Review

Man macht ja dann doch jedes Jahr das Gleiche, wenn die Weihnachtszeit naht: schnell den „Kleinen Lord“ aus, dann flieht man vor dem sechsten Durchlauf von „Drei Nüsselhasen für Drögelriegel“ und versucht es verzweifelt mit einer Weihnachtsschmonzette und dann gegen das Sodbrennen mit einem Weihnachtshorrorfilm. Und bleibt meist aufgebläht, aber ungesättigt zurück.

Wer mal auf die Schnelle einfach am Weihnachtsabend aufs Mett hauen will und auf Hans Gruber und Geena Davis verzichten möchte, kann sich gern an „Christmas Bloody Christmas“ versuchen, der simpelsten Melange aus „Terminator“-Motiven, dem probaten Hass gegen die kitschige Plätzchenzeit und einer Idee, die die Macher einfach mal von „Futurama“ geklaut haben.

So geht’s: Riley Dandy (die Frau hat eindeutig bessere Rollen verdient) spielt „Tori Tooms“, die durch und durch pissige und abgefuckte Inhaberin eines kleinen Musik-und Videoshops irgendwo in einer amerikanischen Kleinstadt, wo das Streaming noch nicht die nötige Bandbreite hat. Vom Himmel kackt es malerisch Koks in Massen und sie will mit der ganzen Xmas-Grütze nichts zu tun haben, hört sie doch sowieso am liebsten ganz harten Rock und sieht am liebsten die miesesten Filme, die keiner ertragen kann, in denen sie dann die Falschen anfeuert. Für den Abend nach Ladenschluss will sie erst mal 1-2 Pullen von irgendwas kippen und dann mit einem Onlinedate in die Kiste, allerdings raten ihr diverse Leute von genau diesem Galan ab, der ein wenig wie Müsli-Joseph auf Jojoba-Öl dreinschaut. Als Vögel-Ersatz bietet sich nur ihr Ladenkollege, der sehr nett und verständnisvoll ist, aber eben nicht dirty und abgefuckt genug scheint. Nebenan im Spielzeugladen lässt es sich ihre beste Freundin schon von ihrem Freund besorgen, als eine Nachricht aus dem TV, der niemand recht Bedeutung geschenkt hat, wieder an selbiger gewinnt. Denn die vollelektronische Santa-Claus-Roboter-Figur im Laden war früher mal ein Kampfroboter des Verteidigungsministeriums und die Verkaufsreihe hat sich offenbar auf Werkseinstellungen zurück gestellt. Alsbald steigt er (in Gestalt von Abraham „Sloth“ Benrubi) vom Podest und beginnt aus allen Anwesenden und Nachbarn blutigst Kleinholz zu machen.

Das war es dann auch an Plot, denn nachdem er erstmal unterwegs ist, gibt’s eigentlich groß kein anderes Thema mehr. Er killt das eine Paar, dann macht er eine Familie platt, geht zu Streife und Krankenwagen über und löscht dann später noch die doofe Kleinstadtbullerei komplett aus. Das einzige Ziel, was er vor sich hertreibt, ist die liebe Tori, der hier mit jeder Minute mehr auf Sara Connor machen muss, wenn sie auch, obwohl sie den Guten nach und nach beachtlich demoliert, das Scheissteil einfach nicht totkriegen kann, selbst als er schon durchbohrt, kurzgeschlossen und halb demontiert ist.

Originell an diesem Film ist nur eines und das ist der Beginn, wenn sich Tori und Robbie über den ganzen Weihnachtsmist endlos auskotzen und sich gegenseitig anpissen und aufziehen, allerdings wird auch das nach einer guten halben Stunde langsam langweilig, denn das untervögelte Genöle will kein Ende nehmen. Immerhin wird man mit einer passablen, frauengerechten Sexszene belohnt. Für Weihnachtshasser und Metalheads durchaus geeignet. Später wird daraus eine repetitive Verfolgungsjagd mit fleißig Goreeffekten, allerdings macht Joe Begos den Fehler, zu sehr auf das „Last Woman Standing“-Prinzip zu setzen, die ganzen Begleitfiguren sind einfach zu schnell da und dann zu schnell wieder weg, also muss Dandy das alles allein tragen. Im Showdown ist das auch angemessen, aber wenn der Roboter oder seine Überreste auch noch ein fünftes Mal aufstehen, mit Laserstrahl und Metalhänden versuchen, der lädierten Schönen alle Knochen zu brechen (was er übrigens auch ganz gut schafft), dann ist das ein wenig zu viel des Guten.

Aber im Gegensatz zu all den Schmonzetten und Killern im Weihnachtsdress, kennt Joe Begos wenigstens keine Verwandten und macht all seine hübschen Kulissen klein und spart nicht mit Schauwerten. Seine Vorlieben sind vermutlich die, die auch Tori hier von sich gibt und hätte er sich mehr als ein paar offizielle Nebenfigur-Karikaturen ausgedacht, für die man auch eine Sekunde was empfindet (oder für das Kind, dass er hier samt Familie deftig platt macht), dann wäre es noch besser gewesen. Aber das geht im Schreien und Fluchen unter – also ziemlich genau weihnachtlich, nicht wie es sein sollte, aber wie es häufiger mal ist. (6,5/10)








Details
Ähnliche Filme