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Er trinkt gerne und er trinkt viel: der Enddreißiger Mark (Frederick Lau) aus Berlin läßt es sich einfach gut gehen und dazu gehört nunmal das eine oder andere Bierchen - vor allem nach Feierabend, wenn er nach seiner verantwortungsvollen Tätigkeit als Bauleiter ein wenig entspannen möchte. Eines Abends, als er schon reichlich getankt hat, möchte er am Heimweg wie so oft noch schnell seinen Wagen umparken, als eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam wird - und schon ist der Lappen weg!
Dumm gelaufen denkt sich Mark, der sich kurz darauf in einem Klassenzimmer mit anderen Sündern zur Verbereitung auf die MPU einfindet, aber er ist bereit, sich der als idiotisch empfundenen Prüfung zu stellen, denn schließlich möchte er ja seinen Führerschein zurück. Da er Letzteren nicht für die Arbeit braucht, nimmt er es locker und stellt seinem Freundeskreis bei der nächsten Gartenparty auch ganz provokativ einige aus dem Kurs aufgeschnappte Fragen, mit denen man seinen Alkoholkonsum selbst beurteilen soll. Wie nicht anders zu erwarten, befindet er sich unter den ansonsten ganz normalen Gleichaltrigen in bester Gesellschaft angehender bzw. bereits manifester Trinker. Sein bester Kumpel Nadim (Burak Yigit), selbst alles andere als ein Abstinenzler, merkt allerdings an, daß sich Mark - im Gegensatz zu den anderen Anwesenden - bei jeder sich nur irgendwie bietenden Gelegenheit ganz bewußt selbst abschießt. Die Bemerkung geht zwar im allgemeinen Gelächter unter, doch Mark beweist seine Koma-Sauf-Qualitäten auch dadurch, daß er auf einem Sessel übernachtet und dieses Erbstück sehr zum Unwillen der Gastgeberin komplett einnäßt.
Im MPU-Kurs bekennt er dessen Leiter Dr. Blau (Godehard Giese) gegenüber ganz offen, daß er sich ungerecht behandelt fühlt, daß eh nichts passiert sei, da er nur umgeparkt habe und er diesen Kurs schon schaffe. Zu der von Dr. Blau erwähnten inneren Einsicht über sein Fehlverhalten kann er sich jedoch nicht aufraffen. Kursnachbarin Helena (Nora Tschirner), eine Grundschullehrerin, macht einige spitzzüngige Bemerkungen, die Mark dazu bringen, ihr vorzuschlagen, für die Dauer des Kurses dann halt einfach abstinent zu bleiben. Der Bauleiter ist in diesem Moment absolut davon überzeugt, dies mit ein wenig Willen auch durchhalten zu können und kündigt dies vollmundig auch seinem Kumpel Nadim gegenüber an - doch daraus wird nichts. Denn der vollbärtige Berliner hat längst die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum und damit sein Leben verloren...

Das ernste Thema Alkoholismus bestimmt den flapsig One for the Road genannten Streifen von Markus Goller (Regie) und Oliver Ziegenbalg (Drehbuch), und in der Tat ist der Film um Publikumsliebling Frederick Lau viel eher eine Komödie denn ein Drama mit Tiefgang geworden. Obgleich in zahlreichen Szenen Grundbegriffe der vielfach unterschätzten Trunksucht anschaulich erläutert werden, ist der Streifen insgesamt zu nett ausgefallen, um sich als Nichtbetroffener mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen.

Mark scheint es nämlich mit seinem Alkoholismus, den er zunächst nicht erkennt und später verdrängt, ganz gut zu gehen: auf der Baustelle ist er ein gern gesehener Mann, der sowohl mit den Investoren als auch mit der Bauleitung und überdies mit den Bauarbeitern gut auskommt. Daß er ordentlich schlucken kann - wen juckt das, solange die Arbeitsleistung stimmt? Letztere allerdings wird dann irgendwann auch beeinträchtigt, was Mark wiederum nicht wahrhaben will. Und so beginnt sie sich zu drehen, die Abwärtsspirale.

Leider spart das Drehbuch, das sich weitgehend auf komische Situationen verläßt, diverse äußerst negative Begleiterscheinungen des Alkoholismus aus - der permanente und von anderen Menschen leicht zu erkennende spezifische Mundgeruch beispielsweise, die Unfähigkeit, sich längere Zeit auf etwas zu konzentrieren, die Gier nach dem nächsten Schluck oder die ständig lauernde Gefahr, sich im Suff schwer zu verletzen, beispielsweise durch Stürze. Vom Verlust des Partners / der Partnerin und einem grundsätzlich reduzierten Sexleben ist ebenfalls nicht die Rede, doch daran scheint der allein lebende Filmcharakter Mark erstaunlicherweise ohnehin überhaupt kein Interesse zu haben.

Immerhin verzichtet One for the Road auf befürchtete kitschige Momente und läßt die weitgehend familienfreundlich bzw. als unverfängliches Unterrichtsmaterial gestaltete Geschichte dann wenigstens nicht mit einem Happy-End, dafür jedoch mit einer hoffnungsvollen Perspektive ausklingen.
Fazit: nette Dramödie um ein ernstes Thema, bei dem Lau und Tschirner ein interessantes Duo abgeben, das zumindest leidlich zu unterhalten weiß. 5,51 Punkte für den stets vorhandenen Wohlfühlfaktor.

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