Review

iHaveCNit: Sisu (2023) – Jalmari Helander – Sony Pictures
Deutscher Kinostart: 11.05.2023
gesehen am 15.05.2023
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 2 – Reihe 16, Platz 20 – 21:00 Uhr

Bei der Sichtung des Programmheftes des letzten Fantasy Filmfests konnte ich mir aus einem Film namens „Sisu“ noch keinen Reim machen, bis ich dann einmal vor „Evil Dead Rise“ den Trailer dazu sehen konnte. Danach verstand ich die Frage nicht mehr, ob ich Interesse an „Sisu“ habe. Und was für eine Lust ich darauf hatte, die dann auch letzen Endes absolut mehr als berechtigt war.
Denn „Sisu“ ist schon jetzt ein großes Action-Highlight des Jahres.

Es ist 1944. Der zweite Weltkrieg nähert sich dem Ende zu. Für die deutschen Truppen im Norden Finnlands ist der Rückzug angesagt aber nicht ohne noch ordentlich plündernde und brandschatzende Streifzüge und damit verbrannte Erde auf ihrem Rückzug zu hinterlassen. In dieser Zeit trifft der Goldschürfer Aatami Korppi auf eine sehr reiche Goldader, dass er bei der nächsten Bank gegen bares Geld eintauschen möchte. Mit Pferd und Hund kreuzt er jedoch auf dem Weg zur Bank eine Gruppe deutscher Soldaten, die sich denken mit dem alten Mann kurzen Prozess machen zu können – ohne zu ahnen, dass hinter dem alten Mann eine mystische, kampferprobte Legende steckt.

Ein Begriff, der mir bei der Sichtung des Trailers und auch dem Film in den Sinn gekommen ist, war „finnish brutality“. Der Begriff, der eigentlich ein militärisches Sport-Event mit Ausdauer-Tests und unterschiedlichsten Schießübungen in Finnland beschreibt, trifft auch wie die Faust aufs Auge auf „Sisu“. „Sisu“ selbst ist ein Begriff wie im Film geschildert, für den es keine genaue Beschreibung und Übersetzung gibt. Am ehesten ist es eine Form von Beharrlichkeit, Willenskraft, Mut und Entschlossenheit auch bei nahezu widrigsten Umständen. Und aus diesem Begriff erschafft der Film mit dem kampferprobten Goldschürfer Aatami Korppi einen stillen, stoischen, leicht mystisch überzeichneten Helden, den wir hier begleiten dürfen auf einer Reise, die mit 90 Minuten kurz, kompakt und kompromisslos ist. Visuell ist der Film bis auf wenige, eher nicht so gute visuelle Effekte einfach großartig inszeniert und auch audiell sehr gut umgesetzt. Von der Kamera über den Sound bishin zum Design der Kostüme, den Sets, Haare und Make-Up schafft der Film eine absolut stimmige Atmosphäre. Der Grad der Brutalität ist extrem – extrem gut und auch sehr kreativ und schafft es nie zum absoluten Selbstzweck zu verkommen, sondern Teil des beharrlichen Kampfes des Goldschürfers gegen die zahlenmäßig überlegenen und damit naiv überheblichen deutschen Truppen. Der Film ist in einige Kapitel unterteilt und damit klar und gradlinig bis zum Ende strukturiert. Mit seinen textlichen Einblendungen kommt der Film dann auch wie ein absolut erstklassig inszenierter finnischer Grindhouse-Western rüber, an dem auch Tarantino- und John-Wick-Fans beziehungsweise Action-Fans im Allgemeinen ihren Spaß haben dürften.

„Sisu“ – My First Look – 9/10 Punkte.

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