Das Aufkommen und Bestehen der Produktionsschmiede 308 Entertainment unter Corey Large und Edward John Drake ein Glücksfall für den geneigten DTV-Anhänger und die Fans von Bruce Willis, gleiche Schnittmenge demnach, hat der scheidende Hollywoodstar kurz vor seinem endgültigen und verdienten Abschied noch einmal ordentlich Fleiß- und Qualitätsarbeit für seine neue Stammmannschaft geleistet und dem Zuschauer gleich mehrere Abschiedsgeschenke beschert. Dazu gehört auch die bis dato völlig unter dem Radar gelaufene, für die Meisten bis zur Ankündigung bzw. der Veröffentlichung des ersten Marketingmaterials (in Form von Poster und Trailer) unbekannte Detective Knight - Trilogie, Modern Day Actionthriller im Polizeimilieu, gedreht mit dem Charakterkopf in der Haupt- und Titelrolle vor der Kamera und hinter ihr die Chefs (Buch und Regie Drake, die Geschichte mit Large) selber:
Als Detective James Edward Knight [ Bruce Willis ] während einer Schießerei mit Geldräubern seinen Partner Eric Fitzgerald [ Lochlyn Munroe ] schwerverletzt auf die Intensiv 'schicken' muss, reist er zusammen mit seinem neuen Kollegen Detective Godwin Frensaw Sango [ Jimmy Jean-Louis ] den flüchtenden Gaunern von Los Angeles nach New York nach, wo die Spur zu dem schwerreichen Buchmacher Alistair 'Winna' Winfred [ Michael Eklund ] als Auftraggeber des Ganzen führt. Währenddessen hat dieser seine Truppe um Casey Rhodes [ Beau Mirchoff ], Mike Rochester [ Trevor Gretzky ], Nikki Sykes [ Keeya King ] und Mercer [ Corey Large ] bereits mit einem neuen 'Geschäft' beauftragt, außerdem hat er aus der Vergangenheit etwas gegen Knight in der Hand. Dieser wendet sich erstmal an Winnas Bodyguard Brigga [ Johnny Messner ].
"I really think they're gonna need a Hail Mary to make this play."
Ein Überfall auf einen Geldtransporter in regennasser Nacht, der Zeitpuffer ist mit 30 Sekunden zu kurz, das Verbrechen zu knapp geplant. Bald dröhnen die Maschinengewehrsalven, röhren die Motoren, die Polizei ist im Anmarsch, das Aggressionspotential groß, Metall am Zersplittern, Glas und Blut am Stoben. Der Einstieg mit einer Actionszene, abgehakt in den Bildern und Bewegungen, ein konzentriertes Chaos, einige Einstellungen haben ihren Effekt, aber von Taktik ist nichts zu spüren. Das Gleiche gilt für die Inszenierung, ein Teil wirkt durchdacht, einiges allerdings zusammengestückelt, improvisiert, Puzzleteile, die nicht ineinander übergreifen, Gesprächsszenen, die bei der Probe in Ordnung wären, aber nicht in den Endschnitt gehören.
Die Darsteller kennt man zuweilen aus vorherigen Werken von Willis, eine eigentlich eingespielte Truppe, allerdings keine mit richtig Klasse, sondern die Leute, die wohl sowieso in der Nähe wohnen und auf der Gehaltsliste stehen. Seltsame Momente bahnen sich beizeiten ihren Weg, die Handlung mit dem legendären, aber nicht koscheren Polizisten ("a thug with a badge") und einer Handvoll teils skrupelloser, teils laienhafter Verbrecher greift aus dem Fundus des Genres, man navigiert zwischen New York, speziell Newark und Los Angeles herum, hält sich aber tatsächlich an eher niederen Plätzen auf, dem klammen Schrotthandel draußen, irgendwo auf dem Lande, der späten schmucklosen Kantine, die Stimmung ist moody and broody, die Farben karg, das Licht gedämpft bis düster. Die Gesellschaft ist am Ende, die Leute haben Bier, Tabletten und Drogen, sie haben keine Jobs, keine Zukunft, kaum Familie, und kein Geld. Die Klamotten haben keinen Charme, die Frisuren sind mehr schlecht als recht. Die Rezession steigt, das Bankkonto fällt.
"What's your current address?" - "Me? Uh, you got a pen? Okay. It's, uh, just on the corner of, uh, "Speak to my" and "Fuckin' lawyer. It's a new suburb."
Wie auch die vorherigen Arbeiten kann man den Film durchaus auch als Zeitzeugnis sehen, die Finanzen sind sichtlich knapp, es wird versucht das Beste draus zu machen, die Mankos so gut wie möglich zu verstecken, die wenigen Chancen zu nutzen, sich möglichst ambitioniert zu geben, die vorhandenen Ressourcen allesamt einzusetzen und auch irgendwie zu dehnen. Es wird auch versucht, um Willis (als besten Mann am Set) herumzufeilen, seine Bewegungseinschränkungen aufgrund der Krankheit zu kaschieren, die (wortwörtlich, da soufflierten) eingesprochenen Sätze einzusetzen, auch wenn der Gesprächsrhythmus zuweilen darunter leidet, Pausen sind offenkundig, die Änderung der Tonalität ersichtlich. Dafür gibt's viel Flüche, die 'fucks' sind zahlreich und vollmundig. Das Hauptaugenmerk liegt naturgetreu mehr auf den Kriminellen als den Häschern mit der Marke, Willis als Det. Knight trägt und verkauft die Reihe, ist aber nicht zwingend anwesend und nicht stets und ständig zu sehen, geht hier allerdings auch in die Bewegung und in den Schusswaffeneinsatz und sowieso in den Clinch; zudem ist er immer da, wenn's ins Eingemachte geht und es brenzlig wird. "How can you be at the wrong place at the right time all the time?"
Der Beginn einer Trilogie und irgendwo auch der Abgesang auf das Genre, der Schwanengesang des Schauspielers, kommen zwar noch vereinzelt einige Titel, haben die aber keine Connection untereinander und sind eher für das kurze Momentum und nicht die (grau-winterkalte) Crime-Saga wie hier zu sehen. Mittig ein großangelegtes, lang geplantes und dafür trainiertes Snatch-and-grab bei einer millionenschweren Auktion, welches im Fiasko endet, und durch eine ebenso breitgefächerte Korruption in den Reihen der Gesetzeshüter gedeckt werden soll, wobei sich dann das weitere Schicksal entscheidet und die dramaturgische Schwere und das Tempo (eine Säuberungsaktion im Hauptquartier der Kriminellen, das Zünden einer selbstgebauten Rohrbombe, ein gewaltbereiter Banküberfall in der Innenstadt als Ablenkungsmanöver für die zahlreich eintreffenden Streifenwagen) merklich anzieht.