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Eine braune Kiste, einige Rätsel, eine Einladung auf eine Insel. Der exzentrische Milliardär Miles Bron lädt ein paar Freunde auf seine Insel ein, für eine schöne Zeit und ein Spiel. Ein Mord soll aufgeklärt werden. Dass auch der Detektiv Benoit Blanc eine Einladung erhalten hat, verwundert diesen allerdings ebenso wie Bron.

Nach „Knives Out“ (2019) ist das der nächste Fall für den Ermittler, wieder geschrieben und inszeniert von Rian Johnson. Das Ensemble macht seine Sache in den eng gesteckten Grenzen ordentlich, gerade Edward Norton in der Rolle des Miles Bron und Janelle Monae als Andi stechen da heraus, Daniel Craig wirkt da szenenweise schon wie eine Parodie auf die Figur, die er darstellen soll, treibt die Geschichte aber immerhin gut voran.

Das Setting ist nett, fühlt sich nach Urlaub an und die Geschichte um eine überschaubare Gruppe ist klassisches Whodunit. Um hier allerdings mitfiebern zu können, hätte man den einzelnen Figuren mehr Hintergrund geben müssen. Denn auch wenn das Skript sie viel sagen lässt, letztlich weiß man fast nichts über sie, sie bleiben Abziehbilder ihrer zugewiesenen Haupteigenschaft und eindmensional.
So wie Johnson das Ganze hier aufzieht, wirkt es immer wieder einen Tick zu drüber, als dass man es ernst nehmen könnte. Wie schon im Vorgänger berauscht sich die Story lieber an sich selbst, was auch dazu führt, dass selber mitraten eher nicht in Frage kommt. Johnson nimmt sein Publikum einfach an die Hand und führt es herum, anfassen darf es aber nichts selbst.

Und dann gibt es da noch eine überlange Rückblende, denn „Glass Onion“ erzählt nicht nur noch eine Vorgeschichte aus, er greift hier auch in das schon Gesehene nochmal ein. Ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits liefert er so Ergänzungen und neue Blickwinkel, um die Aufklärung des Falls voranzutreiben, andererseits fügt er aber auch in bereits erlebte Szenen ziemlich plump neue Dinge ein, sodass man sich leicht veräppelt vorkommen kann. Da sagt Johnson dann einfach mal „Ätsch“. Scheint sein Humor zu sein, der im Film generell nicht oft zündet. Oh, er steht vor Arschbacken. Hui.
Ein paar Zufallstreffer gibt es aber doch.

Bis zu diesem Punkt ist das Ganze immerhin noch eine kurzweilige Erzählung. Das Ende zieht die Chose dann aber nochmal runter. Denn man verlässt sich nicht auf die Cleverness des Detektivs, sondern zwängt noch einen infernalischen Rache-Radau hinein. Und der will dann auch noch mit Sinn gefüllt werden, den er bei genauerer Betrachtung nicht hat. Soll cool sein, ist leider nur dumm und unbefriedigend.
Und so sieht Johnsons zweiter Krimi mit dem Detektiv Blanc wieder chic aus, ist aber nicht der große Wurf, für den er sich selbst in jeder Minute hält.

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