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Einige Erfahrungen im Horrorbereich konnte der mexikanische Regisseur Adrian Garcia Bogliano bereits sammeln und mit Streifen wie „Late Phases“ und „Here Comes the Devil“ ansprechende Genrebeiträge zusteuern. Mit einem weiteren Exorzismusfilm begibt er sich hingegen auf dünnes Eis, doch es gelingt ihm, den Stoff über einige Klischees hinaus in etwas andere Bahnen zu lenken.

Die Nonne Schwester Ofelia (María Evoli) wird in die Provinz San Ramon versetzt, um den hiesigen Priester zu unterstützen, der allerdings kurz nach ihrer Ankunft verschwindet. Gemeinsam mit dessen Helfer Fabian (Ramón Medína) werden sie bei der hochschwangeren Sandra (Pilar Santacruz) fündig, die just von einem Schlangendämon besessen ist. Zunächst gelingt es Ofelia, den Dämon auszutreiben, doch dieser sammelt erneut Kraft, um binnen zweier Sonnenuntergänge ein weiteres Mal zuzuschlagen…

Die erste halbe Stunde entwickelt sich nach kurzer Einführung der wesentlichen Figuren wie ein typischer Exorzistenfilm, der recht früh mit der Austreibung ansetzt und bei der die Nonne eher zufällig in die Sache hineingerät. Die dazugehörigen Effekte können sich sehen lassen und die Besessene vollzieht einige Verrenkungen und Bewegungen, die in dieser Form recht innovativ erscheinen.

Nach dem Exorzismus täuscht die Ruhe vor dem Sturm und es folgt eine schnitzeljagdartige Hatz, um der bösen Präsenz Einhalt zu gebieten, was grundlegend mit manchen Gefahren für die Ofelia, Fabian und einigen Nebenfiguren einhergeht, zumal ein Schlangendämon der Bibel gemäß stets hinterlistig handelt und einige Fallen und Täuschungen parat hält.

Bei alledem bildet Bogliano eine stimmige Einheit: Die Kulisse des abgelegenen Dorfes mit einigen Höfen fügt sich recht gut in die zumeist nächtliche Stimmung, während der Score mit ein, zwei markanten Themen die Atmosphäre treffend untermalt. Abgesehen von einigen Wackelattacken liefern Kamera und Schnitt überzeugend, während etwaige Gewalteinlagen eher zurückhaltend in Szene gesetzt sind.

Die Erzählung fährt insgesamt ein recht flottes Tempo und hält sich nur selten mit kleinen Hintergrundanekdoten auf, um die Figurenzeichnungen anzureichern. Hauptdarstellerin Evoli liefert eine starke Performance mit ebenso starker Präsenz, die überzeugend zwischen Kampfeswille und Zerbrechlichkeit pendelt und durchaus mitfiebern lässt. Auch die übrigen Mimen performen tauglich.

Entsprechend entwickelt sich die Geschichte mehr wie ein Wettlauf gegen die Zeit, als erneut auf eine Austreibung hinauszulaufen, wobei sich der Stoff immerhin eine kleine garstige Pointe vorbehält. Für den Showdown hätte man sich eventuell einige Effekte mehr gewünscht, die sich im Durchschnitt allesamt sehen lassen können, doch unterm Strich zählt der Streifen im Subgenre der Exorzismusfilme klar zu den besseren seiner Zunft.
6,5 von 10

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