Coming-of-Age, - im Sinne eines Werwolfs liefert der luxemburgisch-belgische Streifen des Regisseurs Jacques Molitor. Geschildert wird der Stoff aus Sicht einer besorgten Mutter, während die Anteile des Horrors eher in den Hintergrund treten.
Der zehnjährige Martin (Victor Dieu) hat Probleme in seinem sozialen Umfeld. Wiederholt hat er ein Kind gebissen, so dass seine allein erziehende Mutter Elaine (Louise Manteau) keinen anderen Rat weiß, als die Eltern väterlicherseits auf dem Landsitz in Luxemburg aufzusuchen, welche die beiden nie zuvor trafen. Die Großeltern nehmen sich sogleich ihres Enkels an, doch Elaine wird zunehmend verunsichert, ob deren Methoden zielführend sind…
Der Werwolffilm, in dem Begriffe wie Wolf oder gar Werwolf zu keiner Zeit Erwähnung finden, ist klar als Drama konzipiert. Auf etwaige Metamorphosen und damit verbundenen Angriffen muss man lange warten und derartige Szenen sind rar gesät.
Vielmehr geht es um die frühe Entwicklung eines verunsicherten Jungen, der schubweise animalische Züge zu entwickeln scheint, was hinsichtlich des eindeutigen Titels kein großes Geheimnis markieren dürfte. Zudem trifft die moderne Zweit auf Tradition, denn in der Familie derer von Urwald scheint es bereits seit einigen Generationen Werwölfe zu geben, wobei auch dies nie ausgesprochen wird. Generell trifft man auf verschwiegenes Verhalten, da die Großeltern mit einer beunruhigenden Selbstverständlichkeit zu Werke gehen.
Der Gebrauch eines Jagdgewehrs gehört ebenso dazu wie der Besuch der Kirche, während die Mutter/Sohn Verbindung folgerichtig auf eine harte Probe gestellt wird.
Einige der ruhigen Momente sind demnach durchaus gelungen, da mit kleinen Gesten der Annäherung oder Entfremdung gearbeitet wird, während sich bei Martin die Faszination für das Traditionelle durchzusetzen scheint. Der Landsitz mit hübsch gefilmten anliegenden Weinbergen schindet zumindest von außen Eindruck und auch das verschwörerische Verhalten nahezu aller Beteiligter schürt für eine ganze Weile ein angemessenes Unbehagen.
Konflikte brodeln zwar, doch sie gelangen nur selten an die Oberfläche, wodurch der Stoff auf Dauer etwas zu sehr vor sich hin plätschert. Insofern war es notwendig, zum Beginn des letzten Drittels doch ein wenig Horror einfließen zu lassen, was mit größtenteils gelungenen Effekten einhergeht. Das Make-up arbeitet sauber, wogegen beim Blutvergießen eine Handvoll CGI bemüht werden. Auch der Einsatz von wolfähnlichen Kreaturen fällt nicht immer ganz glücklich aus.
Darstellerisch ist hingegen nicht viel anzukreiden. Speziell Louise Manteau performt als besorgte Mutter nie drüber, wobei man ihr die Verbundenheit einerseits und die Entschlossenheit andererseits jederzeit abnimmt. Die Großeltern, die etwaige Fragen stets mit aristokratisch wohlwollendem Lächeln begegnen sind absolut treffend besetzt, wogegen beim Jungmimen Dieu kleine Abstriche zu machen sind, die letztlich jedoch nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.
Wenn vermeintliche hormonelle Störungen Kapriolen schlagen und eine Mutter den Entwicklungen ihres Sohnes mehrheitlich nur tatenlos zusehen kann, liefert dies für eine Weile auch emotionalen Stoff, der ansatzweise in surreale Gefilde abgleitet. Bei eingefleischten Werwolffans setzt dies eine Menge Geduld voraus, denn die überaus ruhige Herangehensweise geht zuweilen recht unkonventionelle Wege und klammert dabei Schauwerte oder gar Action weitgehend aus.
Knapp
6 von 10