Die wahre Faszination Hasselhoff verstehen und teilen heutzutage wahrscheinlich nur noch die Gruppe, die in der Kindheit erst mit K.I.T.T. an der Seite den Knight Rider begleitet haben und eventuell später noch am Strand von Malibu Beach patrouilliert sind; beide Serien waren zu der Zeit Millionenseller, aber auch von Beginn an Ziel von Häme und Kritik. Etwas, was an Kinderohren erstmal abprallt, aber nicht unbedingt eine Vierteljahrhundert später immer noch mit derselben Begeisterung konsumiert oder zumindest liebevoll daran gedacht wird; die Klientel schrumpft also eher mit der Zeit, als dass sie dazu gewinnt. Ze Network ist unter anderem einer der vielen Projekte, die aus dem frühen Ruhm immer noch Kapital schlagen wollen, Hasselhoff ist mehr eine Marke als eine Person, und er ist immer noch eine Person mit bekannten Schwächen, was die Marke durchaus interessant machen kann, aber auch zur Veralberung dieser prädestiniert. Hier im deutschen Fernsehen hat man primär für den Streamingdienst RTL+ eine Mischung aus beiden davon versucht, aus Huldigung und Anerkennung, aber auch aus dem Spiel mit den Klischees und der Vereinigung von Sein und Schein der schönen Kunst, eine Art Anachronismus bebildert in modernen Bildern, eine Absurdität im Thriller, ein serieller Kundschafter des Friedens, welcher in acht Folgen zu je knapp über 30 Minuten erzählt wird und mit Folge 1 "Paint The Town Red" ("Mal richtig die Sau rauslassen") beginnt:
David Hasselhoff ist unzufrieden mit den Rollen, die ihm angeboten werden. Angespornt durch seine Tochter Tara Hasselhoff [ Athena Strates ] nimmt er ein Angebot aus Deutschland in einer Off-Broadway-Show unter der Führung des ehemals preisgekrönten Regisseurs Batur N. Bathur [ Serkan Kaya ] und der Leiterin und Managerin Chloe Hayne [ Anja Herden ] an, die sich vor allem auch um die Finanzierung und die weitere Besetzung wie Tom Maria Dunckel [ Max Befort ] und vor allem Henry Hübchen gekümmert hat. Doch schon bei der Ankunft statt in Berlin in Görlitz passieren dem früheren Star allerlei Merkwürdigkeiten, die ihm nicht bloß Kommissar Comberg [ Urs Rechn ] über den Weg laufen lassen; einzig in der Assistentin Melli Spitz [ Lisa-Marie Koroll ] sieht er so etwas wie ein Hilfe aus der zunehmenden Komplexität.
Die Sau rausgelasen wird erstmal mit einer vierteiligen Autojagd durch Pula, Kroatien, die Fahrzeuge alle aus dem Farbtopf gefallen, die Sprüche während den Blechschäden betont hip bis gleichzeitig albern, die Stunts dafür durchaus sehenswert, die Manöver, die Raserei in der Innenstadt, die Bilder, die eher an die frühen Nullerjahre erinnern, mehr im schlechten wie im Guten, die Joha-Schmiede lässt grüßen. Die Kameraarbeit ist hier besser als das Geschriebene, handwerklich kann man Akzente setzen, ein Buswartehäuschen explodiert und reißt das letzte verfolgende Fahrzeug im grellen Strudel mit. Doch das ist nur ein Film im Film, eine Fake-Version, eine aufwändige zwar, aber nicht die Serie selber, es stößt bei den Produzenten auf Begeisterung, da Nummer Sicher gehend, der Star selber ist dem über und protestiert. Er will echte Rollen, er will etwas, dass seine Zeit wert ist, wahrscheinlich will er sowas wie JCVD (2008) oder zumindest Jean-Claude Van Johnson (2016–2017), beides soll er bekommen, in einer Mischform davon zumindest. There’s No Business Like Show Business, man fängt am Boden der Realität an, man kann sich Absagen holen oder weiter um Herausforderungen kämpfen, man kann der Erinnerung nachtrauern, in der Vergangenheit leben, man kann auch einfach in die Rente gehen. Was man nicht mehr kann, ist die Zeit zurückdrehen, die Fehler ungeschehen machen, den Karriereweg ändern, oder ihn neu aufleben.
Das Drehteam ist deutsch, die Amerikaner sind (durch CBS Studios) aber mit beteiligt, Christian Alvart ist der Ideengeber und der Regisseur, Henry Hübchen das Gegenüber. Hasselhoff selber ist schon 70, er hat schon Aussetzer, in der Serie natürlich, Kurzschlafphasen nach Jetlag, er stößt vor in verschiedene Bewusstseinsstadien, mal wach, mal erwachend, mal hier an einem Ort, dann wieder woanders, mal ist er allein, dann sitzt ein Mensch ihm gegenüber. Seltsame Fragen werden aufgetischt, in der Vergangenheit gegraben, tief in den Stasiakten, in der Korruption, in der damals florienden, jetzt erloschenen oder doch nur ruhenden Politik. Hier atmet Geschichte, es geht nach Görliwood, eine ferne fremde Welt, es geht auf die Bühne, weit weg von Zuhause und irgendwas stimmt mit der eigenen Wahrnehmung nicht. Man steht außen vor, man passt nicht hinein in die Gruppe, eine Verwirrung macht sich breit, eine Paranoia, wie ein schlechter Rausch, eine böse Erkenntnis, ein You Are Wanted (2017 - 2018) in der Provinzialversion, mit einem Blutrausch im Hotelzimmer.
Zu Anfang ein Knalleffekt und am Ende der Folge ebenso, beide gewöhnungsbedürftig, wobei der 'richtige' Film bzw. die Serie bis jetzt immerhin besser als das Einsprengseln zu Beginn, der vorgestellte Fake-Film ist. Viel von der Persona Hasselhoff hat man bis dahin noch nicht kennengelernt, er wurde eher herumgeschoben, er hat sich erst am Ende gewehrt; was dabei herausgekommen ist und warum und überhaupt, wird in Episode 2, Episodentitel "Three Score And Ten" ("Siebzig"), und folgend geklärt. Erst kommen die Fragen und Verdächtigungen, die Ausreden und die möglichen Erklärungen, die Vermutungen und die Verschwörungen. Ein Symbol für Frieden und Freiheit ist blutbesudelt und verwirrt, die Realität findet hier nicht statt, dafür verschiedene Realitäten, ein Spiel im Spiel, bald wird auch das Geschehen auf der Theaterbühne für wahr und ernst genommen und mit den eigenen Erfahrungen konkludiert und konfrontiert. Das Ganze wird als Comedy vermarktet, es ist so komisch wie Ein Mann jagt sich selbst, so humoristisch-entspannt wie Der Mann, der zweimal lebte, "Das reicht jetzt mit den Witzen.", das obligate "Fotze" fällt. Ein sehr großer, sehr ängstlicher, sich unwohl fühlender Mann, viel wird auf die Augen gezoomt, die Pupillen klar, der Kopf gleich zu mehreren Faktoren, allen voran der Zeit, aber auch situativ verwirrt. Die deutsche Synchronisation mit ungewohnter Stimme macht ihn noch schwächer, fragiler als es im englischen Original dann wirkt.
"On With The Motley" (“Ein wildes Durcheinander“) lautet Episode 3, die gänzlich anders anfängt als bisher gewohnt und gänzlich anderswo auch spielt, nämlich mit einer Verhaftung in der dritten Welt. Aus dem bisherigen Kleinklein in die Internationalität, in die großen Krisen, ein Minenfeld mit neuen Fronten, eine Rekrutierung. Überschneidend gibt es Probleme mit der Presse, mit den sozialen Medien, das ausgeworfene Netzwerk zieht sich zusammen quasi, mal bleibt es Kasperletheater, mal wird es Thriller. “Wir sind doch alle Freunde hier, oder?“ Szenen scheinen wichtig, scheinen als Lückenfüller, es gibt Déjà-vu, es bleibt bei vielen Aussetzern, es geht unter die Bühne, es geht dahinter und es geht oben drüber. Religion kommt mit hinzu, die Weltpolitik, es werden neue Räumlichkeiten entdeckt und neue Themen. Zudem gibt es eine Vermisstenmeldung und eine polizeiliche Ermittlung, "The Game Is Afoot" (“Die Karten sind gemischt“), es geht zu Folge 4, ein fortwährender Albtraum, stets neue Anforderungen und Herausforderungen, wie ein Leben ohne Schlaf und Rast und Pausen, die Inszenierung als steter Angriff, mit stets gleichen Mitteln. Sekunden sind Tage, sind Wochen, längst Erlebtes wird nur mit neuem Sehen erlebt und dann bloß aus der Stütze von Eselsbrücken rekapituliert. Auf Hilfe oder Unterstützung kann man nicht hoffen, der Druck wird noch und nöcher, keiner hört dem Anderen zu, niemand versteht, niemand kapiert. Immerhin wird hier auch mal gesungen, und es wird auf der Bühne und im realen Leben erkannt, dass Lisa-Marie Koroll weitab die beste Darstellung aller Beteiligten bringt.
"Skeleton In The Closet" ("Leichen im Keller") heißt die Episode 5, im Umland von Görlitz werden Menschenteile gefunden, die Presse in Aufruhr, die Polizei auf Hochtouren, Deadline, Variety und Hollywood Reporter sind auch informiert, es wird wie zuvor viel telefoniert, es herrscht Medienalarm, "Heute ist alles ein bisschen chaotisch bei uns.", chaotisch ist es schon seit der ersten Folge, eine Steigerung schlecht möglich. "Ist normalerweise nicht soviel Druck.", nur kurze Phasen der Ruhe, im Safehouse im Umland selber; es würde in der Tat schon reichen, wenn die Kamera mehr die (aufgedrehten, angespannten) Leute machen lassen würde als sich selber zu engagieren. Unterstützung gibt es hier durch einen Gastauftritt von K.I.T.T., und von Christian Tramitz. Durch den Trans Am kommt zu Beginn von Episode 6 "That's All She Wrote" ("Das war's dann") auch etwas Aktion auf der Autobahn zustande, und zum ersten Mal überhaupt wird Görlitz selber in der Innenstadt besichtigt; raus aus dem Theater, rein in die Gesellschaft. Ansonsten sind hier Fanaufmärsche zu bewundern, und ein Verfolger klebt am Star, oder eher zwei. Die Serie ist mittlerweile hyperagressive Depression in Reinform, und in Schleife, es gibt Leidenschaft, es gibt Verzweiflung, es gibt Ausreden, wie ein Schweben auf Schlaflosigkeit, die Probleme häufen sich, die Leute zerbrechen vor der Kamera, bald hat man nicht nur zu viele Mitwisser, sondern auch einen geheimen Zuhörer. Beine werden verdreht und Waffen gezückt.
"Wo ist David jetzt schon wieder?" heißt es in Folge 7 "O Ye, Of Little Faith", ("Oh, die ihr schwachen Glaubens seid") es geht vor und zurück, es wird sich in den Moment hineinversetzt und Dinge vorgestellt, ein großer Rahmen, ein kleines Ensemble. Von der ostdeutschen Bühne mit dem halb kaputten, in Stücken gerissenen Campingwagen rein in die arabischen Lande, mit den bewaffneten Soldaten, den Absperrungen, dem Rebellensturm, dem Schusswechsel vor dem Kaiserpalast. Eine Schleife, eine Schlaufe, Veränderungen im Ablauf, das eine in der Probe, das andere in der Realität, in der Improvisation, "Wir werden alle draufgehen."