Als in Madrid bei einem Drive-by-Shooting ein Drogendealer erschossen, sein Wagen in Brand gesetzt und der 8-jährige Sohn verschleppt wird, deuten die Umstände des Mordes auf den berüchtigten südamerikanischen Drogenbaron Santos hin, der nicht zum ersten Mal auf diese Weise für schauerliche Aufmerksamkeit sorgt. Und als der erfahrene Polizist Miguel Millán (Raúl Arévalo) und sein Ermittlerteam wenige Tage später die an der Küste angeschwemmte Leiche des Kindes mit abgetrenntem Arm und entnommenem Gehirn auffinden, scheint sich der Verdacht zu bestätigen.
Eine Spur führt zu einem verlassenen Fabriksgelände, wo die Polizei nach einer wilden Schießerei einen benommenen Mann namens Cardona (Bruno Gagliasso) befreien kann. Es stellt sich bald heraus, daß Cardona ein brasilianischer Undercover-Agent ist, der ebenfalls auf Santo angesetzt war, allerdings ohne offiziellen Auftrag nach Europa gekommen ist und sich nicht mehr an die Umstände erinnern kann, wie er in das Fabriksgebäude kam. Cardona hatte seine ursprüngliche Identität komplett aufgegeben, um Santos Bande zu infiltrieren, was ihm bis zu einem bestimmten Punkt auch gelang. Dabei lernte er Santos Geliebte Bárbara Azevedo (Victoria Guerra) kennen, die Anzeichen erkennen ließ, ausstiegswillig zu sein. Die beiden beginnen ein Verhältnis miteinander, das allerdings entdeckt wird, weswegen Cardona sich absetzt und später mit Bárbara nach Spanien fliegt. Doch Santos Schergen spüren ihn auch dort schnell auf...
Millán, ein Draufgänger, der sich nicht um Dienstvorschriften schert, mit Kriminellen Geschäfte macht und überdies mit der Frau eines Dealers ein Verhältnis hat, wird aus dem schweigsamen Brasilianer nicht recht schlau: stehen sie wirklich auf derselben Seite oder ist Cardona ein besonders verschlagener Helfer des ominösen Santos, dem noch niemand von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand? Immerhin hat der Südamerikaner tiefe kreuzförmige Schnitte auf den Augenlidern, eines der Erkennungszeichen von Santos Männern, die diesen wie eine Gottheit verehren: Santos beschützt die Seinen, heißt es immer wieder, und auch Bárbara scheint immer noch fest davon überzeugt, daß Santos alles weiß und man nichts vor ihm verbergen kann...
Mit einem vielversprechenden Beginn entführt die Netflix-Serie Santo um den titelgebenden Drogenboss den Zuschauer in eine finstere Welt aus voodooartigen Ritualen, grausamen Morden und einen fast religiösen Kult um ein südamerikanisches Phantom, das die Behörden einfach nicht zu fassen bekommen und das nun auch in Madrid sein Unwesen treibt.
Leider endet mit der ersten Episode dann auch die eigentliche Geschichte, denn diesem oben geschilderten Plot schließen sich dann zahlreiche, leider nicht als solche gekennzeichnete Rückblenden an, die sich mit dem Werdegang der beiden Männer beschäftigen und das Publikum durch ständiges zeitliches Hin- und Herspringen verwirren. Einige Wiederholungen ein und derselben Szenen, nicht etwa aus einer anderen, sondern genau aus der bereits bekannten Perspektive sorgen für eine völlig überflüssige Redundanz und lassen ernste Zweifel an einem strukturierten Drehbuch aufkommen - zumal sich dieser seltsame Stil von der 2. bis zum Ende der 6. und damit letzten der jeweils etwa 45 Minuten dauernden Episoden hinzieht.
Während sich die Geschichte also periodisch wiederholt und dabei immer mehr Aspekte hervorzubringen sich bemüht, warum die handelnden Personen das tun, was sie tun, kann man deren Vorgehen immer weniger nachvollziehen. Die Logiklöcher werden dabei so groß, daß es schon Mühe kostet, die verworrene, sich ständig auf wechselnden zeitlichen Ebenen abspielende Geschichte überhaupt noch zu verfolgen, zumal auch immer wieder Nebenstränge eröffnet werden, die ins Nichts führen. Wer waren jetzt der oder die ominösen Norweger, die das Drive-by-Shooting ausgeführt hatten? Wieso untersucht die spanische Polizei nicht das Vorleben von Bárbara und verzichtet überdies komplett auf jegliche Amtshilfe aus Brasilien, wo doch der gesuchte anonyme Drogenboss von dort stammt? Welche Funktion hat Milláns Verhältnis mit der Ehefrau eines Dealers und woher stammt das halbe Dutzend Kinder, das - bereits entführt - darauf warten muß, ebenfalls bei einem grausamen Ritual geschlachtet zu werden? Und wozu überhaupt dieses Kinderblut-Saufen, das offenbar nur auf billigste Weise Emotionen beim Publikum schüren will? Daß ganz zum Schluß ein Cliffhanger primitivster Machart angehängt wird, der auf eine mögliche zweite Staffel hinweist, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.
Fazit: Mal wieder außer Spesen nichts gewesen - die beiden Hauptdarsteller hätten mit ihrer speziellen Physiognomie durchaus Potential, auch sind Score und Produktionswerte ganz ordentlich, doch mit diesem verquasten Drehbuch, das so wirkt, als wären jede Menge Szenen wahllos durcheinander gepuzzelt worden, um den Zuschauer bewußt zu verwirren (verarschen?) ist einfach nichts zu gewinnen. Möge einem eine weitere Staffel von Santo (dessen Identität, schon in der 4. Episode erkennbar, auch ganz zum Schluß bestätigt wird) erspart bleiben - 3 Punkte.