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Die zahlreichen Märchen der Gebrüder Grimm zählen zu den weltweit populärsten und wurden bereits unzählige Male verfilmt. Darunter die DEFA-Märchenfilme, die seinerzeit mit Charme und Atmosphäre punkteten, während Hollywood auf Animation oder Hochglanz setzte. Etwaige Parodien erwiesen sich indes oft als Schuss in den Ofen und auch der Indie-Streifen von Filmemacher Thomas Pill entpuppt sich rasch als geballter Trash.

Der junge Bauernbursche Hans (Christian Sklous) macht sich zur Brautsuche auf in die weite Welt. Früh rettet er dem Teufel das Leben, welcher ihn vorerst verschont. Allerdings wird er ihm Boten senden, die einen Vorgeschmack bieten sollen…

Dass der Stoff nicht allzu hochwertig sein dürfte, offenbart ein flüchtiger Blick auf die Besetzungsliste, in der C-Promis wie Micaela Schäfer, Manoush oder Martin Semmelrogge zu finden sind. Rund sechs Jahre benötigte der Dreh seit 2014, was man der Produktion insofern nicht ansieht, da sie ohnehin nur episodenhaftes Stückwerk liefert. Hans latscht durch den Wald, - immerhin mit einigen ansehnlichen Vogelperspektiven ausgeschmückt und trifft reihum auf etwa zwanzig Gestalten, die den Märchen der Gebrüder Grimm entsprungen sind.

Das könnte durchaus Freude bereiten, wenn nicht der pubertäre Humor auf Fäkalniveau wäre, der kaum eine Pointe zulässt. Das Timing ist eine Katastrophe und führt zu ungelenken Dialogen. Es wird gefurzt oder schwer verdauert, nahezu jede holde Maid grabbelt der Schwerenöter Hans an und dazwischen wird im Stroh gedönert. Zwar gibt es ein paar nackte Tatsachen und mit einer Machete im Schädel, einer Schere im Kopf und einer offenen Bauchdecke gesellen sich eine Handvoll Splattereffekte hinzu, doch kaum eine von Hans Begegnungen erweist sich als pfiffig.

So begegnet er dem Jäger, der Schneewittchen in den Wald locken sollte und auch gleich weiter muss, der Zauberspiegel hat null Bock auf den Anblick einer hässlichen Visage und während das tapfere Schneiderlein am Tourette-Syndrom leidet und der Froschkönig das Quarken noch nicht einstellen kann, wurden einstweilen einige Mittelaltergruppen bestellt, um einige Szenerien mit etwas Leben zu füllen. Bis auf zwei völlig unpassende Songs passt immerhin der sauber abgestimmte und recht ambitioniert klingende Score und die Wahl der Kostüme geht in Ordnung.

Darstellerisch ist ein erfahrener Synchronsprecher wie Charles Rettinghaus noch deutlich auf der Habenseite zu verbuchen und auch Sklous schlägt sich mit leichtem Overacting wacker. Eva Habermann macht in der Rahmenhandlung als (Märchen)tante nichts falsch, der Rest performt tendenziell eher hölzern.

Entsprechend tapert der Bauernbursch mit Strohperücke von A nach B und der Witz bleibt dabei fast komplett auf der Strecke. Als Märchenfreund ist man zwar leidlich gespannt, wem der Naive als nächstes begegnen wird, doch anstatt auf Witz und frische Ideen zu setzen, erzeugen die meisten Anekdoten nur ein müdes Kopfschütteln. So dürften sich selbst Grimms Kinder die Umsetzung nicht ausgemalt haben…
3 von 10

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