Nicht erst seit „Katakomben“ von 2014 bilden jene unter Paris gelegene Räumlichkeiten einen düsteren Schauplatz für Horrorfilme. Vom Stollennetz, welches rund 300 Kilometer Länge aufweist, sind einige Gebiete noch nicht gänzlich erforscht, was natürlich Spekulationen und Verschwörungstheorien anheizt. Dies nahm Regisseur Grégory Beghin zum Anlass, den Horror in die Pariser Unterwelt zu verlegen.
1991: Bevor Henry zum Wehrdienst muss, wollen er und seine Freunde Sonia, Max und Ramy noch etwas erleben. So steigen sie in den für Touristen nicht zugänglichen Bereich der Katakomben hinab und sehen sich schon bald nicht nur einer Gruppe Skinheads gegenüber…
Wenn „Dead Snow“ auf „The Descent“ trifft, mag man sich ausmalen, was dort in den schier endlosen und teils stets gleich aussehenden Gängen abgehen könnte. Nach einer brauchbaren Einführung der nicht übermäßig zugänglichen Figuren geht es relativ rasch hinab und man erhält einen weitgehend glaubhaft erscheinenden Eindruck der Szene, die sich hier unten tummelt.
Je tiefer die vier ins Netzwerk eindringen, umso stärker wiegen merkwürdige Geräusche und offenbar weichen diverse Karten deutlich voneinander ab. Dennoch dauert es eine ganze Weile, bis der Schrecken konkreter und damit der Bewegungsdrang gesteigert wird.
Als letztlich die so genannte weiße Zone überschritten wird, gibt es allerlei aus der Vergangenheit zu entdecken, wobei die solide Ausstattung durchaus einige düstere Eigenheiten hervorbringt.
In der finalen Phase wird schließlich ein wenig die Splatterkeule ausgepackt. Es gibt abgetrennte Füße und Hände, einen offenen Bauch und einen zerfetzten Arm, was sich im Halbdunkel mithilfe solide gestalteter, handgemachter FX durchaus sehen lassen kann.
Allerdings geht die Chose nicht in ein Gemetzel über, zumal überwiegend Resultate, jedoch nicht der Weg dorthin bebildert werden.
Insgesamt zündet die Atmosphäre in den Gängen durchaus, es wird nie zu dunkel, wobei die Bilder einer mitgeführten Kamera (die 1991 nicht allzu handlich war) eher vernachlässigt werden. Auch der eigentlich effektive Sound der sich ankündigen Bedrohung wird nur unzureichend genutzt, wogegen der zurückhaltend eingesetzte Score die Stimmung angemessen untermalt. Das Spiel der Mimen ist auf einem passablen Niveau angesiedelt, sonderlich gefordert wird allerdings niemand.
Mit einer knackigen Laufzeit von rund 80 Minuten entstehen mit Betreten der unterirdischen Anlage zwar kaum Längen, dennoch hätte Beghin das Potenzial seiner Bedrohung früher ansetzen müssen, um rechtzeitig für Dringlichkeit und Suspense zu sorgen. Somit bleibt ein weitgehend kurzweiliger Trip, dem es am Ende an einschneidenden oder gar markanten Ereignissen mangelt.
5,5 von 10