Spaziergang mit Spuk
In „Those Who Walk Away“ folgen wir einem ersten Tinderdate beim Schlendern, Quatschen und… Absteigen in einem Horrorhaus, wo eine urbane Legende Leuten die Seele aussaugen soll - romantisch, nicht wahr?
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Als ausgefeilter One-Shot präsentiert, kommt „Those Who Walk Away“ als Indiegrusler mit sehr emotionalem Kern sowohl schauspielerisch als auch inszenatorisch sehr solide daher. Mit frischen Gesichtern, vielen feinen Details, auf die man bei dieser Art von Dreh besonders achten muss, mit Erinnerungen an „Victoria“ und „It Follows“. Eine urbane Grusellegende definitiv besser behandelt als viel größere Produktionen aus den letzten Jahren a la etwa „Slender Man“. Die Chemie zwischen den beiden Teens passt, wer eigentlich eine Wiederaufführung von „Evil Dead“ besuchen will, ist mir immer sympathisch, das Ende ist böse genug und vor allem visuell gibt’s einige exzellente Spielereien, die man bei einem One-Shot und diesem minimalen Budget erstmal hinbekommen muss. Das Haus ist klasse designt, der langsame Beginn mit viel Dialog hilft beim Kennenlernen der Hauptfiguren, beim späteren Mitbangen und Identifizieren. Das klingt alles nach einer uneingeschränkten Empfehlung für Horrorfans? Bedingt. Denn die beschränkte Story, die wenigen Schauplätze, die wenigen Sichtungen der echten Bedrohung fühlen sich über die etwas zu lange Laufzeit doch gestreckt an. Jedoch ist die leichte Wartezeit keine verschenkte, absolut nicht. Und der letzte Moment lässt sogar nochmal neue Ebenen und Diskussionen zu. Selbst wenn davor lange Zeit bei mir der Funke nie ganz überspringen wollte und es vor allem an echter Spannung hapert.
Fazit: interessantes, charakterorientiertes Very Low Budget-Horror-Date mit viel Dialog, vielen guten Ansätzen, toller Kamera - aber auch Längen und viel Zeit zum Punkt zu kommen.