Auf reinen Puppenhorror wollte sich der spanische Co-Autor und Regisseur Víctor Garcia nicht verlassen, weshalb er seine Horrorgeschichte in die 80er versetzte. Dies dient jedoch nicht als reine Nostalgienummer, sondern bildet die glaubhafte Umgebung, in der es Andersartige, besonders in ländlichen Gebieten oftmals recht schwer hatten.
Frühjahr 1987: Sara (Carla Campra) ist mit ihrer Familie in die Provinz gezogen und wird von der Landbevölkerung kritisch beäugt. Rasch freundet sie sich mit der Rebellin Rebe (Aina Quiñones) an. Auf dem Rückweg von einer Disco wähnt Sara ein Mädchen im weißen Kleid am Straßenrand, in der Umgebung entdeckt sie eine Kommunionspuppe und behält sie. Wenig später zeigen sich auf Saras Haut unerklärliche Male und auch ihre Freunde nehmen eine dämonische Entität wahr…
Auf den ersten Blick könnte man davon ausgehen, dass Garcia auf den „Annabelle“ – Zug aufspringt, doch die beinahe harmlos aussehende Puppe etabliert sich eher als Randerscheinung. Löblich ist zunächst die ordentliche Einführung der beiden Außenseiterinnen, deren familiäre Situation ebenso angerissen wird, wie ihr zweifelhaftes Ansehen im Ort, wodurch das Gespann sogleich sympathisch erscheint. Obgleich der Discoaufenthalt ein wenig zu lang ausfällt, in der zudem Techno läuft, welcher erst einige Jahre später Einzug fand, wird mit dem Rückweg eine düstere Atmosphäre geschaffen, die im Verlauf immer mal wieder auf positive Weise aufblitzt.
Leider kommt der Spuk nur selten über flackernde Lampen oder zuschlagende Türen hinaus, wogegen das Poltergeistern in einer herrlich alt anmutenden Spielhalle für Stimmung sorgt.
Zudem kristallisiert sich ein gutes Gespür fürs Timing heraus und auch die später erscheinende, dämonisch wirkende Bedrohung ist ordentlich gestaltet und bis auf sehr wenige Szenen frei von CGI. Gleiches gilt für die wenigen Gewalteinlagen, die problemlos mit der FSK16 konform gehen.
Während der Showdown ein taugliches Tempo fährt und einigermaßen Spannung generiert, folgen noch einige Szenen, die womöglich ein wenig Verwirrung hervorrufen, zumal nicht alle Mysterien komplett gelöst werden. So ganz eindeutig fällt die Auflösung nicht aus.
Letztlich lebt der Streifen von seiner Atmosphäre, weniger durch die Spukeffekte, die trotz passabler Inszenierung zuweilen etwas altbacken daherkommen. Darstellerisch stechen vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen positiv hervor und auch der Score liefert zumindest zweckdienlich. Die Geschichte folgt indes erahnbaren Pfaden, wogegen die Pointe nicht überall auf Zustimmung stoßen dürfte. Viel mitnehmen kann man von dem Streifen nicht, für einigermaßen unterhaltsame 98 Minuten langt es hingegen.
6 von 10