Es ist ein hartes und entbehrungsreiches Leben, das die Hafenarbeiter im norwegischen Bergen Ende der 1930er Jahre führen: meist nur tageweise zum Be- und Entladen von Schiffen engagiert, reicht der schmale Lohn oft hinten und vorne nicht. So geht es auch Alfred (Kristoffer Joner) genannt Freddy, dessen Frau gerade ihr 3. Kind zur Welt gebracht hat. "Deine Kinder müssen essen" sagt ihm sein bester Freund Sigbjørn Kvalen (Pål Sverre Hagen), selbst noch Junggeselle - doch die Aussichten sind trübe. Da erreicht Freddy ein Angebot, das vielleicht alles verändern könnte: eine fixe Anstellung auf einem Handelsschiff für 18 Monate. Das bedeutet Geld über einen längeren Zeitraum, gleichzeitig aber auch anderthalb Jahre Trennung von der Familie. Seine Ehefrau Cecilia (Ine Marie Wilmann) muss allerdings nicht lange darüber nachdenken - ein regelmäßiges Einkommen ist besonders für die 3 Kinder wichtig, außerdem begleitet ihn ja Sigbjørn, da kann nicht viel passieren.
So schiffen sich Freddy und Sigbjørn im Herbst 1939 ein, und die erste Route führt nach New York. Der Ausbruch des 2. Weltkriegs macht den Plänen der beiden allerdings einen Strich durch die Rechnung, denn das Handelsschiff, vor allem aber seine norwegische Besatzung, werden - wie tausende andere Norweger auch - zum Dienst auf den Frachtschiffen der Alliierten eingeteilt. Damit geraten Freddy und seine Kollegen mitten ins Kriegsgeschehen - sie arbeiten auf Schiffskonvois und Geleitzügen, die von den deutschen U-Booten angegriffen werden. Letztere sind anfangs sehr erfolgreich, und Freddys erste Eindrücke vom Krieg beziehen sich auf überlebende Schiffbrüchige, die nach der Torpedierung ihrer Frachter hilflos an seinem Dampfer vorbeitreiben. Anhalten ist jedoch strengstens verboten, und so wirft er verzweifelt Taue ins Wasser, doch kaum jemandem gelingt es, sich daran festzuhalten. Immerhin kann er einen 14-jährigen Schiffsjungen retten: Aksel (Leon Tobias Slettbakk) wird ihm in den nächsten Monaten in der Kombüse behilflich sein.
Doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht: immer wieder werden die Handelsschiffe angegriffen, einmal gelingt es der norwegischen Besatzung, mit weggesprengtem Rumpf Malta zu erreichen, ein anderes Mal werden sie selbst versenkt, wobei Freddy schon untergegangen scheint, dann aber noch von Sigbjørn am Schopf gepackt aus dem Wasser gezogen werden kann...
Die bis dato mit Abstand teuerste norwegische Produktion Krigsseileren widmet sich ganz dem Schicksal seines Hauptdarstellers Freddy, der mit Beharrlichkeit, Ruhe und einer Portion Glück den 2. Weltkrieg durchlebt. Dabei legt Regisseur und Drehbuchautor Gunnar Vikene keinen Wert auf Seegefechte oder sonstige Action, sondern läßt Bilder sprechen: ruhige Bilder von dunklem Wasser, in dem Schiffe, Menschen und Material treiben und unterzugehen drohen, sowie der selten bewegten Miene seines Hauptdarstellers, der fast schon stoisch ruhig seinen gefährlichen Dienst und jeden Schicksalsschlag ohne größere emotionale Regung hinnimmt.
Als (Sozial-)Drama eines einfachen Seemannes ist dies durchaus sehenswert, allerdings weckt der Titel War Sailor gewisse Erwartungen, die der 3-teilige Film in den insgesamt zweieinhalb Stunden keineswegs erfüllt - so gibt es praktisch kein Kriegsgeschehen, keine Geleitzugschlachten und keine Torpedoeinschläge, nur dessen Folgen werden kurz angerissen: eben das, was der übrigens stets unbewaffnete Matrose Freddy während der Kriegsjahre erlebt. Dazu gehört z.B. ein Besuch in einem britischen Kino, wo die erfolgreiche Bombardierung eines deutschen U-Boots enthusiastisch wie ein Tor beim Fußball gefeiert wird, dazu gehört auch ein zart beseiteter Matrose, der eigentlich nicht aufs Schiff will, da er als Balletttänzer gearbeitet hatte und vor den teilweise homophoben Matrosen eine Darbietung seines Könnens ablegen muss, dazu gehört auch der Verbleib auf einer Planke nach der Versenkung des eigenen Schiffs und der Besuch eines deutschen Arztes, der dem hoffnungslos schwer verwundeten Aksel immerhin noch eine größere Ration Morphium gegen die Schmerzen in die Hand drücken kann.
Kurz streift der Film auch den Alltag von Cecilia, die ihre 3 Kinder alleine großziehen muß, längst realisiert hat, daß die 18 Monate Abwesenheit ihres Mannes auf unabsehbare Zeit verlängert wurden und dennoch fest an dessen Rückkehr glaubt.
Neben Schlachtenrummel verzichtet Krigsseileren auch auf jegliche moralische Wertung, selbst politische Ereignisse in Norwegen (wie die NS-freundliche Kollaborateurs-Regierung unter Quisling) bleiben ausgespart, lediglich die Bombenabwürfe der Alliierten (hier der Briten) auf das besetzte Bergen werden thematisiert - mit fast 200 Toten ein einschneidendes Erlebnis für die ausharrende Bevölkerung. Und auch eines, das Freddy beeinflußt, denn dieser erhält die niederschmetternde Nachricht, daß dort niemand überlebt habe - doch Cecilia, die kurz davor mit den Kindern geflohen war, hat die Bombardierung Bergens heil überstanden.
Im letzten der drei Teile wird dann die Nachkriegszeit geschildert, wobei der Film wie schon zuvor nur kurz verschiedene Stationen in Freddys Leben beleuchtet, ohne allzulange an einem Ort oder in einer bestimmten Handlung zu verharren. Konzipiert als filmisches Denkmal für jene norwegischen Seefahrer, von denen jeder Neunte der etwa 30.000 Mann das Kriegsende nicht mehr erlebte, funktioniert War Sailor, der Freddys Leben bis ins Jahr 1972 skizziert, relativ gut - wer sich jedoch eine allgemeine Schilderung des Krieggeschehens wie in Narvik erwartet, sollte um den Film einen großen Bogen machen. 6 Punkte.