Obgleich Stephen King als Meister des Horrors gilt, entziehen sich einige seiner Kurzgeschichten diesem Genre. Gleichermaßen ist nicht jede seiner Storys für die Umsetzung eines abendfüllenden Spielfilms geeignet, wie die Adaption durch Regisseur und Drehbuchautor John Lee Hancock offen legt.
Der zurückgezogen lebende Milliardär Harrigan (Donald Sutherland) wird eher zufällig auf den Schüler Craig (Jaeden Martell) aufmerksam und eröffnet ihm die Möglichkeit, sein Taschengeld aufzubessern, indem er ihm drei Mal die Woche aus großen Werken der Literatur vorliest. Als Craig unerwartet zu etwas Geld gelangt, spendiert er dem altmodischen Kauz ein Mobiltelefon, mit dem er sich überraschend schnell vertraut macht. Als Harrigan schließlich stirbt, empfängt Craig noch immer Nachrichten von Harrigans Handy…
Hancock setzt im Hauptteil auf die ungewöhnliche Beziehung zwischen dem alten Exzentriker und dem jungen Vorleser. Dadurch entsteht über weite Teile ein ungewöhnlicher Charme, ein sympathisches, wenn auch leicht distanziertes Zusammenspiel, welches einige philosophische Ansätze ebenso hervorbringt wie ein Sinnieren über die Gefahren moderner Medien, welche der Alte recht schnell durchschaut. Deutlich überzogen ist hingegen die Pausenraumaufteilung in Craigs Schule nach Marken der Handyhersteller.
Mit dem Ableben des alten Mannes beginnt der Teil mit den leicht übersinnlich anmutenden Begebenheiten. So sorgt Craig bei letzter Gelegenheit dafür, dass Harrigans Mobiltelefon mit ihm begraben wird und dennoch empfängt er Tage nach dessen Tod noch Nachrichten. Im Zuge mentalen Stresses könnte dies auch der Einbildung des Schülers entspringen, gleichwohl könnte das Handy gehackt worden sein, wobei es im Folgenden weniger um Textnachrichten als um die mentale Verbindung zu Harrigan geht, welcher stets darauf beharrte, seine Gegner konsequent aus dem Weg zu räumen.
In diesem Teil der Handlung baut Hancock etwas auf, was mit etwas Mystery und leichten Horroreinschlägen einhergeht, jedoch nie recht entfaltet, sondern viel zu hastig abgearbeitet wird. So kommt es zu zwei Todesfällen, mit denen Craig entfernt in Verbindung stehen könnte, doch dies wird beinahe nebensächlich abgearbeitet und erfährt zu keiner Zeit die notwendige Dringlichkeit, um entsprechend Suspense zu erzeugen. Im letzten Drittel hofft man insgeheim auf eine dramaturgische Steigerung, eine düstere Zuspitzung, doch genau das bleibt leider aus.
So entwickelt sich der Streifen letztlich mehr als Coming-of-Age und Drama, weniger als Thriller oder Horror. Den ausgezeichneten Hauptdarstellern gelingt hingegen eine hervorragende Etablierung ihrer Figuren, was die Handlung über weite Strecken zu tragen vermag und auch der Score setzt einige gelungene Akzente. In der zweiten Hälfte wird das Potenzial jedoch unzureichend genutzt, Action, Schauwerte, Temposzenen bleiben komplett aus und die anfangs interessante Prämisse versandet fast schon in der Bedeutungslosigkeit, was nur durch die solide Inszenierung ein wenig abgefedert wird.
Knapp
6 von 10