iHaveCNit: Oskars Kleid (2022) – Hüseyin Tabak – Warner
Deutscher Kinostart: 22.12.2022
gesehen am 24.12.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 5 – Reihe 13, Platz 10 – 14:00 Uhr
Das Film- und Kinojahr 2022 neigt sich für mich auch so langsam dem Ende zu. Doch bis dahin gilt es für mich noch einen durchaus vollgepackten Marathon bis zur Ziellinie am 31.12.2022 zu laufen. Teil dieses Marathons ist nun auch der letzte deutsche Film des Jahres mit dem Titel „Oskars Kleid“, der von Hüseyin Tabak nach einem Drehbuch von Florian David Fitz inszeniert worden ist. Und mir hat „Oskars Kleid“ sehr gut gefallen.
Polizist Ben hat immer noch daran zu knabbern, dass seine Frau Mira sich von ihm getrennt hat, mittlerweile mit einem anderen Mann zusammenlebt und er auch nur noch sehr selten mit seinen Kindern – seiner Tochter Erna und seinem Sohn Oskar – Zeit verbringt. Doch sein Typ ist wieder gefragt, als Mira schwanger und verletzungsbedingt im Krankenhaus liegt und die Betreuung der Kinder sicher gestellt sein muss. Doch Ben ist irritiert, denn Oskar scheint eine Vorliebe für Kleider zu haben und er nennt sich fortan Lilli. Inmitten seiner Irritation und seiner eigenen Erwartungshaltung und seinem Anspruch als Vater an Oskar versucht er mit der Situation umzugehen. Doch das benötigt Zeit und ist natürlich auch mit einigen Rückschlägen und Fehlern verbunden und oft verliert Ben inmitten des eigenen, inneren Konflikts die wichtigen und richtigen Entscheidungen und die Gefühle von Lilli aus den Augen.
„Oskars Kleid“ verhandelt durchaus ein paar interessante, moderne Themen auf sehr ambivalente, vielseitige, wenn auch etwas oberflächliche und nicht in die Tiefe gehende Art und Weise. Er liefert im Gewand einer aktuell für die typischen Sehgewohnheiten angepasste deutsche Tragikomödie die im Kern vor allem den elterlichen Umgang mit der Selbstfindung der eigenen sexuellen Identität des Kindes. Hier ist es vor allem die Perspektive des von Florian David Fitz gespielten Ben, der bedingt durch einen Teil seiner Erziehung und seines Umfelds durchaus von toxisch männlichen Dynamiken geprägt ist und natürlich eigene Ideale, Ansprüche und Erwartungen an seinen Sohn knüpft und dessen Welt erst einmal komplett aus den Fugen gerissen wird, wenn sich sein Sohn nun als Tochter fühlt und statt Oskar als Lilli identifiziert. Gerade in seiner wenn auch oberflächlichen und nicht sehr tiefen Auseinandersetzung ist der Film durchaus vielseitig darin, viele Positionen darzustellen und einzunehmen. Manch einer mag dem Film vorwerfen, mitunter auch transphobe Positionen und Verhaltensweisen zu präsentieren, doch ich bin der Meinung, dass diese offensichtlich problematischen Fehler auch in der Charakterentwicklung von Ben nötig sind, daraus zu lernen und in der Rolle des Vaters zu wachsen. Klar sorgt der Film an manchen Stellen für durchaus sehr unangenehme Momente, wenn Ben versucht das Richtige aus falscher Motivation und Unwissenheit heraus zu tun. Es ist durchaus im Umgang damit für Eltern nicht immer einfach und es braucht Zeit und das schildert der Film in meinen Augen gut – damit der Weg für Toleranz, Akzeptanz und vor allem Liebe geebnet wird. Doch das volle Potential entfaltet der Film nicht. Dafür blickt man zu wenig in die Welt des von Jungschauspieler*in Lauri gespielten Oskar/Lilli, so dass der Film nur teilweise den Betroffenen selbst Raum gibt, sich zu äußern und eher mehr über Betroffene geredet wird, statt sie aktiv mit einzubinden. Denn genau das hätte dem Film wesentlich mehr Faszination und Magie gegeben, denn die Szenen in denen Lilli Raum gegeben wird, sind für mich Highlights des Films.
„Oskars Kleid“ – My First Look – 8/10 Punkte.