Review

Zuweilen mag sich eine Ringschlacht zwischen zwei Boxern zwar spannend gestalten, doch im Sinne ihrer Gesundheit ergibt ein modernes Regelwerk natürlich Sinn. So fand etwa 1893 der längste Boxkampf der Geschichte statt: Über 110 (!) Runden bekämpften sich die Kontrahenten rund sieben (!!) Stunden im Ring, bis der Kampf schließlich unentschieden endete. Für den titelgebenden Jem Belcher fielen die Kämpfe wesentlich kürzer aus, obgleich er anfangs noch ohne Boxhandschuhe in den Ring trat.

Bristol 1800: Der junge Schmied Jem Belcher (Matt Hookings) tritt in die Fußstapfen seines Großvaters (Russell Crowe), indem er spontan an einem Preisboxen teilnimmt und überraschend gewinnt. Bill Warr (Ray Winstone) nimmt sich seiner als Mentor und Trainer an und schon bald verschlägt es Jem in die Londoner High Society, wo neben viel Licht offenbar noch mehr Schatten herrscht…

Hauptdarsteller Hookings verfasste auch das Drehbuch, nachdem er einige Artikel über Jem gelesen hatte. Mit den historischen Fakten nimmt er es zwar nicht immer so genau, indem Boxhandschuhe weit vor der eigentlichen Zeit zur Pflicht erklärt und ursprüngliche Herausforderer als Champions instruiert werden, doch ansonsten hält er sich weitgehend an die Tatsachen, zumal er dankenswerterweise auf das typische Love Interest verzichtet und sich speziell in der zweiten Hälfte vermehrt um das Training kümmert.

Die ersten Jahre werden rasch umrissen und nach einem Titelkampf ist in Sachen Action zunächst nicht viel mitzunehmen. Vielmehr geht es um den Einfluss einiger dubioser Lords, den Umgang mit plötzlichem Ruhm und Reichtum und den vermeintlich besten neuen Freunden. Hinsichtlich der Ausstattung ist wenig zu bemäkeln, speziell die Kostüme sind recht detailliert ausgefallen, wogegen auf opulente Kulissen verzichtet wurde und London folgerichtig etwas eingeschränkt zur Geltung kommt.

Mit der Konzentration auf den eigentlichen Sport weiß der Stoff indes deutlich besser zu unterhalten, da die Choreographie mindestens zweckdienlich ausfällt, das Make-up sehr gute Arbeit leistet und der Score angenehm im Hintergrund bleibt. Für den Endkampf bemühte man mit Ricky Chaplin gar einen echten Boxer, was sich bei den Moves durchaus widerspiegelt. Während des Drehs gab es offenbar auf beiden Seiten einige kleine Verletzungen, was ebenfalls für ein Bemühen um Authentizität spricht.

Dass die Geschichte letztlich nicht übermäßig mitreißt, mag einerseits an der eher schwachen Figurenzeichnung der Hauptfigur liegen, die auf emotionaler Seite nicht sonderlich viel zum Vorschein bringt und andererseits an den formelhaften Abläufen, einschließlich merkwürdiger Trainingsmethoden, bis hin zum letzten Aufbäumen während des Kampfes.
Dennoch ein ansprechendes, gut gespieltes Boxerdrama über die frühen Tage des Sports, bei denen Fans einen vorsichtigen Blick riskieren könnten.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme