Obgleich sich vom Debüt des finnischen Regieduos Joonas Pajunen und Max Seeck nicht übermäßig viel mitnehmen lässt, so erfährt man zumindest etwas über den ungewöhnlichen und nicht unspannenden Beruf eines Dendrochronologen. In diesem Teil der Geowissenschaft lassen sich anhand von Baumringen allerlei Begebenheiten nachweisen, sogar eine Siedlung mit Holzgebäuden lässt sich damit relativ genau datieren.
Die drei entfremdeten Geschwister Mathilda, Mikko und Maria treffen sich nach Jahren zwecks Testamentseröffnung wieder. Um über den Verbleib ihres Elternhauses zu entscheiden, reisen sie ins Hinterland, wo sie mit einem einschneidenden Erlebnis ihrer Kindheit konfrontiert werden. Die seinerzeit spurlos verschwundene Mutter bildet nur den Anfang einer Kette unheimlicher Begebenheiten…
Lange Zeit fühlt sich die Erzählung wie ein Drama über ein disharmonisches Geschwistertrio an, welches offenbar einen Großteil der gemeinsamen Vergangenheit verdrängt hat. Zumindest mag sich niemand so recht erinnern, warum damals ein Mädchen in einem Käfig steckte, wer der Tote war, der vor dem Haus im Wald von der Polizei entdeckt wurde und was es mit den esoterisch anmutenden Aufzeichnungen der Mutter auf sich hat, welche augenscheinlich von Naturgeistern angetan war.
Bruchstückartig werden unregelmäßig Rückblenden bemüht, die Teile der Kindheit und somit weitere Probleme bebildern, wogegen in der Gegenwart erneut eklatante Entwicklungen verschwiegen werden. Folgerichtig wird man mit niemandem so recht warm, eine regelrecht nordische Kühle durchzieht die Konstellation, welche sich auch anhand der tristen, weitgehend kontrastarmen Farbgebung widerspiegelt. Allerdings wird dem Publikum wenig Greifbares vermittelt, denn das titelgebende Klopfen ist zwar nach rund 20 Minuten erstmals wahrnehmbar, doch eine konkrete Bedrohung ist kaum auszumachen.
Dies ändert sich erst im finalen Akt, als Erinnerungen zurückkehren und jemand spurlos verschwindet. Entsprechende Rotfilter hätte es für die Erzeugung der leicht surreal anmutenden Atmosphäre gar nicht benötigt, da der unübersichtliche Wald im Nebel und noch mehr der latent unheilschwangere Score bereits effektiv dazu beitragen. Mal abgesehen von minimalem Body Horror gibt es kein erwähnenswertes Blutvergießen und auch sonst hält sich die Inszenierung mit markanten Schauwerten zurück.
Die Pointe erinnert derweil ein wenig an eine typische Episode von „Geschichten aus der Gruft“, wobei die Chose wahrscheinlich besser als Kurzgeschichte funktioniert hätte. Denn diverse familiäre Hintergründe haben nur bedingt etwas mit der Auflösung zu tun, werden jedoch im Verlauf recht breitgetreten, um in irgendeiner Form etwas Unheilvolles einzubringen.
Man muss die latent ruhige und weitgehend unaufgeregte Erzählweise mögen, denn in Sachen Spannung bleibt der Stoff weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
5,5 von 10