt.
Was könnte man da anderes tun, als den Illusionisten zu einem Zweikampf in Rhadinis Theater vor Publikum herauszufordern, einem Ort voller Falltüren, falscher Böden und optischer Tricks, in dem alles möglich ist, vor allem das Publikum zu täuschen, egal, wo es ist.
Es ist spürbar, „Treasure Island“ ist ein prachtvoller Chan, der wahrhaft trickreich die wunderbare Welt der Magie thematisiert und mit häufigen Ortswechseln und leicht spukhafter Atmosphäre einfach nur Spaß macht.
Das stete Brüskieren Rhadinis durch den mysteriösen Zodiac ist dabei genauso amüsant wie die Sequenz, in der Chan Zodiacs Geheimversteck desilluisioniert. Zwischendurch dürfen dann mit Pauline Moore, June Gale, Sally Blaine und Billie Seward gleich vier Damen ein wenig in den Fall zicken und das üppige Finale in einem Theater ist aller Ehren wert.
Auch die ewig leidvolle „humorige“ Rolle ist hier konsumentenfreundlich einreduziert auf den Bühnenassistenten Elmer (dargestellt von Wally Vernon), der sich hier ein wenig auf einer Party daneben benimmt, aber damit nur dezent die Szenerie auflockert.
Ein schöner und abwechslungsreicher Fall, den man nur empfehlen kann. (8/10)