Die bis dato beste Serie aus dem Star Wars-Universum geht in ihre zweite und gleichzeitig letzte Staffel. Geschaffen von Tony Gilroy führt „Andor“ die Geschichte um die gleichnamige Hauptfigur weiter fort, bedient sich allerdings einer etwas anderen Form. Vier Blöcke à drei Folgen, jeder Block spielt ein Jahr nach dem vorherigen. Inhaltlich bleibt es bei dem Mix aus Drama, Thriller und doch auch Star Wars. Letzteres nur eben ohne Jedi, Lichtschwerter oder ausladende Actionsequenzen. Klar gibt es hier und da mal Krawall, doch wie der Rest der Serie ist „Andor“ geerdeter, näher, sowohl in seiner Inszenierung als auch seinem generellen Ton. Dieser ist weniger auf einen reinen Unterhaltungswert ausgelegt, dazu sind die Themen, Darstellungen und Auseinandersetzungen zu ernst, dramatisch und auch konsequent. Dadurch geht „Andor“ aber auch das Fantasy-Element ab, das „Star Wars“ eigentlich ebenso ausmacht. Das hier präsentierte Ergebnis rechtfertigt aber jeden Abstand zur gewohnten Formel.
Die Weiterführung der Geschichte, die auf „Rogue One“ (2016) zusteuert, bleibt spannend und legt weiterhin den Fokus auf Figuren, deren Verstrickungen, den Aufbau der Rebellion und die Machenschaften mancher Abteilung des Imperiums. Die Aufteilung in vier Blöcke, die so wie Filme mitsamt Fortsetzungen wirken, macht die Orientierung nicht unbedingt leicht, denn die Informationen aus den nicht gezeigten Zeiträumen muss man sich selbst zusammenklauben. „Andor“ hält sein Publikum für reif genug, dies zu bewältigen und zerklärt nicht alles. Auch bieten sich so für die Macher mehrere Gelegenheiten für erzählerische Sprünge, mehrere isolierte Betrachtungsweisen auf die jeweiligen Ereignisse und eben vier aufeinander aufbauende Schritte in Richtung des schon bekannten Kinofilms – wie ein Countdown. Hierbei gewinnt das Szenario immer weiter an Dringlichkeit und Spannung, der Bogen spannt sich langsam aber spürbar insbesondere in der zweiten Hälfte der Staffel immer weiter. Wobei zum Ende hin merklich der Ton angeglichen wird und auch mal trotz aller Dramatik etwas mehr Humor Einzug hält.
Beiläufig wird noch die funktionelle Kälte des autokratischen Systems beschrieben, die Selbstverständlichkeit, mit welcher der imperiale Apparat über Leichen geht und Vernichtung in Kauf nimmt während die Schnittchen schon in Reichweite liegen. Dabei ergeben sich aktuelle und geschichtliche Parallelen, manche Anleihen am Weltgeschehen sind erkennbar. Die Mechanismen von Propaganda, Überwachung und Manipulation lassen sich hier beobachten.
Ebenso nimmt sich „Andor“ aber auch Zeit zu zeigen, welche Verhaltensmuster das totalitäre System in den Figuren hervorruft, dies bebildert durch die verschiedenen Parteien und sozialen Schichten hindurch. Wie weit geht man, was opfert man - und wie unterschiedlich werden auf der jeweiligen Seite die Grenzen diesbezüglich gezogen. Eine der Stärken der Serie ist ihre Weigerung, diese Themen nur in Schwarz und Weiß zu unterteilen. Auf jeder Seite gibt es Ambivalenz und so transportiert „Andor“ all dies nicht plakativ, sondern beispielsweise durch alltägliche oder gesellschaftliche Anlässe, in welchen auch mal Abgründe und Traumata hinter beiläufigen Sätzen und Blicken lauern. Erzählerisch ist das bemerkenswert.
Erneut ist auch der audiovisuelle Aspekt hervorzuheben. Die Kameraarbeit, gerade in Bezug auf das Spiel mit Schärfe und Kadrierung, ist auffallend hochwertig und so wirkt auch die Präsentation insgesamt. Das gilt ebenso für das generelle Design sowie die Sets und Kostüme, gerade im Vergleich zu anderen Serien aus diesem Universum wirkt „Andor“ greifbar und real. Natürlich kommt man auch hier nicht ohne grüne Tapete aus, in seiner Gesamtheit ist das hier aber die optisch überzeugendste Star Wars-Serie.
Die visuellen Effekte sind meist top, das Sounddesign trägt im Hintergrund die Atmosphäre mit und liefert natürlich die aus der Reihe bekannten Klänge. Der Score stammt in der zweiten Staffel von Brandon Roberts und ist dieser in den ersten Folgen noch eher unauffällig, so gewinnt die musikalische Untermalung über die Staffel hinweg und bietet einige starke Momente. Qualitativ hochwertig ist „Andor“ durchgehend. Und das bezieht auch wieder auf die darstellerischen Leistungen, wobei Diego Luna in der Hauptrolle, Genevieve O'Reilly als Mon Mothma, Denise Gough als Dedra Meero, Elizabeth Dulau als Kleya oder Stellan Skarsgård als Luthen Rael herausstechen. Auch Figuren aus „Rogue One“ wie Krennic (Ben Mendelsohn) oder K-2SO (Alan Tudyk) finden den Weg auf den Bildschirm, ihre Einbindung rundet das Ergebnis weiter ab und selbst Nebenrollen sind mehr als kompetent vorgetragen.
„Rebellion entsteht immer aus Hoffnung.“
Eine gute Besetzung, interessante Figuren und ein starkes Skript vermögen etwas zu schaffen, an dem der Konzern mit diesem Franchise inzwischen schon zu oft gescheitert ist. Und so ist „Andor“ mit seiner zweiten Staffel und somit auch in seiner Gesamtheit eine vielleicht untypische, aber ungemein starke Serie aus dem Star Wars-Universum, die inhaltlich und inszenatorisch hochwertige Unterhaltung liefert.
Es bleibt beim gleichen Fazit wie zu Staffel eins:
Das Beste, was Star Wars seit langer Zeit hervorgebracht hat.