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Als die junge Polizistin Sunny (Emilia Schüle) ihre neue Dienststelle irgendwo in der nord(ost?)deutschen Provinz antritt, verliebt sie sich schnell in ihren Kollegen Juro. Bei einem gemeinsamen Einsatz gelingt es ihnen, die Mörderin Rex festzunehmen, die für einige Frauenmorde in der Umgebung verantwortlich ist - Morde, bei denen den Opfern stets nur die Schweißdrüsen entfernt wurden. Sunny findet im Haus der Täterin neben diversen Formeln eine Phiole mit einem Destillat, die sie heimlich an sich nimmt - sie ahnt, daß dieses Parfum etwas mit der Motivation der Täterin zu tun hat. Sie selbst kann es jedoch nicht riechen, denn Sunny hat seit ihrem 7. Lebensjahr ihren Geruchssinn verloren. Als sie das Parfum ausprobiert, hat es stark aphrodisierende Wirkung auf ihren Partner - der wollte eigentlich zu seiner Ex-Frau und den beiden Kindern zurück, bleibt dann aber doch bei Sunny.
Die immer noch allein und auf eigene Faust ermittelnde Polizistin bringt schnell heraus, daß die Morde im Auftrag des jungen Dorian (Ludwig Simon) erfolgten, der das Parfum zusammenkomponiert hatte - der junge Mann mit den außengewöhnlichen Fähigkeiten eines Parfumeurs experimentiert auf der Suche nach dem einen Elixier, das Liebe herbeizaubern soll, mit menschlichen Schweißdrüsen, die er jedoch aufgrund seines Wesens nicht beschaffen kann, wofür er die gewaltbereite Rex brauchte. Sunny macht Dorian, der sich in der Nähe im Wald versteckt, ausfindig und bringt ihn dazu, mittels einiger Destillate ihren Geruchssinn wieder herzustellen. Dann jedoch bricht Rex aus dem Gefängnis aus und die unheilvolle Allianz des Parfumeurs und der Killerin scheint sich fortzusetzen...

Der Parfumeur ist eine deutsche Produktion, die sich lose an Patrick Süskinds 1985er Roman Das Parfum orientiert - doch mit dem Sujet spezieller Düfte, die anderen Menschen den Verstand rauben, sind die Gemeinsamkeiten auch schon ausgeschöpft: diese 2022er Version ist nach holprigem Beginn eher ein Selbstfindungstrip einer jungen Frau um die Dreißig, der in Punkto Erzählstruktur und Hintergrundinfos weder einem Krimi noch einem Drama, am allerwenigsten jedoch dem großen Vorbild gerecht wird.

Abgesehen von den offenbar niemandem auffallenden eigenen Ermittlungen und dem Diebstahl des Flakons schon gleich zu Beginn spielen Polizei und Ermittlungsarbeit fortan so gut wie keine Rolle mehr, und der Essenzen-Mischer Dorian ist (und bleibt) den Behörden sowieso unbekannt. Stattdessen spaziert Sunny mal mit und mal ohne Waffe in den Wald und testet Substanzen in Reagenzgläsern, die ihr der sanft auftretende Straftäter zusammenmischt (wtf?). Als der Geruchssinn dann wieder hergestellt ist, folgen lange Sequenzen, in denen sie freudig barfuss durch Wiesen läuft oder sich in hunderten toter Fische wälzt - bitte wen interessiert sowas? Doch währenddessen  hat der begnadete Parfumeur (der ihr eines Tages einfach eins über die Rübe zieht und abhaut - wtf?) sein ursprüngliches Ziel nicht aus den Augen verloren und bastelt weiter an seiner Formel, welche die Liebe in ein Parfum hineinbringen soll. Sunny, die nebenbei auch schwanger geworden ist (nein so etwas!) ist ihm trotz allem weiterhin auf den Fersen, Juro oder ihre Kollegen schaltet sie aber auch jetzt nicht ein.

Das völlig verquaste Drehbuch konstruiert dann noch das eine oder andere Zusammentreffen von Sunny und Dorian, doch einen Sinn vermag der Zuschauer darin nicht wirklich zu entdecken. Selbst wenn man den darstellerischen Leistungen der Titel- und der Hauptfigur zumindest eine solide Performance bescheinigen mag, versagt die Netflix-Produktion Der Parfumeur plottechnisch so ziemlich in jeder Hinsicht. Die größte Kunst hierbei ist übrigens nicht die angestrebte Herstellung des perfekten Parfüms, sondern diesen Schwachsinn bis zum Ende durchzustehen. 2 Punkte.

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