Von der Seine zum Panamakanal!
Es wird wieder exotischer!
Nach dem Ausflug in die Kriegsvorbereitungen in Europa, war dieses Terrain von jetzt an tabu für den großen chinesischen Detektiv, stattdessen konnte man sich ja schon einmal mit den Kriegsauswirkungen auf heimischem Grund und Boden (oder zumindest der Nähe desselben) befassen.
Gedreht im Herbst 1939 und erschienen im März 1940 lag „Panama“ lange vor dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und so war man hier noch recht vorsichtig mit den „bösen“ Jungs, die eine Verbindung zum Dritten Reich aufwiesen. Aber allein, dass der Erzschurke, der in diesem Film ein Sprengstoffattentat auf den Kanal plant, während die US-Flotte diesen durchquert, auf den Namen „Reiner“ hören soll, deutet schon an, dass man den Deutschen nicht mehr zwingend wohlgesonnen war.
Stattdessen gönnt man Chan in diesem Film einen späten, pointierten Erstauftritt. Die Einführung findet ausnahmsweise mit allen Verdächtigen an Bord eines Linienflugzeugs ohne den Ermittler statt, darunter jedoch ein Regierungsagent der USA, der in einem Hutgeschäft in Panamakanal auf Chan trifft, der dort in geheimer Mission als Verkäufer doubelt. Leider stirbt Agent Godley nach dem Verweis auf den sinistren „Reiner“ (den natürlich keiner je gesehen hat) an vergiftetem Tabak. Wie interessant, dass auch ein genau nebenan residierender Tabakhändler mit an Bord war – der kann es also praktisch schon mal nicht sein…
In einer weniger überzeugenden Wendung wird Chan vorerst ins Gefängnis gebracht, wo er auf seinen Sohn trifft, den man wegen einiger Nachfragen auch für einen Spion hält. Von da überschlagen sich die Passagiere dann aber wie gewohnt im Sich-verdächtig-machen, indem sie sich gegenseitig verfolgen oder in die Läden oder Zimmer potentieller anderer Verdächtiger einbrechen. Eine besonders absurde Figur ist dabei der Experte für Tropenkrankheiten (Dr. Grosser!), der sich in seinem Zimmer eine Reihe von Ratten hält, die er mit Seuchenviren infiziert hat.
Auch das „comic relief“ ist dankenswert klein gehalten, kommt die einzige Zutat mit Comedygehalt durch die etwas aufgekratzte Damenfigur Miss Finch, die wie eine pensionierte Lehrerin in der Affäre herumwuselt.
Die stellt sich als Rennen gegen die Zeit dar, denn man hat nur 48 Stunden bis zur Durchfahrt der Flotte und das Auftauchen einer weiteren Leiche verkompliziert die Sache nur.
Visuell erfreulich nach all der Schleicherei durch Straßen- und Clubkulissen ist eine Sequenz innerhalb eines Grabmals, in der der Saboteur sein Labor hat und ein Schußwechsel auf dem darüber liegen subtropischen Friedhof. Schön auch das Finale, das so konstruiert ist, wie es ggf. Jahrzehnte später auch bei „Columbo“ populär werden konnte.
In der Besetzungsliste fällt übrigens vor allem Lionel Atwill auf, der sich als vielerlei „Mad Scientist“ in endlos vielen Horrorfilmen der 30er verdient gemacht hat, der hier aber eben nicht diese Rolle, sondern einen Romanautor spielt. Jean Rogers, nach Toler Nr.2 auf der Castliste, hat übrigens nicht sonderlilch viel zu tun und darf meistens nur hübsch dreinschauen. Da der Latino-Typ Jack LaRue schon mehr her als der undurchschaubare Entertainer Manolo.
Insgesamt ist das einer der besseren Chans mit Toler und einer der wenigen mit Kriegsbezug, ein Grund dafür, dass die Serie schließlich von der CentFox vorerst eingestellt wurde, weil man sich auf andere Themen konzentrieren wollte, solange die Soldaten an der Front waren, aber das lag noch zwei Jahre und sechs Filme in der Zukunft. (7/10)