Viele ließen sich über "Shocker" aus, weil er diverse Ähnlichkeiten mit "Nightmare - Mörderische Träume" aufwies. Doch Wes Craven (Scream, Red Eye) schrieb das Drehbuch selbst und beging ein wenig Raubbau bei seinem eigenen Werk, somit kann man ihm eigentlich nichts vorwerfen. Seine 15. Regiearbeit ging trotzdem ein wenig unter, vielleicht auch weil die Qualität seiner Filme seit "Nightmare" zu wünschen übrig ließ, "Der Tödliche Freund" ausgenommen.
Der Fernsehtechniker Horace Pinker (Mitch Pileggi) schlachtet ganze Familien ab und stellt Lt. Don Parker (Michael Murphy) vor ein Rätsel. Doch sein Sohn Jonathan (Peter Berg) hat auf einmal Alpträume und Visionen, die von Pinker handeln. Somit kann er Pinkers nächsten Mord vorhersehen und er kann endlich geschnappt werden. Der Massenmörder landet sofort auf dem elektrischen Stuhl, doch seine Hinrichtung schlägt fehl. Pinker verlässt seinen Körper und kann fortan als eine Art Energiewesen in den Körper jedes Menschen schlüpfen. Nur Jonathan ahnt, dass Pinker noch nicht tot ist und er will Rache für den Tod seiner Freundin Alison (Camille Cooper). Doch in welchem Körper steckt Pinker nun ?
Das ist schon ein einmaliger Mix, den uns Horrospezi Wes Craven hier um die Ohren haut. Seine Hauptfigur, der Massenmörder Horace Pinker, hat ein wenig Ähnlichkeit mit Pizzavisage Freddy Kruger. Er ist völlig skrupellos, ist auch mit dunklen Mächten im Bunde und das Morden bereitet ihm Freude. Mit Mitch Pileggi (Akte X, Vampire in Brooklyn, Return of the Living Dead II) haben wir die perfekte Verkörperung des Bösen, es scheint fast so, als habe Pileggi für diese Rolle extra ein Krafttraining absolviert, denn sonst wirkt er viel schmächtiger und friedfertiger. Er spielt hier sogar Michael Murphy (Batmans Rückkehr, Tricks, X-Men - Der letzte Widerstand) locker an die Wand und auch der sympathische Peter Berg (Copland, Smokin Aces, Von Löwen und Lämmern) kann da nicht mithalten.
Peter Berg mimt den jungen Jonathan, dessen Familie und Freundin von Pinker ermordet wird. Warum er auf einmal diese Visionen von Pinker bekommt, wird nur sehr vage beschrieben. Auf jeden Fall hat er Alpträume, die bald Realität werden und hier erinnert "Shocker" stark an "Nightmare on Elmstreet". Aber wirklich nur anfänglich, denn "Shocker" geht eigene Wege. Ein wenig unangebracht wirkt der Humor beim Footballspiel und auch Pinkers Schimpfwortorgien sind zu überkandidelt. Doch ansonsten überzeugt dieser etwas krude Mixtour aus Serienkillerfilm, Horror und ein wenig Fantasy. Zudem hat "Shocker" ein extrem hohes Erzähltempo, sogar einige Wendungen zu bieten, auch wenn die Spannung gelegentlich auf der Strecke bleibt.
So beschäftigt sich die erste halbe Stunde mit der Festnahme Pinkers, der entkommt beim ersten Versuch und tötet dabei erstmal ein halbes Dutzend Polizisten. An Jonathan will er sich persönlich rächen, somit ermordet er Alison. Doch Alisons Liebe zu Jonathan ist so stark, dass sie ihm öfters erscheint und nur ihr Amulett bietet Schutz vor Pinker. Durch ein Ritual verwandelt der sich in ein Energiewesen, springt von Körper zu Körper, sogar Kinder werden nicht verschont. So ist Jonathan ständig in Gefahr, selbst sein eigener Vater trachtet ihm bald nach dem Leben, weil Pinker in ihm steckt. So ist hier ständig Action geboten. Jonathan wird verfolgt, auf ihn wird geschossen und er muss sich prügeln. Nur ein paar Spezialeffekte, zum Beispiel wenn Pinker aus der Glotze krabbelt, oder sich an einer Steckdose auflädt, sind nicht gerade professionel gemacht, auch nicht für die damalige Zeit. Die wenigen Goreeffekte sind aber handmade, wobei meist nicht der Mord selbst, sondern nur das blutige Resultat zu sehen ist.
Im Finale übertreibt es Craven dann ein wenig. Da kloppen sich Pinker und Jonathan durch verschiedene Fernsehprogramme, da kann man schnell mal den Überblick verlieren.
Selten hat ein Horrorfilm soviel Action zu bieten und einen solch fiesen Psychopaten. Dennoch hat der Plot Logiklöcher, die Spannung ist nur auf durchschnittlichem Niveau. Einige Spezialeffekte lassen zu wünschen übrig, ein wenig kitischig wirkt das Auftauchen der toten Alison, doch "Shocker" unterhält prima, wenn auch anspruchslos.