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Nach „The Descent“ konnte der britische Regisseur Neil Marshall nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Einige Jahre hielt er sich mit Serienbeiträgen über Wasser, um danach mit einem Teil von „Hellboy“ ordentlich baden zu gehen. Mit „The Lair“ knüpft er ein wenig an seinen „Dog Soldiers“ von 2002 an, doch auch dessen Qualitäten erreicht sein Mutantengeballer nicht.

Als die Kampfjetpilotin Sinclair (Charlotte Kirk) über der Wüste Afghanistans abgeschossen wird, gelingt ihr die Flucht zu einem Bunker. In der Tiefe trifft sie auf kampfbereite Mutanten, die sie bis zu einem militärischen US-Außenposten verfolgen. Rasch wird die Crew dezimiert und man stellt sich dem Feind erneut im Bunker…

Einen Kardinalsfehler begehen verliebte Filmemacher (und Künstler im Allgemeinen) häufig: Sie wollen ihre Partnerin ins rechte Licht rücken, obgleich diese vielleicht nicht unbedingt mit dem notwendigen Talent gesegnet ist, was Marshall bereits beim Vorgänger „The Reckoning“ mächtig Kritik einbrachte. Allerdings wird beim vorliegenden Actioner mehr Physis denn ausgefeilte Mimik abverlangt, was Charlotte Kirk zumindest in diesem Punkt entgegen kommt. Wobei sich auch die übrigen Mimen mit Klischeecharakteren herumschlagen müssen und dabei nicht selten mit Overacting reagieren.

Das Setting in Ungarn geht immerhin als Afghanistan durch und die Ausstattung im Bunker ist zweckdienlich. Auch die schlicht erscheinenden Mutanten, welche von Muskeltypen unter Ganzkörpergummi verkörpert werden, bilden aufgrund schneller Bewegungen und brachialer Moves mit ihren Klauen eine weitgehend wirkungsvolle Bedrohung, nur die CGI-Tentakeln hätte man besser außen vor lassen sollen.

Die dazugehörigen Splattereffekte in Form zermatschter Gesichter oder anderweitig durchbohrter Antlitze bestehen überwiegend aus praktischen Einlagen und rechtfertigen eine FSK18 durchaus. Anderweitig wird hauptsächlich geballert, was das Waffenlager einer Außenstation so hergibt, während nur in Ansätzen gerätselt wird, was es überhaupt mit der Bedrohung auf sich hat. Man einigt sich auf eine nebulöse Mixtur aus Aliens und dubiosen Ereignissen aus Sowjetzeiten.

Was im Gegensatz zur eindimensionalen Story steht, die überraschungsfrei bis zum etwas zu dämmrig ausgefallenen Showdown generisch ausfällt, ist die zackig inszenierte Action, die vielleicht ein paar Schnitte zuviel ansetzt, um zwischendurch nicht die Übersicht zu verlieren. Meistens stimmt jedoch das Timing und der angenehm klingende Score treibt ebenfalls gut an.

Zwar dürfte sich Neil Marshall durch derartige B-Ergüsse nicht seinen einstigen Ruf zurückerarbeiten, doch zumindest offenbart er keine handwerklich auffälligen Defizite, was hinsichtlich eines augenscheinlich niedrigen Budgets schon wieder positiv auffällt.
Dennoch bleibt „The Lair“ ein Reißer von der Stange, bei dem eine besser ausgearbeitete Story mit etwas Humor eventuell Wunder hätte bewirken können.
5,5 von 10

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