Es bedarf enormer Konzentration und Willensstärke, einen luziden Traum zu steuern. Dies bedeutet, sich dem Zustand des Träumens bewusst zu sein und zumindest eine Teilkontrolle zu übernehmen. Diesen Aspekt übernimmt Autorin und Regisseurin Kjersti Helen Rasmussen in ihrem ersten Langfilm, der irgendwo zwischen „Rosemarys Baby“ und „Nightmare on Elm Street“ angesiedelt ist.
Das junge Paar Mona und Robby bezieht ein sanierungsbedürftiges Apartment. Kurz nach ihrem Einzug verfolgen Mona Alpträume, sie schlafwandelt und beginnt sogar, sich selbst zu verletzen. Über Umwege erfährt sie von dem Schlafforscher Aksel, der eine neuartige Methode zur Visualisierung von Träumen gefunden hat. Und die dämonische Gestalt in Monas Träumen nimmt immer konkretere Züge an…
Die Vibes von Polanskis Schwangerschaftshorror sind unverkennbar: Kurz nach ihrem Einzug macht das Paar Bekanntschaft mit den merkwürdigen Nachbarn, die ein Baby haben, es gibt Anzeichen einer anstehenden Schwangerschaft und Symbolbilder in entsprechenden Träumen, die auf eine Mitwirkung einer dämonischen Entität hindeuten, welche Einfluss auf Monas Verhalten, auch im Traum ausübt.
Die Figurenkonstellation bleibt übersichtlich, das Setting auch, obgleich diverse Vogelperspektiven des norwegischen Küstenörtchens ebenso kurze atmosphärische Momente schaffen wie die schummrig beleuchtete Wohnung, in der neben alten Tapeten noch weiterer Unrat zu beseitigen ist. Anfangs verwirren Zustände zwischen Traum und Wachsein auf angenehme Weise, doch bereits nach einer Weile dreht sich die Situation im Kreis, die Träume weisen kaum neue Inhalte auf und eine Entwicklung der wenigen Figuren ist ebenfalls kaum auszumachen.
Entsprechend gestaltet sich primär die erste Stunde recht lahm, da sich einerseits zu wenig Relevantes ereignet und andererseits zu selten für Spannung gesorgt wird. Dies ändert sich mit dem Betreten des Schlaflabors nur geringfügig, zumal die vermeintliche Bedrohung zu offensichtlich ist und das Mythologische zu oberflächlich abgehandelt wird, um diesbezüglich für interessante Facetten zu sorgen. Auch die Darstellerleistungen kommen kaum über Mittelmaß hinaus, wobei die eher bodenständigen Performances gut zum Verwirrspiel um Traum und Realität beitragen.
Zwar bleibt die leicht beklemmende Stimmung ein minimaler Pluspunkt der Geschichte, doch inhaltlich dreht sich diese viel zu lange im Kreis, um dauerhaft für angemessenes Interesse zu sorgen. Inszenatorisch ist zwar wenig anzukreiden, doch aufgrund ausbleibender Schauwerte und inhaltlicher Überraschungen verkommt „Nightmare“ zum unaufgeregten Schlummerstoff.
4 von 10