Während sich in kriminalistischen Gefilden mit der Figur der Miss Marple bereits vor Jahrzehnten eine weibliche Ikone im Seniorenalter etablieren konnte, waren die Versuche im Actionbereich eher rar gesät. Allerdings, was einem Liam Neeson in Genrebeiträgen wie „96 Hours“ zugetraut wird, kann für eine Oscarpreisträgerin wie Allison Janney ebenso gelten.
Lou (Allison Janney) ist ein abseits der Zivilisation lebendes Raubein und hat sich auf die Jagd auf der bewaldeten Insel spezialisiert. Als die kleine Tochter ihrer Nachbarin Hannah (Jurnee Smollett) während eines Unwetters entführt wird und mit Hilfe von außen nicht zu rechnen ist, machen sich die ungleichen Frauen auf, das Kind aus den Händen des totgeglaubten Vaters (Logan Marshall-Green) zu befreien…
Es gibt zuweilen Gründe, eine Geschichte in die 80er zu versetzen, - sei es, um mal wieder „Africa“ von Toto via Walkman anklingen zu lassen, eine Handvoll altehrwürdiger Fahrzeuge einzubinden oder um zeitgenössische Technik auszusparen. Vorliegende Handlung könnte im Grunde zu jeder Zeit spielen und es ist nur in Ansätzen relevant, dass diese zur Zeit der Reagan-Ära angesiedelt ist.
Die deutsche Regisseurin Anna Foerster fackelt zumindest nicht allzu lange und setzt früh auf Dauerregen und eine damit einher gehende düstere Grundstimmung, welche zugleich dem Wesen der Titelheldin entspricht: Wortkarg, stur und zwischen Kampfgeist und leichter Resignation schwankend, fackelt sie nicht lange, dem Entführer zu folgen, während sie Hannah neben sich allenfalls duldet, was dem Gemüt der Einzelkämpferin gleichkommt.
Im Verlauf des Treibens erhält man einige spärliche Hintergrundinformationen über die drei wesentlichen Figuren und auch ein Twist im Mittelteil lässt zumindest aufhorchen. Darüber hinaus ist die Action zwar rar gesät, doch sie kommt angemessen rabiat daher und bemüht immerhin einen Daniel Bernhardt, um der Choreographie entgegen zu kommen. Ferner gibt es zwei Explosionen, die mit einigermaßen Krawumms in Szene gesetzt sind, während ein Teil des Showdowns auf einem Leuchtturm eine stimmungsvolle Location liefert.
Eine Handvoll verbaler Auflockerungen ist zwar auszumachen, doch allzu viel Schwung bringen diese nicht ins Team der Jägerinnen, welche zu selten eine Einheit bilden und zum Teil unnötige Alleingänge anzetteln, was nicht immer einer rationalen Vorgehensweise entspricht. Der Entführer vermag zwischenzeitlich seine psychopathische Ader in den Vordergrund spielen, wobei die anfängliche bedrohliche Wirkung aufgrund unberechenbarer Faktoren im Verlauf deutlich nachlässt.
Folgerichtig mangelt es an dauerhaftem Nervenkitzel, zumal dem Katz – und Maus-Spiel die Zuspitzungen fehlen und der Kreis der Handelnden recht überschaubar bleibt. Janney bringt jedoch genügend Präsenz mit, um etwaige Durchhänger zu kaschieren und macht trotz des zeitweilig eingesetzten Doubles eine mehr als ordentliche Figur. Die übrigen Mimen performen okay, - soweit es das leicht oberflächlich gehaltene Drehbuch in Sachen Figurenzeichnungen zulässt.
Eklatante Längen sind trotz der Laufzeit von 107 Minuten nicht auszumachen und doch mangelt es an Kniffen und Drehs, um über die komplette Distanz zu unterhalten.
Die Atmosphäre ist stimmig, handwerklich ist wenig zu bemängeln, storytechnisch häufen sich im Verlauf hingegen einige bekannte Versatzstücke, die markante Überraschungsmomente verhindern, wodurch am Ende nicht mehr als ein tauglicher Survivalthriller im Dauerregen bleibt.
6 von 10