Review

iHaveCNit: Wir sind dann wohl die Angehörigen (2022) – Hans-Christian Schmid – Pandora Film
Deutscher Kinostart: 03.11.2022
gesehen am 13.10.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Studio – Reihe 3, Platz 1 – 18:00 Uhr

Bei der Planung für die Starts der letzten Woche wäre mir fast ein Film entfallen, den ich überhaupt nicht auf meiner Liste hatte und erst kurzfristig noch eingeschoben habe, da das Thema und der Ansatz des Films „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Hans-Christian Schmid basierend auf dem gleichnamigen Buch von Johann Scherer mich schon ein wenig interessiert – und letzten Endes auch begeistert hat.

Es ist Ende März im Jahr 1996. In der Nacht des 25. März wird Jan-Philipp Reemtsma entführt und die Familie erhält ein Erpresserschreiben mit einer Lösegeldforderung zur Freilassung. Für sowohl seinen Sohn Johann als auch seine Frau Ann-Kathrin Scheerer werden die nächsten Wochen zur Tortur, wenn sich Angehörigenbetreuer der Ermittlungsbehörden und weitere Personen im Anwesen niederlassen, damit die Freilassung verhandelt wird – und sich ein Spannungsfeld im Umgang mit der Situation zwischen den Behörden und den Angehörigen ergibt.

Hans-Christian Schmids Ansatz und Herangehensweise an die 1996 durch die Medien gegangene Entführung von Jan-Philipp Reemtsma aus der Perspektive seines Sohns und seiner Frau gerade anhand des gleichnamigen Buchs des Sohns Johann Scherer ist eine ähnlich interessante Herangehensweise wie zuletzt Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“, in dem der Fall um Murat Kurnaz aus der Sicht seiner Mutter und dem Anwalt erzählt wird – auch wenn dort der Kampf wesentlich länger geführt wurde als bei der Reemtsma-Entführung, wenn auch mit einer ähnlichen Intensität, indem sich immer Rückschläge und Spannungsfelder ergeben – unabhängig davon wie nüchtern beide Filme inszeniert und erzählt werden. Im Falle von Schmids Film wird der Film auch noch über einige Strecken eine Art Kammerspiel, wenn sich der Großteil des Familiendramas und Entführungsthrillers im Anwesen der Familie abspielt und wir hautnah miterleben, wie die von Claude Heinrich und Adina Vetter gespielten „Angehörigen“ mit der Situation und dem Druck umgehen und wie das Ganze ihnen zusetzt. Und natürlich erleben wir welche Spannungen sich daraus ergeben, wenn die Vorstellung bezüglich der Herangehensweise an die Verhandlungen und Geldübergaben zwischen den Ermittlungsbehörden und den „Angehörigen“ voneinander abweichen. Insgesamt ein feines, intimes und spannendes Entführungsdrama, dass mir sehr gut gefallen hat.

„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ - My First Look – 9/10 Punkte.

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