Review

Sowohl das Buch als auch die adäquate Verfilmung von „Brennen muss Salem“ endeten so, dass noch Raum für ein Sequel blieb. In Romanform gab es keines, aber Larry Cohen drehte „Salem II“.
Die Figuren des Originals wurden nicht übernommen, stattdessen steht der mit allen Wassern gewaschene Reporter Joe Weber (Michael Moriarty) im Mittelpunkt. Der ist eiskalt, von nichts zu schocken und setzt eine gute Story über alles – selbst wenn er dafür dem Menschenopfer eines afrikanischen Stammes beiwohnen muss und den Tod sogar auf Kamera festhält. Kein Wunder, dass sich die werte Frau Gemahlin dereinst von diesem skrupellosen Klotz scheiden ließ.
Doch die Ehe brachte auch einen Sohn, Jeff (Ricky Addison Reed), hervor und Mutti möchte derweil nicht für ihn sorgen, weshalb sie Joe herbeordert, damit er den Jungen für eine Zeit unter seine Fittiche nimmt. Also sucht Joe nach Storys in Amerika und stößt dabei auch auf Salem’s Lot. Kenner der ersten Teils (bzw. der Buchvorlage) wissen natürlich, welche Chose da abläuft, aber auch mit minimaler Kenntnis von Vampirfilmen kann man sich vorstellen, was die Heroen dort erwartet.

Das Vampirtum hat in Salem’s Lot nach dem ersten Teil noch weiter um sich gegriffen und nahezu alle Einwohner rennen des Nachts mit kleidsamen Fangzähnen herum; die menschlichen Einwohner sind nur Drohnen. Doch das weiß das Vater-Sohn-Gespann noch nicht...
Vom Figurenpanoptikum des ersten Teils ist nicht mehr viel geblieben, stattdessen fokussiert sich „Salem II“ vor allem Joe. Der muss sich mit seinem Sohn wieder zusammen schmeißen, vor allem als der Bengel mit der jugendlichen Vampirin Amanda (Tara Reid) eine Art Romanze eingeht und diese sich einen körperlich gleich alten Partner suchen will. Entdeckung der eigenen Menschlichkeit steht auch auf dem Plan, denn die Geschehnisse in Salem’s Lot läutern den Reporterpapi natürlich, insofern bietet „Salem II“ nur Standards.
Interessant sind jedoch die durchaus neuen Ansätze im Bereich der Story: Die Bewohner offenbaren ihr Geheimnis recht früh, sind aber nicht direkt darauf aus, die beiden zu beißen. Stattdessen soll Joe über ihr Leben berichten usw. (erinnert ein wenig an Anne Rice, die Autorin von „Interview mit einem Vampir“ und ähnlichen Vampirromanen) und „Salem II“ zeigt auch die Regeln einer möglichen Vampirgesellschaft, was durchaus interessant ist. Leider versandet „Salem II“ im Mittelteil dabei ein wenig und könnte mehr Drive vertragen, aber lobenswert und halbwegs neu sind diese Ansätze auf jeden Fall.

Im letzten Drittel kommt es jedoch zum obligatorischen Zerwürfnis zwischen Menschen und Vampiren und dann fliegen nach einer Weile die Fetzen. Nach einer paar kurzen Vampirattacken in den ersten zwei Dritteln dürfen die FX-Spezialisten gegen Ende noch mal richtig aufdrehen und bis auf einige Ausnahmen wie die Maske des Obervampirs sind die Effekte sehr gelungen. Allesamt noch handgemacht und sehr fantasievoll (z.B. das Verätzen eines Vampirs mit Weihwasser), so wird gegen Ende noch mal schön rumgemanscht und moderat gesplattert, was für ein turbulentes, relativ actionreiches Finale sorgt.
Michael Moriarty spielt mal wieder sehr überzeugend und verkörpert den Wandel vom Saulus zum Paulus wirklich glaubhaft, aber auch Samuel Fuller als alter Nazijäger vollbringt eine wirklich gute Performance. Ricky Addison Reed ist für ein Filmkind noch halbwegs OK, aber keine große Leuchte, der Rest der Darsteller solide ohne zu glänzen.

Unterm Strich bleibt guter B-Horror, dem teilweise etwas der Drive fehlt, stellenweise aber neue Ansätze im ausgelutschten Vampirgenre bietet. Solide gemacht, im Finale gibt’s nette Effekte zu sehen, auch wenn die Chose insgesamt etwas aufregender sein könnte, aber zu ordentlichen 6,5 Punkten meinerseits reicht es.

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