Nach der Scheidung von ihrem gewalttätigen Mann lebt Hannah (Jurnee Smollett) mit ihrer kleinen Tochter seit wenigen Jahren auf einer ruhigen Insel im äußersten Nordwesten der USA. Zu ihren wenigen Kontakten gehört ihre Nachbarin und Vermieterin, die titelgebende Lou (Allison Janney), eine ebenso sportlich-drahtige wie mürrisch-schweigsame Pensionistin, die, ebenfalls alleinstehend, dort mit ihrem Hund Jax ab und zu jagen geht.
Als eines Nachts während eines aufziehenden Sturms ein Fremder in ihr Haus einsteigt und die kleine Vee entführt, ist Hannah außer sich und läuft, da Handy und Telefon während des Gewitters keinen Empfang haben, zur Nachbarin, die sie mit dem Wagen zum Sheriff bringen soll. Der hochspezialisierte Entführer jedoch hat vorgesorgt: eine Sprengladung setzt Lous Pick-up außer Gefecht. Doch das weckt erst recht den Kampfgeist der rüstigen Seniorin, die sich mit Hund und Gewehr sogleich in die regenerische dunkle Nacht begibt, um gemeinsam mit Hannah die Verfolgung des Fremden aufzunehmen...
Einigermaßen vielversprechend beginnt Regisseurin Anna Foersters Entführungsdrama, das sich über weite Strecken im regennassen dunklen Wald abspielt und nur Stück für Stück Hintergrundinformationen zu den beteiligten 3 Hauptpersonen offenbart - die beiden höchst unterschiedlichen Frauen jagen nämlich, wie sich schnell herausstellt, Vees leiblichen Vater Philip (Logan Marshall-Green), einen ehemaligen CIA-Spezialisten und Psychopathen, der sich, wie so oft in solchen Fällen, im Recht glaubt, seine Tochter zu sich holen zu dürfen.
Kameratechnisch tadellos in Szene gesetzt und mit musikalischen Anheizern von damals (Toto - Hold the line und Africa, der Film spielt in den 1980er Jahren) baut sich somit eine gewisse Spannung auf, doch der Plot Twist nach knapp einer Stunde Laufzeit enthüllt dann viel zu früh, wohin der Hase läuft. Fortan folgt Lou nur noch stereotypen Handlungsmustern und endet folgerichtig in einem erwartbaren Showdown.
Obwohl die wenigen Darsteller ihr Bestes geben (und sich vor allem Hauptdarstellerin Allison Janney in bester John-Wick-Manier als unerwartet nahkampftauglich herausstellt) erweist sich Lou insgesamt als zwiespältige Angelegenheit - und das liegt am Drehbuch, das es verabsäumt, der Story einen plausiblen Hintergrund zu verpassen. Die dünnen Erklärungen mit gewissen Verstrickungen der CIA wirken erstens billig und zweitens an den Haaren herbeigezogen, vor allem aber ergeben sie schlußendlich keinen Sinn (besonders nicht die letzte Einstellung des Films).
So bleibt als Fazit festzuhalten: ein zunächst Spannung versprechender Film, der leider viel zu früh die Katze aus dem Sack läßt und danach verflacht; eine stimmige Location (gedreht wurde in Kanada), in der eine rüstige Seniorin im für sie ungewohnten Action-Genre überzeugend aufzuspielen vermag - kann man sich durchaus einmal ansehen (die Betonung liegt auf: einmal), aufgrund des schwachen Drehbuchs bleibt jedoch nicht allzuviel hängen. 5 Punkte.