Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 1 - 9/10
Staffel 1
The Making of a Rebellion
„The Mandalorian“ hat die neue, massive Welle an Star Wars-Serien eigentlich stark begonnen. Ich freue mich definitiv wie es bald an dieser Front weitergeht. Aber dann kamen eben so Gürkchen wie „Kenobi“ oder „Boba Fett“, die nahezu jedwede Euphorie und Vorfreude auf Weiteres aus diesem Universum im Keim ersticken konnten. Von der neuen, sehr schnell unterwältigenden Trilogie (Episidoden 7-9) ganz zu schweigen. Star Wars ist schon lange nicht mehr das machtvolle Imperium, dass es mal war. Selbst in Sachen Merchandise wird man das mitzuweinen merken, obwohl Disney sicherlich schon längst seine Investition an George Lucas wieder drin hat. Dennoch ein schwerer Stand und Start für „Andor“. Womöglich die Star Wars-Serie mit dem geringsten Publikumsinteresse bisher. Aber lasst euch das gesagt sein und fett hinter die Ohren schreiben: das Ding gibt einem den Glauben an diese Galaxie wieder zurück! „Andor“ ist nicht weniger als ein paar der besten Stunden im Star Wars-Universum, die man haben kann. Intim, persönlich, klassisch, bockstark. Erzählt wird vom angehenden Rebellen Cassian Andor und den schmächtigen Anfängen des Widerstands, ein Prequel zu „Rogue One“ - und noch viel mehr.
„Andor“ kann man gut und gerne als Retter der Star Wars-Ehre sehen, denn sowohl die neue Trilogie in ihrem enttäuschenden Verlauf als auch unfassbar schwache Serien wie „Book of Boba Fett“ haben der einst unantastbaren Galaxie mit den unendlichen Möglichkeiten arg zugesetzt. Ein ganzes Franchise wurde wie gesagt zurechtgestutzt und jeglicher Hype um die Welt und ihre Figuren ist erstmal sehr down. Aber „Andor“ kehrt nun zurück zu den Wurzeln, erzählt wortwörtlich von den Beginnen der Rebellion, die einst das grausame Imperium besiegen wird. Vorerst. Aber das ist eine andere Geschichte. Wo wir jedoch direkt beim Thema wären: das Imperium war selten anfassbarer, authentischer und deswegen angsteinflössender als hier. Dazu stellt Diego Luna einen sehr verlässlichen Helden, der nicht nur anfangs eigentlich alles andere als einer ist. Die Kulissen und Sets wirken seit langem mal wieder als ob sie wirklich da waren und als ob in ihnen gelebt wurde. Es gibt am ehesten drei mal drei zusammenhängende Episoden/Storybögen jeweils mit Höhepunkten, die sich absolut sehen und hören lassen können. Vor allem der Heist samt Flucht durch einen Sternschnuppenschauer am Ende des ersten Drittels der Staffel hat mich sprachlos und begeistert zurückgelassen. Aber auch der gesamte Bogen danach im Gefängnis funktioniert vor allem emotional sehr gut. Hier wirkt kaum jemand, als wäre er von einer Plotrüstung umgeben, hier gibt es noch wirklich etwas zu verlieren und zu gewinnen. Das ist erstaunlich weit weg von der austauschbaren Plastikecke, in der es sich das Franchise in letzter Zeit viel zu oft gemütlich gemacht hat. Das hier ist dreckig, reif und erwachsen. Einfach gelungen. Ich kann es kaum erwarten davon mehr zu sehen und hoffe nicht, dass dieser Mut und dieses Feuer nur für eine Staffel reicht. Es wäre eine Schande diese Möglichkeit wegzuwerfen, endlich mal ganz normale Personen in dem Star Wars-Universum zu zeigen. Auf beiden Seiten der Medaille. Die kämpfen, die leiden, die planen, die von ganz unten anfangen. Weit weg von Jedis, Skywalkers und der Macht.
Fazit: endlich stimmen bei einer Star Wars-Serie mal wieder Story, Look, Figuren, Aufbau und Spannung. „Andor“ ist ein überraschendes Highlight des gesamten Franchise und eine ungewöhnliche, durchdachte und famos-„kleine Rebellengeschichte“. Die Star Wars-Serie, von der keiner wusste, dass er sie brauchte und die dennoch fast jeder lieben wird. Stark! (9/10)