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Mit einer vertraut erscheinenden Prämisse geht der australische Regisseur Mark Hartley an den Start, welche spätestens seit Hitchcocks „Fenster zum Hof“ Bekanntheit erfuhr und durch Beiträge wie „Disturbia“ eine Frischzellenkur erhielt. Der Originaltitel „Girl at the Window“ passt letztlich wesentlich besser als „Clockwork Killings“.

Amy (Emma Newton) und ihre Mutter (Radha Mitchell) sind nach dem Unfalltod ihres Vaters aufs Land gezogen. Hier trieb bereits der Clockwork Killer sein Unwesen und nach einigen Monaten Pause scheint er wieder zuzuschlagen. Amy vermutet den Killer direkt in ihrer Nachbarschaft in Form von Chris (Vince Colosimo), welcher sich soeben mit ihrer Mutter anfreundet…

Zum besseren Mitraten sollte das Urteilsvermögen der Protagonistin ein wenig getrübt erscheinen, was hier in Form eines deutlich nachwirkenden Traumas, einschließlich Schuldfrage durchaus gegeben ist. Insofern stellt sich einige Zeit die Frage, ob Amys nächtliche Wahrnehmungen eines Van auf ihrem Nachbargrundstück nur Zufall sind oder dem Timing des Schlächters entsprechen. Zwar wird nicht allzu sehr auf die Mutter/Tochter-Beziehung eingegangen, doch Amy erscheint mit einigen Eigenheiten und mutigem Vorgehen sympathisch genug, um das Rätselraten einnehmend zu tragen.

Die Ermittlungsarbeit der Polizei bleibt derweil ein wenig auf der Strecke und aufgrund eines überschaubaren Figurenkreises fällt die Auswahl an Verdächtigen eher mager aus. Zwischenzeitlich streift man zwar die Gefilde reinen Horrors, als es im Domizil des Unsäglichen ein wenig blutig zur Sache geht, ansonsten konzentriert sich der Stoff auf Wahrnehmungen der Hauptfigur, welche zuweilen mit Alpträumen verschwimmen.
Leider findet vorm letzten Drittel ein erzählerischer Schnitt statt, der einen Großteil des Whodunit zunichte macht, dennoch fällt das Finale nicht minder spannend aus.

Handwerklich bleibt Hartley weitgehend bodenständig und bemüht eher selten ungewöhnliche Kameraperspektiven, wie die „Innenansicht“ eines entnommenen Augapfels, die paradoxerweise nicht mit dem Durchtrennen des Sehnervs unterbrochen wird. Die Musik hält sich angenehm im Hintergrund zurück und unterstreicht größtenteils subtil die latent beklemmende Atmosphäre, während darstellerisch solide performt wird, obgleich Mitchell als besorgte Mutter sichtlich unterfordert ist.

Zwar kommt der Streifen nicht so kammerspielartig wie Hitchcocks Vorbild rüber, doch ist er mit ähnlich simplen Mitteln realisiert worden. Dank einer sympathischen Hauptfigur und einer auf atmosphärischer Ebene tauglichen Kulisse hält der Stoff passabel bei Laune, allzu innovativ kommt er letztlich jedoch nicht rüber. Ist ein kleiner, angenehmer Krimi für zwischendurch, bei dem man mit nicht allzu hohen Erwartungen herangehen sollte.
6 von 10

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