Nanny McWie?
In Nikyatu Jusus sehr realistischem Langfilmregiedebüt für Amazon folgen wir einer aus Senegal in die Staaten geflüchteten Babysitterin, die ihre Heimat, ihren zurückgelassenen Sohn vermisst und immer wieder Erscheinungen und Visionen von Wasser hat…
Keine klassische Blumhouse-Produktion
„Nanny“ ist viel mehr Drama mit minimal übernatürlichen Elementen als Horror. Das gibt’s in letzter Zeit häufig, das sollte man erwähnen und das darf nicht zu falschen Erwartungen führen. Aber auch mit korrekt eingestellten Fühlern ist „Nanny“ für mich kein Film im grünen Bereich. Anna Diop ist unfassbar hübsch, ein Juwel und der Star der Show. Klasse Charisma und man kauft ihr die träumende und trauernde Mutter voll ab. Von ihr muss und will ich in Zukunft mehr sehen! Doch ansonsten treibt es „Nanny“ für meinen Geschmack leider nie weit genug. Die Unterschiede und Reibungen zur weißen, amerikanischen Mutter und Familie werden nie in schmerzhafte Regionen gedrückt. Alles bleibt vage, zahm und sehr geerdet. Da hätte man durchaus viel mehr sozialen Horror einbauen können. Ebenso bei dem allgegenwärtigen Thema Wasser (inklusive Meerjungfrauen), das leider nie überschwappt. Trotz emotionalem Schocker gegen Ende, der sich aber auch schon meilenweit und eigentlich über den ganzen Film ankündigt. Und wenn das Ziel recht schnell klar ist und der Weg dahin zutiefst unspektakulär bis bieder bleibt, dann bleibt nur ein feucht-trauriges Flüchtlingsdrama ohne allzu viele Alleinstellungsmerkmale. Mit einer faszinierenden Anna Diop. Ähnliche (leicht bessere) Filme sind meiner Meinung aus der letzten Zeit „His House“ oder „No One Gets Out Alive“.
Fazit: ein sehr reales Horror Drama mit bitter-traurigen Wahrheiten und Untertönen. Einigen könnte das aber zu zahm und zu wenig Genre sein. Anspruchsvoll für manche Erwartungen. Etwas trocken.